Euro-Bonds: Der Weg ins Verderben

Euro-Bonds: Der Weg ins Verderben

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von Malte Fischer

Euro-Bonds sind nicht die Lösung für die Schuldenkrise. Vielmehr treiben sie die Zinsen für solide Länder wie Deutschland in die Höhe, beschleunigen die Schuldenspirale - und besiegeln das Ende des Euro.

Sparpakete, milliardenschwere Hilfsprogramme, Euro-Rettungsschirm – kein Instrument konnte bisher die Euro-Krise eindämmen. Nach jedem Beschluss der Staats- und Regierungschefs stellten die Finanzmärkte das Überleben der Euro-Zone erneut infrage. Immer mehr Politiker und Ökonomen fordern daher, Gemeinschaftsanleihen in der Währungsunion aufzulegen. Sie sind für ihre Befürworter ein Mittel, die Krise ein für allemal zu beenden. Denn bei Euro-Bonds übertragen finanzstarke Länder wie Deutschland, Niederlande und Finnland ihre Bonität auf finanzschwache Mitglieder wie Griechenland, Portugal und Italien. Somit gäbe es keine Peripherieanleihen mehr, die in das Visier der Finanzmärkte geraten könnten.

Befürworter der Euro-Bonds verweisen auf den riesigen Anleihenmarkt, der mit ihrer Einführung entstünde. In puncto Größe, Liquidität und Bedeutung könnte er es mit dem Markt für US-Staatsanleihen aufnehmen. Derzeit befinden sich Staatspapiere von Euro-Ländern im Wert von sechs Billionen Euro im Umlauf. Umgerechnet zum aktuellen Wechselkurs, entspricht das rund 8,5 Billionen Dollar. Der Markt für US-Staatsanleihen beläuft sich auf 9,4 Billionen Dollar. Weil Anleger auf einem so großen Markt jederzeit in großem Stil Bonds verkaufen und kaufen können, ohne mit ihren Orders die Kurse durcheinanderzuwirbeln, sänke die von ihnen geforderte Liquiditätsprämie. Das, so die Euro-Bond-Befürworter, drücke die Finanzierungskosten nach unten. Zudem steigere der liquide Markt die Attraktivität des Euro und fördere dessen Aufstieg zur Weltreservewährung.

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Haftung

Doch ein genauer Blick zeigt: Euro-Bonds sind nicht die Lösung für die Schuldenkrise. Sie sind der sichere Weg in den Ruin der Staatsfinanzen der soliden Länder – und beschleunigen den politischen Zerfall Europas. Das hat mehrere Gründe.

Um den angestrebten Bonitätstransfer von den starken auf die schwachen Länder zu erreichen, müssen Vertreter beider Ländergruppen zum Emittentenkreis gehören. Da es jedoch nicht möglich ist, Länder zur Teilnahme am Euro-Bond zu zwingen, könnten sich kleinere, solide Staaten wie Finnland verweigern. Das würde den Druck auf große Länder wie Deutschland erhöhen, sich an allen Emission zu beteiligen.

Außerdem müssten sich die Regierungen zwischen einer gesamt- oder teilschuldnerischen Haftung entscheiden. Im ersten Fall würde jedes Land für die gesamten Schulden aller anderen Länder haften. Im Falle eines Zahlungsausfalls mehrerer Länder könnte das bedeuten, dass Deutschland die gesamten Schulden aus der Anleihe allein zurückzahlen muss. Das dürfte den Steuerzahlern kaum zu vermitteln sein. Wahrscheinlicher ist daher, dass eine teilschuldnerische Haftung vereinbart würde. Die nationalen Haftungsanteile würden sich dann wohl an den Länderanteilen am Euro-Rettungsfonds EFSF orientieren. Für Deutschland bedeutete dies einen Haftungsanteil von rund 27 Prozent. Fraglich ist allerdings, ob ein solcher Euro-Bond die Märkte wirklich beruhigte. Denn die Anleger müssten mit einem Teilverlust ihres Kapitals rechnen.

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