Euro-Krise: Drastische Reformen zeigen in Irland Wirkung

27. April 2010
Irische und Europäische Quelle: REUTERSBild vergrößern
Irische und Europäische Flagge Quelle: REUTERS
von Yvonne Esterházy

Irland kämpft wie Griechenland mit einer schweren Wirtschaftskrise. Doch drastische Reformen zeigen erste Erfolge.

Neulich gab es endlich wieder eine gute Nachricht: Die amerikanische Fast-Food-Kette McDonald’s will expandieren und in Irland vier neue Restaurants eröffnen. Damit wird der US-Konzern, der bisher in seinen 82 irischen Schnellrestaurants 3650 Menschen beschäftigte, in diesem Jahr 250 neue Arbeitsplätze schaffen.

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Auch in Dublin, wo bis vor zwei Jahren laufend neue Gourmettempel und teure Boutiquen eröffneten, wird es schon bald ein neues Burgerlokal geben. Die Gäste werden sich einfinden: Preiswertes Essen ist für viele zur Notwendigkeit geworden. Denn die Arbeitslosenrate stieg auf der Grünen Insel 20 Monate in Folge, bevor sie sich nun seit Jahresbeginn bei 13,4 Prozent stabilisierte.

Irland ist tief gefallen, doch nun ist Besserung in Sicht. Unter den meisten Volkswirten herrscht Konsens, dass die irische Wirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahres endlich wieder wachsen wird. Optimisten rechnen gar damit, dass von 2011 bis 2014 eine Phase mit einem stärkeren durchschnittlichen Wachstum von vier Prozent im Jahr folgen könnte.

Haushaltsdefizit mit griechischen Dimensionen

Noch 2006 hatten die Iren nach den Luxemburgern das zweithöchste Pro-Kopf-Einkommen aller 27 EU-Länder. Zwei Jahre später, als die Immobilienblase geplatzt und die heimischen Banken in eine schwere Krise getrudelt waren, folgte die Bruchlandung. Die kleine und weltoffene Volkswirtschaft, die sich in den Neunzigerjahren ihrer Dynamik wegen als keltischer Tiger bezeichnet hat, stürzte im Herbst 2008 als erstes EU-Land in eine tiefe Rezession (siehe Grafik auf der nächsten Seite).

„Nur wenige Länder wurden so hart getroffen wie Irland“, sagt Dietmar Hornung von der Ratingagentur Moody’s. Das war kein Wunder, denn die Wirtschaft war stark exportorientiert und profitierte, solange es mit der Weltwirtschaft aufwärtsging. Zudem hing das Wachstum stark am heimischen Immobilienmarkt und an den Finanzdienstleistungen.

Das Platzen der Häuserblase brachte die Grundfesten der irischen Wirtschaft ins Wanken. Die Banken rutschten wegen ihres starken Engagements am Immobilienmarkt in eine Schieflage und überlebten nur dank massiver staatlicher Rettungsprogramme. Die Regierung musste die Anglo Irish Bank komplett verstaatlichen und hält mittlerweile Beteiligungen an den Großbanken Allied Irish Bank (70 Prozent) und Bank of Ireland (40 Prozent). Sie hat für die Auslagerung fauler Kredite eine sogenannte Bad Bank – die Asset Management Agency (Nama) gegründet, die bisher Giftmüllpapiere im Buchwert von 16 Milliarden Euro übernahm, für die sie angesichts eines erheblichen Abschlags von 47 Prozent allerdings nur 8,5 Milliarden Euro bezahlte. Insgesamt wird Nama bis Ende 2010 Kredite von 81 Milliarden Euro übernehmen.

Die Bankenhilfe und die rückläufigen Steuereinnahmen bescherten den Iren ein Haushaltsdefizit griechischer Dimension und eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch die internationalen Ratingagenturen (Moody’s etwa bewertet Irland derzeit mit Aa1). Heute gehört das Budgetdefizit der Iren mit 14,3 Prozent zu den höchsten in der EU.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 27.04.2010, 21:21 Uhrwww.irlandnews.com

    Das ist das Pfeifen im Walde. irland ist nicht auf dem Weg der besserung

  • 27.04.2010, 17:27 UhrAnton

    ist es wirkliche schon eine gute Nachricht, wenn McDonalds 4 neue Restaurants eröffnet. ich fände es eine gute Nachricht, wenn ich hören würde, das 4 schicke Restautrant oder Pubs eröffnet haben. Aber doch nicht die Fortschreitung der Niedergang einer Kultur. Dies sehen wir in Deutschland ja leider auch!

  • 27.04.2010, 11:47 UhrDr. Ludwig Paul Häußner

    Auch irland wird Mehrwertsteuer auf EU-Höchstsatz erhöhen müssen
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    Nicht nur Griechenland, sondern auch die übrigen PiiGS-Staaten werden zu Verringerung der Defizite in den jeweiligen Staatshaushalten mitttelfristig die MwSt schrittweise auf 25% erhöhen müssen - ebenso Frankreich wie auch Deutschland werden
    werden aufgrund der fiskalischen Zwänge nicht umhinkommen die MwSt zu erhöhen.

    Mehr dazu vom Karlsruher Finanzwissenschaftler berthold Wigger:

    http://www.unternimm-die-zukunft.de/Ausgewaehlte_Texte/Texte_zu_verwandten_Themen/Fisk_Zwaenge.pdf


    L.P. Häußner, Karlsruhe

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