EU-Transportkommissar Antonio Tajani: "Unterstützung für Airlines"

EU-Transportkommissar Antonio Tajani: "Unterstützung für Airlines"

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Antonio Tajani

Der EU-Transportkommissar über Hilfen für die Luftfahrt, über den geplanten Emissionshandel für Fluggesellschaften und die Konsolidierung der Branche.

WirtschaftsWoche: Herr Tajani, die Wirtschaftskrise trifft die Luftfahrtbranche fast ebenso hart wie die Autoindustrie. Braucht jetzt auch die Luftfahrt staatliche Hilfe?

Tajani: Die Fluglinien brauchen unsere Unterstützung – und werden sie auch bekommen. Wir wollen so schnell wie möglich einen einheitlichen Luftraum über Europa schaffen. Ich erwarte, dass das EU-Parlament und die EU-Mitgliedstaaten unserem Reformprojekt „Single European Sky“ noch vor den Europawahlen Anfang Juni zustimmen werden. Das ist eine wichtige Antwort auf die Krise.

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Aufhebung der nationalen Grenzen und der militärischen Sperrzonen im europäischen Luftraum – im Vergleich zu den Milliardenhilfen für die Autoindustrie wirkt das bescheiden.

Unterschätzen Sie den Effekt nicht! Die Flugstrecken in Europa werden im Durchschnitt 50 Kilometer kürzer, weil keine unnötigen Umwege mehr geflogen werden müssen. 2007 verursachten diese Umwege Kosten von 2,4 Milliarden Euro. Wir erwarten außerdem, dass sich die Kosten für die Flugsicherung langfristig halbieren werden. Statt 800 Euro pro Flug fallen 2020 im Durchschnitt nur noch 400 Euro an. Durch die bessere Nutzung des Luftraums wird es außerdem zu weniger Verspätungen kommen. Die verursachen derzeit Kosten von 1,3 Milliarden Euro im Jahr. Alles in allem rechnen wir bis 2020 mit einer Entlastung für die Luftfahrtbranche von elf Milliarden Euro.

Die Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraums scheiterte bisher am Widerstand einzelner Länder. Warum sollte das Projekt jetzt gelingen?

Der Widerstand lässt nach, etwa beim Militär. In Italien sitzen bereits militärische und zivile Fluglotsen in einem Kontrollraum. So könnte das auch anderswo laufen. Und wir planen kein geschlossenes System, sondern wollen auch die Länder rund um das Mittelmeer miteinbeziehen. Wir arbeiten bereits an Abkommen mit unseren südlichen Nachbarn.

Sie verstehen den einheitlichen Luftraum als Konjunkturprogramm. Warum bürden Sie der Luftfahrt dann den Emissionshandel auf?

Europa hat sich Klimaschutzziele gesetzt, und die müssen wir auch erreichen.

Die Branche trägt nur etwa drei Prozent zum weltweiten Ausstoß an Klimagasen bei. Zudem sind die europäischen Fluglinien benachteiligt, wenn sie von 2012 an Verschmutzungszertifikate kaufen müssen.

Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen verteidigen. Darum gilt: Wenn reduziert werden soll, dann nicht nur in Europa. Wir müssen ein Gesamtkonzept schaffen, in dem weltweit dieselben Regeln gelten. Zum Glück hat US-Präsident Barack Obama zu erkennen gegeben, dass auch er den Klimawandel bekämpfen will.

Es kann aber noch dauern, bis die USA Maßnahmen ergreifen. Warum prescht Europa mitten in der Krise vor – und arbeitet schon an Details für den Emissionshandel?

Ich möchte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen erhalten und glaube deshalb, dass wir die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember abwarten sollten. Wir müssen in Kopenhagen auf jeden Fall vermeiden, dass die europäischen Fluglinien gegenüber anderen benachteiligt werden. Welche technischen Möglichkeiten es genau gibt, müssen wir uns noch genauer ansehen. Im Übrigen: Allein der einheit-liche Luftraum führt dazu, dass die Emissionen um zehn Prozent niedriger ausfallen. Im Jahr werden dadurch 16 Millionen Tonnen an CO2 eingespart.

Befürchten Sie in Europa eine verstärkte Konzentration in der Branche, weil einige Anbieter die Rezession nicht überstehen könnten?

Nein. Wer verschwinden könnte, sind die Luftlinien alten Stils, die staatlichen Airlines. Das haben wir bei Alitalia und Olympic Airways gesehen. Dass Lufthansa jetzt nach Italien kommt und Alitalia auf Inlandsflügen Konkurrenz macht, ist für mich Zeichen genug, dass der Wettbewerb funktioniert. Natürlich gibt es auch Linien mit Schwierigkeiten.

Die EU-Kommission prüft gerade die Übernahme von Austrian Airlines durch die Deutsche Lufthansa. Befürworten Sie da strengere Auflagen?

Ich bin überzeugt, dass wir im Allgemeinen kein Konzentrationsproblem bekommen werden. Wenn Airlines den Markt verlassen, werden wir auch wieder Neueintritte sehen, die die Lücken schließen.

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