Euro-Klage: Ex-Thyssen-Chef als Euro-Rebell

Euro-Klage: Ex-Thyssen-Chef als Euro-Rebell

von Andreas Wildhagen

Dieter Spethmann läuft als Kritiker der europäischen Integration zur Hochform auf.

Dass ein pensionierter Industriekapitän mit 85 Jahren noch fit ist, zeigte Dieter Spethmann, ehemaliger Vorstandschef des Stahlriesen Thyssen, am vergangenen Dienstag in Düsseldorf. Dass er bei seinem Stammfriseur "Finne" im Hotel Breidenbacher Hof zur haarträchtigen Generalüberholung weilte, zeigte der von seinem Fahrer bedenkenlos abgestellte dunkelblaue S-Klasse-Mercedes auf dem Bürgersteig, direkt vor dem Prominenten-Barbier, bei dem sich viele Düsseldorfer Wirtschaftsgrößen schnittig frisieren lassen. Zum Beispiel auch Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber.

Waschen, schneiden, färben - so hieß das Spethmann-Programm, das an jenem frühen Abend schnell durchgezogen werden musste. Neben Ausführungen über die historische Bedeutung des Domes von Xanten am Niederrhein hörten sich die Figaros geduldig auch den Ex-Tempore-Vortrag des "Herrn Professors" an, wie Spethmann bei seinem Stammfriseur respekvoll angesprochen wird.

Anzeige

Deutschlands Dritte industrielle Revolution

Es ging um den Euro und was er die Deutschen kostet, 250 Milliarden locker, wenn nicht mehr. Und ob nach Griechenland in diesem September noch Italien folgt? Die italienischen Figaros hörten es mit Bangen. Es war ein haariges Thema, was der Mann unter klappernden Scheren dort ansprach. Friseurkunde Spethmann gehört zu den acht Klägern gegen den Euro-Rettungsschirm. Die Klage wurde am Mittwoch vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen.

Der Industrieführer, der knapp zwanzig Jahre auf dem Chefsessel von Thyssen saß und dort Industriegeschichte schrieb, kann nicht richtig ausspannen. Nach seinem Stahl- und Industrieleben ist er nun Schriftsteller geworden, wie sein Vater, der es in seiner Fachwissenschaft als Wirtschaftshistoriker des Ruhrgebietes zu Ruhm gebracht hat.

Sohn Dieter, Ex-Thyssen-Chef, Euro-Fighter und Vater von acht Kindern, schreibt nun auch und gar nicht mal schlecht über "Deutschlands Dritte industrielle Revolution" und den Niedergang Europas durch den Euro ("Der Euro plündert Deutschland",  7,80 Euro) - alles polemische Schriften, die im Dreesbach-Verlag erscheinen - der auch Kinderbücher herausgibt ("Der kleine August"). Beziehungsreich weist der Spethmann-Verlag darauf hin, dass der Verlag nach dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten August Dreesbach benannt worden sei - Dreesbach hätte sich Kämpfer für die freie Meinungsäußerung hervorgetan, heißt es auf der Homepage, auch wenn sie wehtut. Spethmann und Dreesbach haben also etwas gemeinsam.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%