Euro-Krise: "Euro-Bonds sind undemokratisch"

Euro-Krise: "Euro-Bonds sind undemokratisch"

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Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank

von Malte Fischer

Der Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, über die Gefahren von Euro-Bonds für die Währungsunion.

WirtschaftsWoche: Herr Mayer, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy haben Euro-Bonds vorerst eine Absage erteilt. War das ein Fehler?

Mayer: Keinesfalls. Euro-Bonds würden die Euro-Zone in eine Haftungsgemeinschaft verwandeln. Ohne weitere Schritte hin zu einer demokratisch legitimierten politischen Union höhlten sie das Demokratieprinzip aus. Deutsche Steuerzahler würden für Entscheidungen in anderen Ländern haften, auf die sie keinen Einfluss haben. Das verletzt das urdemokratische Prinzip "No taxation without representation", für das die Amerikaner einst in den Unabhängigkeitskrieg gezogen sind.

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Den Märkten wäre das egal, Hauptsache, Deutschland und andere finanzstarke Länder stünden als Bürgen hinter den Euro-Bonds.

Kurzfristig könnten Euro-Bonds die Märkte vielleicht beruhigen. Doch es würde nicht lange dauern, bis die Analysten sich fragten, wann die Wähler in den finanzstarken Ländern sich der Haftung widersetzen. Schauen Sie nur nach Finnland, Holland oder Frankreich, dort gibt es schon jetzt starke Anti-Euro-Bewegungen. Diese gewännen weiter an Einfluss. Die Märkte begännen dann rasch, Zahlungsausfallrisiken in die Euro-Bonds einzupreisen, was deren Zinsen erhöhte.

Man könnte die Ausgabe von Euro-Bonds an harte Sanierungsauflagen knüpfen.

Die Erfahrungen mit politischen Auflagen in der Euro-Zone sind nicht gerade ermutigend. Die Überwachungssysteme haben sich als löchrig erwiesen, der Stabilitäts- und Wachstumspakt hat versagt. Das beste Überwachungssystem ist der Markt. Ohne den Aufwärtsdruck bei den Zinsen für Staatsanleihen hätten die Regierungen in den Krisenländern keine Reformen eingeleitet.

Dann wäre es doch sinnvoll, die Zinskosten für den Euro-Bond nach dem Verschuldungsgrad der beteiligten Länder zu differenzieren?

Der Versuch, den Marktprozess am grünen Tisch zu simulieren, wird nicht funktionieren. Die Höhe der Zinsen für die einzelnen Länder wäre das Ergebnis eines politischen Geschachers.

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