_

Euro-Krise: Gemeinsam gegen die Spekulanten

von dpa

Im Kampf gegen Spekulanten bekommt das hoch verschuldete Griechenland nach Gesprächen mit den Europäern nun auch von den USA Unterstützung.

Barack Obama (l.) und Giorgos Quelle: REUTERS
Barack Obama (l.) und Giorgos Papandreou Quelle: REUTERS

Nach Beratungen mit US-Präsident Barack Obama in Washington sagte der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou, Obama begrüße entsprechende europäische Initiativen. Er habe vom Präsidenten in dieser Frage eine „positive Antwort“ erhalten, sagte der Ministerpräsident laut der Finanz-Agentur "Bloomberg". Obama habe auch seine Unterstützung für die Maßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise in Griechenland deutlich gemacht, sagte Papandreou. Er habe die USA aber nicht um Finanzhilfen gebeten. Der amerikanische Regierungssprecher Robert Gibbs hatte zuvor erklärt, dass die Europäische Union im Kampf gegen die griechische Schuldenkrise die Führungsrolle übernehmen sollte.

Anzeige

Unterdessen sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die vorgeschlagene Bildung eines Europäischen Währungsfonds (EWF) als langfristige Perspektive. Sie besteht dabei auf einer Änderung der geltenden EU-Verträge. Dies setzt Einstimmigkeit in der Europäischen Union voraus. „Wir wissen durchaus, wie schwierig das ist“, zitierte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Mittwoch die Kanzlerin. Auf jeden Fall dürfe es kein Aufweichen der bestehenden Euro-Stabilitätskriterien geben.

"Spekulanten das Handwerk legen"

Zur Lösung der aktuellen Griechenland-Krise wird ein EWF nach dem Muster des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Merkel nicht zur Verfügung stehen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte zuvor für die Gründung eines EWF plädiert. Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit einem gemeinsamen Brief zum Handeln auffordern.

Ziel ist, bestimmte Geschäfte wie Wetten auf fallende Aktienkurse oder auf Kreditausfälle und Pleiten ganzer Staaten künftig einzudämmen oder komplett zu verbieten. Bei CDS-Absicherungsgeschäften werden Ausfallrisiken von Anleihen oder Krediten - auch von Staaten - gehandelt. Sie stehen wegen der Griechenland-Krise erneut am Pranger. Der CDS-Markt soll Spekulationen gegen das hoch verschuldete Euro-Land noch verstärkt haben. Merkel hatte beim Treffen mit Papandreou schärfere Maßnahmen gefordert: „Wir müssen es schaffen, den Spekulanten das Handwerk zu legen.“

Spekulationen mit Kreditausfallversicherungen gegen Staaten müssten eingedämmt werden. Dafür müssten aber nicht nur die EU-Partner gewonnen werden, sondern auch die USA. Bei Leerverkäufen verkaufen Anleger Aktien - in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen und so Gewinne einstreichen zu können. Bei „ungedeckten Leerverkäufen“ decken sich Finanzinvestoren nicht zuvor mit Aktien ein, sondern verkaufen die Papiere, ohne sie ausgeliehen zu haben.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 hatten mehrere Aufsichtsbehörden weltweit mit befristeten Notverfügungen „ungedeckte Leerverkäufe“ untersagt. In Deutschland sind diese nach einem anderthalbjährigen Verbot seit Anfang Februar wieder erlaubt. Schäuble will sie jedoch verbieten.

Unterdessen werden neue Streiks an diesem Donnerstag weite Teile Griechenlands lahmlegen. Da auch die Fluglotsen die Arbeit niederlegen werden, sind alle Flüge ab Mitternacht für 24 Stunden abgesagt worden. Dies teilten die wichtigsten Fluglinien in Athen mit. Das betreffe auch alle Auslandsflüge. Damit wehren sich die Gewerkschaften des Landes gegen ein 4,8 Milliarden Euro schweres Sparprogramm der Regierung.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.03.2010, 15:29 UhrAnonymer Benutzer: Günther Lessmann

    Mann kann ein Volk wie die Griechen; bulgaren; Rumänen nur sozialisieren über eine Weichwährung--die direkt in die Lebensqualität eingreift wie Lewa oder Drachme--eine akkumulierende Währung oder gar harte Währung ist fatal--da hier schulden akkumuliert werden--die andere Völker ausgleichen müssen um ihren Lebensstandart

  • 14.03.2010, 15:21 UhrAnonymer Benutzer: Günther Lessmann

    Wenn Merkel diese Woche den Griechen beispringen sollte per Euro-Hilfen + EWF für alle anderen PiGS

    Dann wird in dem Moment der Euro zur Weich-Währung.

    Die Wertaufbewahrungsfunktion des Euros würde über Nacht entfallen.

    Ein Wettlauf im Austieg aus dem Euro würde einsetzten.

    Letztendlich würde es den Euro halbieren.

    Die verbleibene Exportwirtschaft würde es freuen.
    Den Privatverbraucher nicht.

    Warten wir bis Ende März--dann mal schauen ob Merkel neben der bankenrettung 500 Milliarden Euro den nächsten Fehler macht.

    Wenn Sie das tun sollte wäre es das ende der EU und Merkel könnte vorsorglich schon mal bei der Flugbereitschaft dauer Rot-Alarm auslosen.
    Denn dann ist die EU nicht mehr zu halten wie eine Lawine --wann Sie abgeht ist ungewiss.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.