Euro-Krise: Die Euro-Retter suchen den Umweg zur Notenpresse

Euro-Krise: Die Euro-Retter suchen den Umweg zur Notenpresse

, aktualisiert 16. Dezember 2011, 10:05 Uhr
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Nicole Bastian leitet das Handelsblatt-Finanzressort.

von Nicole BastianQuelle:Handelsblatt Online

Am liebsten wäre den Euro-Rettern, die Notenbanken würden direkt Geld drucken, um Schuldenstaaten am Markt zu stützen. Doch die Währungshüter sträuben sich dagegen. Also gehen die Länder einen Umweg - über den IWF

DüsseldorfWenn Kinder etwas nicht direkt bekommen, versuchen sie, es mehr oder weniger subtil einfach auf anderem Weg zu erhalten. Genauso machen es dieser Tage die Regierungen der Euro-Staaten. Sie wollen von den Notenbanken ein noch stärkeres Eingreifen in die Finanzmärkte, um diese zu beruhigen. Dass die Europäische Zentralbank bisher für 207 Milliarden Euro Anleihen der Euro-Schuldenländer angekauft hat, reicht ihnen nicht. Sie wünschen sich eine "Bazooka", mit der Notenbank-Mittel direkt in den Markt gefeuert werden.

Vor allem die Bundesbank aber stellt sich gegen eine Staatsfinanzierung durch Notenbanken. Das Argument: Die Währungshüter verlieren darüber langfristig Glaubwürdigkeit und Vertrauen - ihr wichtigstes Gut.
Was also tut die Politik in Europa als Reaktion? Sie ersinnt Umwege, um an das Ziel zu kommen. Man könnte doch etwa für den europäischen Rettungsfonds eine Banklizenz basteln, damit er sich so über die Europäische Zentralbank refinanzieren kann. Auf verwinkelten Umwegen hätte man so die Notenpresse angeworfen. Der Versuch scheiterte. Zu Recht.

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Jetzt soll nach den Beschlüssen des jüngsten EU-Gipfels der Internationale Währungsfonds (IWF) als Umweg zum Notenbankgeld herhalten. Im krassesten Fall geben die Notenbanken der Euro-Zone 200 Milliarden Euro zusätzliche Kredite an den IWF, der diese dann an die Euro-Staaten zahlt. Das wäre allerdings zu deutlich als Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken erkennbar.

Also legt die Bundesbank - wieder zu Recht - Wert darauf, dass die Kredite nicht nur für Europa verwandt werden und die Lasten für die Kredite an den IWF sich gerecht auf die IWF-Anteilseigner verteilen. Das heißt ganz klar: Wenn die USA als größter Geldgeber jetzt signalisieren, nicht mitzumachen, dann darf die Bundesbank, die 45 Milliarden Euro stemmen soll, auch nicht mitziehen. Auch dann nicht, wenn der Druck aus der europäischen Politik weiter wächst. Die Politiker Europas sollten die Idee des IWF-Umwegs in diesem Fall einfach schnell wieder begraben.

Europa hat auf dem jüngsten Gipfel glaubhafte Langfristrezepte gefunden, um an den Finanzmärkten wieder Vertrauen zurückzugewinnen. Jetzt müssen die Staaten zeigen, dass den Zielen auch Taten folgen. Das ist ein langwieriger Prozess, auf dem es immer wieder Aufs und Abs geben wird - aber die Richtung ist gefunden.

Jetzt für eine kurzfristige Milderung auf Umwegen die Notenpresse auf höhere Touren zu bringen ist nicht der richtige Weg. Für kurzfristige Milderung gibt es einen vorübergehenden und einen permanenten Euro-Rettungsfonds. Sie sind aus Fiskalmitteln aufgesetzt und damit genau für den Zweck gedacht, zu dem jetzt die Notenbankmittel herhalten sollen. Wenn diese Mittel nicht reichen sollten, müssen die Parlamente eben mehr bewilligen. Oder haben sie nur davor Angst?

Die Autorin leitet das Finanzressort. Sie erreichen sie unter: bastian@handelsblatt.com

Quelle:  Handelsblatt Online
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