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Euro-Krise: Griechenland will Milliarden sparen - ganz vorsichtig

von Hans Jakob Ginsburg

Griechenlands Regierung hat sogenannte Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro beschlossen. Die Mehrwertsteuer wird von 18 auf 21 Prozent erhöht, Pensionen gekürzt und die Beamtengehälter zusammengestrichen. Gleichzeitig appelliert Parlamentspräsident Petsalnikos an die Hilfsbereitschaft der Deutschen. Ihm antwortet WirtschaftsWoche-Redakteur Hans Jakob Ginsburg.

Philippos Petsalnikos Quelle: dpa
Philippos Petsalnikos Quelle: dpa
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Sehr geehrter Herr Präsident,

Sie haben alles Recht der Welt, für Ihre Nation um Hilfe zu rufen. Jedenfalls, wenn wir Ihnen glauben können. In Ihrem offenen Brief an die „lieben Deutschen“ lesen wir, dass Sie nicht erwarten, „dass die Deutschen uns ‚retten’. Diese Aufgabe haben wir uns zunächst einmal selbst gestellt“. Und an anderer Stelle: „Nicht Euer Geld, sondern Eure Solidarität und Eure Unterstützung braucht Griechenland, um die Angriffe der internationalen Spekulanten abwehren zu können.“

Prima: Indem Sie uns mitteilen, dass es Ihnen nicht um unser Geld geht, sind Sie natürlich ab sofort unser Lieblingsgrieche. Aber was wollen Sie eigentlich von uns?

Internationale Spekulanten sind fiese Leute, das sagt ja beinahe schon die Bezeichnung. Aber wenn heute irgend jemand in London oder New York darauf wettet, Herr Präsident, dass die Griechische Republik demnächst ihre Schulden nicht bezahlen kann, dann kann Ihnen das doch eigentlich egal sein. Schaffen Sie es, Ihre Staatsfinanzen schnell in Ordnung zu bringen, dann sehen diese Spekulanten alt aus; schaffen Sie es nicht, dann verdienen Sie sich eine goldene Nase auf Kosten anderer Spekulanten, die in Sachen Ihres Landes zu optimistisch waren – haben Sie keine anderen Sorgen, als sich darum zu kümmern?

Vertrauen verspielt

Aber Sie meinen mit „Spekulanten“ vielleicht ganz andere Leute an den Finanzmärkten, die wir mal ganz ohne Schaum vor dem Mund Anleger nennen wollen: Banken und Privatpersonen, die Ihrem Staat nicht mehr hinreichend trauen, um griechische Staatsanleihen zu halbwegs erträglichen Zinsen zu kaufen. Deren „Angriffe“ sind also kein böswilliges Handeln, sondern ein völlig rationales Unterlassen. Macht das Problem für Sie nicht leichter, aber wir sollten das Moralisieren vielleicht doch besser bleiben lassen.

Vertrauen kann man leicht verspielen – das haben Ihre Kollegen Politiker in Athen über Jahrzehnte perfekt vorgemacht – aber man kann es auch wieder gewinnen. Ihr Ministerpräsident und Parteifreund Jorgos Papandreou hat das hoffentlich begriffen, dem hilft wohl auch seine Vorbildung als amerikanischer Ökonomieprofessor. Fragt sich nur, ob sich dieses Verständnis schnell genug in Athen verbreitet.

Sparvorschläge auf Kosten anderer Leute lassen sich immer einfach machen. Aber erlauben Sie uns tiefes Unverständnis für die Aussage, Griechenland brauche wegen des gefährlichen türkischen Nachbarn einen immensen Militärhaushalt. Ihre Generäle mögen das behaupten genau wie deren Kollegen in Ankara das Umgekehrte. In Wirklichkeit gibt es keine griechische Gefahr für die Türken und keine türkische Gefahr für Sie. Zivile Politiker, die das bestreiten, sind Feiglinge.

41 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.04.2010, 22:34 UhrAnonymer Benutzer: Der Kommentator

    Super! Der Kommentator hat ja überhaupt keine Ahnung von von er schreibt. Aber man sieht das er gut Polemisieren kann. Aber das reicht noch nicht einmal für einen Mittelfeld Platz in nder Zunft der Journalisten. Tja, er wird weiter bloggen.

    Griechenland hat es in der "Antike" mit Sklaven geschaft eine Weltmacht zu werden. Nicht war? "Achtung rückschluss möglich"

    Und wenn sich noch so viele darüber aufregen, es bleibt beweisbar.
    Wissenschaftlich, beweisbar. Ach so noch was, zerstörte Länder im "Dreck" liegen gelassen. Und dann die Dummheit besitzen von Griechischen Automobilen zu sprechen. Wan konnte sich Griechenland von den Osmanen befreien? War das nicht im 1900 Jahrhundert. Sorry Kommentator. Versuchen Sie es nochmal.

  • 05.03.2010, 10:34 UhrAnonymer Benutzer: schade

    Der Ministerpräsident redet im heutigen FAZ-interview vom "offenen Thema der Reparationszahlungen". Sehr schade.

    Nicht mehr mit meiner Stimme kann jemals derjenige noch rechnen, der unser erarbeitetes Geld dorthin direkt oder indirekt gibt.

    Sie haben bereits ganz früher von uns für das erwähnte Thema Geld bekommen. Außerdem fließt von uns dorthin ein ununterbrochener, unglaublich hoher Geldstrom, der über die EU läuft, aber weitgehend von uns bezahlt wird.

    Als Griechenland nach dem 2. Weltkrieg dem stalinistischen Kommunismus frönen wollte und das Land im Haaresbreite das schreckliche Schicksal ereilt hätte, das die Ostblockländer ereilt hat und verarmen ließ, wurde es im letzten Moment gerettet. Von wem? Von England. Von Deutschland bekommt es nun seit Jahrzehnten sehr viel Geld. Wir bekommen von Griechenland nichts, denn die Urlaube bezahlen wir. Wo ist die Dankbarkeit?

  • 04.03.2010, 20:18 UhrAnonymer Benutzer: Es_geht_doch

    Man müsste schnell eine Lösung finden, wie ein Land die Eurozone verlassen kann; und das sollte auch ohne Probleme möglich sein. Wie kann man sonst Staaten der Größe Spaniens oder italiens retten? Wenn ein Staat Probleme hat, braucht er eine eigene Währung, die er entwerten kann, nichts anderes ist möglich.

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