
Giorgos Papakonstantinou beschönigt nichts: „Die Leute glauben, dass wir furchtbar in der Klemme stecken – und das stimmt.“ Niemand in Athen ist jetzt so gefragt wie der 48-jährige griechische Finanzminister. An manchen Tagen drängen sich Dutzende TV-Reporter und Journalisten im 6. Stock des Finanzministeriums am Syntagmaplatz. Sie treffen auf einen überarbeiteten, aber dennoch ausgeglichenen Mann, der Zuversicht verbreitet. Trotz aller Sorgen habe er „einen gesunden Schlaf“, versichert Papakonstantinou freundlich lächelnd.
Dabei hat er wenig Grund zur Freude. Mit ihrem Schlendrian, einem Haushaltsdefizit von fast 13 Prozent und Staatsschulden von annähernd 120 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) stehen die Griechen am Pranger der Europäischen Union. Seit ihrem Beitritt zur Währungsunion 2001 haben die Hellenen in keinem einzigen Jahr die Vorgaben des EU-Stabilitätspaktes erfüllt, stattdessen mit frisierten Zahlen Fehlbeträge und Schulden kaschiert. Jetzt, wo die Schuldenkrise den Euro in die Tiefe zieht und die Fundamente der Währungsunion erschüttert, traut man ihnen sogar den Staatsbankrott zu.
Lange sah die EU zu. Nun reagiert sie so heftig wie nie zuvor. Alle vier Wochen muss Papakonstantinou in Brüssel seine Bücher vorlegen. Er soll das Haushaltsdefizit bis Ende 2012 unter drei Prozent vom BIP drücken. Um vier Prozentpunkte soll der Fehlbetrag bereits in diesem Jahr sinken. „Wir versuchen, das Ruder der Titanic herumzuwerfen“, sagt der Athener Finanz-Steuermann.
Wachsender Schuldenberg
Wie man weiß, hat das damals nichts genutzt, und deshalb schockt der Vergleich manche Analysten. Ist die Lage des hoch verschuldeten Landes womöglich noch ernster als bisher bekannt, der Staatsbankrott so unausweichlich wie der Untergang des legendären Luxusdampfers? Doch Papakonstantinou dürfte sich mit seiner Titanic-Parabel weniger an jene Spekulanten gewandt haben, die ohnehin seit Wochen auf einen Untergang des griechischen Staatsschiffes wetten. Der Finanzexperte muss jetzt vor allem seine Landsleute vom Ernst der Lage überzeugen, damit sie seinem neuen Kurs folgen. Und dafür ist kein Schreckensszenario zu drastisch.
Für die Finanzmärkte hat Papakonstantinou eine andere Botschaft: „Es besteht absolut kein Risiko eines Zahlungsausfalls“, versichert er gebetsmühlenartig. Derweil lässt der Kursverfall der griechischen Bonds die Renditen steigen, was die Refinanzierung verteuert. So wächst der Schuldenberg weiter und belastet die Kreditwürdigkeit des Landes noch mehr – eine teuflische Spirale, die tatsächlich zum Zahlungsausfall führen könnte.
„Wenn wir uns für den Rest des Jahres zu den gegenwärtigen Konditionen refinanzieren müssten, wäre das eine Katastrophe“, sagt Papakonstantinou. Er sieht sein Land in einem Wettlauf gegen die Zeit: „Wir müssen der EU, den Märkten und unseren eigenen Bürgern möglichst schnell beweisen, dass wir es ernst meinen mit der Haushaltskonsolidierung.“













