Euro-Krise: Griechenland braucht neues Geld

Euro-Krise: Griechenland braucht neues Geld

Bild vergrößern

Griechenland

Das erste Rettungsprogramm für Griechenland ist gescheitert. Das Land braucht neue Milliardenkredite - ob sie helfen, ist zweifelhaft. Die Bundesregierung stellt neue Bedingungen, steckt aber politisch in der Falle.

Louka Katseli ist in der Welt herumgekommen. Im Anschluss an die Promotion an der US-Eliteuniversität Princeton lehrte sie an der nicht minder renommierten Yale University. Stationen bei internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und der OECD folgten. Im vergangenen September übernahm die 59-Jährige im Kabinett des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou das Amt der Arbeitsministerin – und ist seitdem in der griechischen Wirklichkeit angekommen. Vergangene Woche gab sie bekannt, dass der fast bankrotte griechische Staat jährlich 16 Millionen Euro Rente an 4500 längst Verstorbene zahlt. Ihr Ministerium prüft nun alle über 100-Jährigen – und nicht etwa alle Empfänger in Griechenland.

Katselis reichlich absurde Ankündigung illustriert, wie wenig Fortschritt Griechenland nach gut einem Jahr angeblich strenger Überwachung durch EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationalen Währungsfonds (IWF) gemacht hat. Griechenland funktioniert noch immer nicht so, wie es die Euro-Partner von einem Mitglied der Währungsunion erwarten.

Anzeige

Längst ist klar, dass das vor gut einem Jahr beschlossene, 110 Milliarden Euro starke Rettungspaket nicht reicht. Weitere 65 Milliarden Euro braucht das marode Land, um sich bis 2014 zu finanzieren. Ende Juni wollen die Staats- und Regierungschefs beim Gipfel in Brüssel darüber entscheiden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble malt ein düsteres Bild, bliebe die weitere Hilfe aus. Er sieht „die reale Gefahr des ersten ungeordneten Staatsbankrotts in der Euro-Zone“.

Die Bundesregierung steckt dabei politisch in der Falle. Die Führung des Finanzministeriums und die Spitzen der Regierungsfraktionen sind sich einig: Ohne eine Beteiligung der Gläubiger ist die erforderliche Zustimmung des Bundestages nicht zu erreichen – jedenfalls nicht die angestrebte eigene Mehrheit der Koalition. Zu groß ist der Widerstand, immer noch mehr Steuergeld zur Rettung von Griechenland auszugeben – und später vielleicht auch von Portugal.

Freiwilliger Umtausch

Ein erzwungener Forderungsverzicht der Gläubiger aber gelte als Zahlungsausfall des Landes – und schlagartig würden alle Forderungen fällig beziehungsweise die Kreditausfallversicherungen, die CDS. Deshalb will man nun den freiwilligen Umtausch der Anleihen in länger laufende erzwingen und so die griechischen Verbindlichkeiten strecken. Als Köder soll eine Vorzugsbehandlung der umtauschwilligen Gläubiger dienen: Wer Verzicht übt, müsste beispielsweise für die neuen Papiere weniger Eigenkapital hinterlegen; die EZB könnte auch die Annahme der alten Papiere verweigern. Um die Großgläubiger zum Einlenken zu bewegen, setzt das Finanzministerium auf eindringliche Seelenmassage. „Notfalls müssen wir alle Banken ins Ministerium einladen und so lange einsperren, bis sie zustimmen“, sagt ein zuständiger Beamter.

Im Bundesfinanzministerium diskutieren die Experten zwei Varianten: Schnelles Handeln sei erforderlich, damit nicht immer mehr private Gläubiger ihre Papiere an die EZB übertragen. Bis 2013 wird deren Anteil von ursprünglich 75 auf 43 Prozent sinken. Die Gegenposition geht genau anders herum: Erst wenn alle privat gehaltenen Papiere in öffentlicher Hand sind, lassen sich die Forderungen elegant umschulden, ohne dass ein privater Gläubiger den „Default“, also den Zahlungsausfall reklamieren könnte. Die Führung des Hauses setzt auf Variante eins.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%