Euro-Krise: Endspiel um Italien

Euro-Krise: Endspiel um Italien

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Giulio Tremonti und Silvio Berlusconi

von Oliver Voß

Kurstürze und Panikverkäufe erschüttern erneut die Märkte, die EU-Finanzminister können die Sorgen um Italien nicht eindämmen. Italiens Superminister Tremonti drückt aufs Tempo, um ein Sparpaket durchzubringen, doch sein Regierungschef und eine Affäre könnten ihn ausbremsen.

Giuglio Tremonti hat es derzeit extrem eilig. Der italienische Superminister für Wirtschaft und Finanzen reist voreilig vom heutigen Krisen-Treffen in Brüssel ab, um sich um seinen Haushalt zu kümmern. Schon am Donnerstag könnte im Senat über das Sparpaket abgestimmt werden, Anfang kommender Woche dann im Parlament. 40 Milliarden Euro sollen damit eingespart und das italienische Defizit bis 2014 nahezu auf Null reduziert werden.

Die Zeit drängt, denn Tremonti liefert sich derzeit einen dramatischen Wettlauf mit den Märkten. Auch heute befanden sich die Aktienkurse an der Mailänder Börse wieder im freien Fall, um fast fünf Prozent stürzte der italienische Leitindex FTSE und auch an andere europäische Börsen kam es zu Panikverkäufen. Im weiteren Handelsverlauf stabilisierten sich die Märkte.

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Besonders hart traf es Bank- und Versicherungstitel, Unicredit verlor erneut 7,6 Prozent. Die Aktien haben allein seit Anfang Juli 30 Prozent an Wert verloren. Der Handel für Unicredit und fünf weitere Titel, darunter die Versicherer Generali und Mediolanum wurde vorübergehend ausgesetzt. „Es gibt keine Käufer mehr und man sieht niemand, der ein Rezept hätte, um die Siutation zu ändern“, erklärte ein Händler.

Rettungsschirm auf 1,5 Billionen Euro verdoppeln?

Seit Ende vergangener Woche ist Italien zum Sorgenkind der Eurozone avanciert, die italienische Börsenaufsicht Consob hat als Reaktion auf den „Schwarzen Freitag“ die Regularien für Leerverkäufe von Aktien an der Börse verschärft.

Die Zinsen für italienischen Staatsanleihen waren auf den höchsten Wert in der Euro-Geschichte gestiegen und legen seitdem weiter zu. Mit 5,7 Prozent liegen sie inzwischen  doppelt so hoch, wie vergleichbare Bundesanleihen.

Das macht die Aufnahme frischen Geldes immer teurer und Italien muss in diesem Jahr noch 175 Milliarden Euro refinanzieren, von Juli bis September sollen allein mit der Ausgabe neuer Anleihen insgesamt 40 Milliarden Euro in die Staatskasse wandern.

Nach Berechnungen des Finanzdienstleisters Bloomberg muss Italien in diesem und dem kommenden Jahr ein Viertel seiner Gesamtschulden in Höhe von 1,6 Billionen Euro refinanzieren. Im Vergleich dazu muss Großbritannien im gleichen Zeitraum von seinen Schulden in Höhe von 1,1 Billionen Pfund nur 13 Prozent refinanzieren.

„Endspiel um den Euro“

Seit Ausbruch der Schuldenkrise wird immer wieder vor den Risiken in den großen Mittelmeerländern gewarnt. Nachdem zeitweise vor allem Spanien als Wackelkandidat galt, haben sich die Märkte nun auf Italien eingeschossen. Nach Griechenland hat Italien den zweithöchsten Schuldenstand der Euro-Zone: Nach letzten Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) im laufenden Jahr 120,6 Prozent, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). In Kreisen der europäischen Notenbanken wird bereits von einem „Endspiel um den Euro“ gesprochen.

Gestern wurden Überlegungen bekannt, der Rettungsschirm müsse auf 1,5 Billionen Euro verdoppelt werden. „Der bestehende Schirm in Europa reicht nicht aus, um eine glaubwürdige Schutzmauer um Italien zu bauen. Dafür war er nie angelegt“, zitiert die „Welt“  einen europäischen Zentralbanker.

Doch es ist fraglich, ob auch ein Staat von der Größe Italiens von den Euro-Partnern gerettet werden könnte. „Dass sich das durch eine Aufstockung des Rettungsschirms lösen ließe, ist eine Illusion“, sagt Schuldenexperte Guntram Wolff vom Forschungsinstitut Bruegel. Er rechnet vor: Griechenland braucht knapp 200 Milliarden Euro Notkredite. Und die italienische Volkswirtschaft ist sechs mal so groß. „Das könnte von den Europartnern nicht geschultert werden.“

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