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Euro-Bonds: Der nächste Schritt zur Transferunion

von Silke Wettach, Henning Krumrey und Cordula Tutt

Nach Rettungsschirm und Irlandhilfe droht nun der nächste Schritt in die Transferunion. Gemeinsame Euro-Anleihen würden die Bundesschuld erheblich verteuern. Finanzminister Wolfgang Schäuble gerät in den Verdacht der Kollaboration

Euro Quelle: Illustration: Wieslaw Smetek
Euro Quelle: Illustration: Wieslaw Smetek

Wolfgang Schäuble hat derzeit Glück. Die Schulden steigen unaufhörlich, und doch muss er dieses Jahr mit 38 Milliarden Euro drei Milliarden weniger für Zinsen ausgeben als noch im Jahr 2008. Die im Zuge von Banken- und Währungschaos gefallenen Zinssätze für deutsche Staatsanleihen machen es möglich. Doch die Gunst der Krise könnte bald vorbei sein. Kämen die Euro-Bonds, die Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker und Italiens Finanzminister Giulio Tremonti vorgeschlagen haben, mit einem Zins zwei Prozentpunkte über dem aktuellen Satz für Deutschland, stiege Schäubles Belastung schon nächstes Jahr um rund 5,6 Milliarden Euro, allein durch die 2011 fällige Umschuldung von 280 Milliarden Euro. Auf die gesamte Bundesschuld hochgerechnet, spränge der Kapitaldienst in Schäubles Etat von 38 auf rund 60 Milliarden Euro – jedes Jahr.

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Jede Lösung wird teuer

Ein Horrorszenario – und doch vielleicht nur ein oder zwei EU-Gipfeltreffen entfernt. Wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag und Freitag im Justus-Lipsius-Gebäude zusammenkommen, werden sie keine grundlegenden Beschlüsse fassen, die die Euro-Zone zukunftsfest machen. Zu tief sind die Meinungsunterschiede. Die unsoliden Länder der Peripherie liebäugeln mit einer Transferunion. Solvente Staaten wie Deutschland oder auch die Niederlande fürchten die Rolle des Zahlmeisters – haben sich aber offenbar immer noch nicht überlegt, welches der möglichen Szenarien das am wenigsten unattraktive wäre. Das Dumme: Teuer wird jede Lösung, sofern die schwachen Länder nicht ihre Wirtschaft und ihre Staatshaushalte sanieren – mutig und dauerhaft.

Immer neue Angriffe der EU-Nachbarn branden gegen die Stabilitätsfestung Deutschland. Zwar will die Bundesregierung im Abwehrkampf stets das Richtige, kehrt aber mit Kompromissen heim. Kompromisse, die immer tiefer in eine Trans-ferunion führen. Das Bail-out-Verbot im Maastrichtvertrag – umgangen, um Griechenland zu retten. Die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank – gekippt, um Problemanleihen aufzukaufen. Automatische Sanktionen für Sünder – der Rat kann Strafen stoppen. Beteiligung der Gläubiger – gibt’s nur, wenn Euro-Länder insolvent sind (und nicht mal automatisch). Doch vorher flüchten die unter den Rettungsschirm. Jetzt also Euro-Bonds.

Der Vorschlag einer Gemeinschaftsanleihe – nicht neu, aber immer wieder provokant – erhitzt die Gemüter. Das kategorische Nein der Kanzlerin nannte Bond-Coach Juncker „uneuropäisches Verhalten“, und weiter: „Deutschland denkt da ein bisschen simpel.“

Einfach ist die Idee und für Deutschland vermutlich teuer. Die Mischmasch-Anleihe bekommt eine Art europäischen Einheitszins (auch wenn der kein arithmetisches Mittel der nationalen Notierungen sein wird). Günstig für Wackelkandidaten, die allein erhebliche Aufschläge in Kauf nehmen müssten. Teuer dagegen für jene Länder, die bisher als solide gelten.

43 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.05.2011, 16:10 UhrAnonymer Benutzer: Sco

    Schade, dass viele Leute nicht das große Ganze sehen. Wirtschaftlich gesehen können wir sicherlich zur D-Mark zurückkehren. Aber was würde dies für den Rest der Eurozone bedeuten? Können wir wirklich so naiv sein und glauben, dass diese nach dem Austritt Deutschlands noch weiter existieren wird - wie der Artikel so schön in Szenario eins darstellt. Ein Austritt eines der Euroländer hätte den Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung zur Folge. Wir - die Deutschen - können uns es nicht leisten auf eine einzelstaatliche Lösung zu setzen. Wir würden als Einzelstaat jegliches Mitbestimmungsrecht in der Welt verlieren. Warum? Wer keine wirtschaftliche Macht mehr besitzt, darf auch nicht mehr mitbestimmen. Und genau dies wird der Fall sein, wenn nicht nur die Chinesen erkennen, welche Macht sie eigentlich besitzen, sondern auch indien wirtschaftlich und politisch bedeutender wird.
    Wollen wir wirklich zulassen, dass eine Diktatur (China) zukünftig die politischen Entscheidungen in der Welt trifft?
    Der einzige Fehler der gemacht wurde, besteht in der Einführung einer Wirtschaftsunion ohne vorherige Einführung einer politischen Union. Zugegeben - dies war kein marginal zu vernachlässigender Fehler.

  • 17.12.2010, 17:03 UhrAnonymer Benutzer: Helmut Kohl

    in der ftd.de steht vom 16.12.2010 ein bericht das bei den EU-bonds haltern Massenpanik ausgebrochen sei.
    ES soll wie in einem Kino sein das 1 Ausgang hat wo EU-bonds zurück gelöst werden können und jeder will als erster am Ausgang sein.

    Daher ist die EZb momentan schlichtweg "pleite"
    Daher Kapitalerhöhung um 1 bill.

    Was wird über weihnachten passieren oder ist chon im Gang ?

    Alle in ir, SP, PT, belgien etc. GR werden ihr Geld in Sicherheit bringen wolen ins nicht EU-Ausland.

    Und dieser Prozeß ist gerade in vollem gange --die Presse berichtet nicht.

    Aber am Zusatand der EZb zu ersehen.

    Ungeheure Geldmengen innerhalb der EU befinden sich auf der Wanderschaft aus dem EU-Raum

    Das ist momentan Fakt.

    Merkel setzt auf die kleinen Schritte --lansame Verarmung der bRD-bürger über viele verdeckte Steuererhöhungen.

    Das ist wie das Ausbluten einer ganzen Mittelschicht.

    das wird gerade eingeleitet.

  • 17.12.2010, 16:57 UhrAnonymer Benutzer: Helmut Kohl

    wie wird belgien seine Staatspleite bewältigen.

    sich teilen in NL-Teil + FR-Teil ; belgien wird aufgelöst ist als Staat nicht mehr vorhanden also hat es auch keine Schulden.

    PS: Warum ist man nach dem 1. WK nicht auf diese idee gekommen und hat gleich für alle Personalausweise mit beschränkten Menschen ausgeteilt ?

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