Euro-Gipfel: Feuerpause für Europas Banken

KommentarEuro-Gipfel: Feuerpause für Europas Banken

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Viele Banken mussten in der Krise erleben, wie es nicht geht: Sie büßen ihre Unabhängigkeit ein.

von Mark Fehr

Bis tief in die Nacht rangen Bankenvertreter mit Politikern um den Schuldenschnitt - und trafen sich in der Mitte. Der zur historischen Marke ausgerufene Brüsseler Gipfel verschafft Europas Banken nur eine kurze Atempause.

Europäische Finanzinstitute verlieren als Ergebnis des Brüsseler Doppelgipfels die Hälfte ihres an den griechischen Staat verliehenen Geldes. Das ist ein Präzedenzfall, den die Politik nicht verhindern konnte. Stellen die Geldhäuser aufgrund dieser schmerzhaften Erfahrung ihre Kredite an die öffentliche Hand jetzt komplett ein? Das soll der gigantisch aufgeblähte Euro-Rettungsschirm verhindern, mit dem die Regierungen die Finanzierung der Staatsausgaben absichern wollen.

Denn die Schuldenkrise ist nicht allein ein griechisches Problem. Auch die Bonität größerer EU-Staaten sinkt – betroffen sind Italien, Spanien und sogar Frankreich. Um die Bremsspuren der öffentlichen Haushaltsmisere in den Bankbilanzen zu beseitigen, müssen wichtige europäische Kreditinstitute ihre harte Kernkapitalquote bis Mitte kommenden Jahres auf neun Prozent steigern. Wer das mit Hilfe privater Investoren nicht hinkriegt, bekommt notfalls obligatorische staatliche Beteiligungen aufgebrummt.

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Märkte atmen auf

Das Paket lässt die Finanzmärkte am ersten Handelstag nach der Gipfelnacht aufatmen. Doch die Feuerpause darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bankenwelt noch weitere gravierende Umbrüche bevorstehen. Bisher orientierte sich das Koordinatensystem der Geldbranche an der vermeintlichen Sicherheit öffentlicher Kredite. Unter dieser Prämisse stand das gesamte Risikomanagement der Finanzkontrolleure, nach ihr richteten sich Bankmanager bei der Gewichtung spekulativer Geschäfte und konservativer Anlagen. Jetzt aber fordern selbst Branchenvertreter angesichts des griechischen Ausfalls, Staatsanleihen künftig zu risikobehafteten Vermögensgegenständen zu erklären. Derzeit geben sich die Bankenaufseher noch der Illusion hin, dass Staatskredite nicht ausfallen, denn sie lassen diese bei der Berechnung der offiziellen Kernkapitalquoten außen vor. Lediglich beim jüngsten Blitzstresstest der Kontrollbehörde EBA wird eine Abwertung bestimmter Staatsbonds auf den Marktwert simuliert.

Anleger wenden sich ab von Bonds

Zunächst jedoch kann die Finanzwelt Entspannungssignale genießen. Bankaktien legen im Handel deutlich zu und die Risikozuschläge auf Schuldtitel südlicher Euro-Staaten glätten sich merklich. Deutschen Bonds kehren Anleger dagegen den Rücken – die Papiere der Bundesrepublik galten bisher als letzter sicherer Zufluchtsort. Beobachter erklären das nachlassende Interesse damit, dass risikoreichere Investments nach dem Gipfeldurchbruch nun wieder an Attraktivität gewinnen. Der Rückzug aus deutschen Papieren könnte jedoch auch daran liegen, dass die gewaltigen Verpflichtungen für die Euro-Rettung die Bonität Berlins nicht gerade steigern.

Deutsche Banken erstrahlen an den Finanzmärkten auch deshalb etwas heller als südeuropäische oder französische Konkurrenten, weil Investoren und Anleger auf die hohe Kreditwürdigkeit des deutschen Staats vertrauten. Doch auch das kann sich bald als Trugbild entpuppen. Deutschland ist längst nicht das haushaltspolitische Musterland, als das es die Schieflage anderer Staaten momentan erscheinen lässt. Im Jahr 2050 rechnen Ökonomen auch hierzulande mit einem öffentlichen Schuldenstand von 180 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Auf diese bittere Tatsache haben sich bislang weder Politiker noch Banker eingestellt.

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