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Euro-Krise: Harter Sparer will Spanien regieren

von Anne Gruettner

Bei den Wahlen könnte es zum Machtwechsel kommen. Wie tickt Mariano Rajoy, der mögliche neue Ministerpräsident?

Verschwommenes Bild Quelle: Monatge: AP/Arturo Rodriguez, Getty Images
Der konservative Spitzenkandidat Rajoy, 56, hält sich mit konkreten Ankündigungen zurück Quelle: Monatge: AP/Arturo Rodriguez, Getty Images

Ein großer Charismatiker ist er nicht, der Mann, der Spaniens künftiger Regierungschef werden könnte. Mariano Rajoy von der konservativen Volkspartei „Partido Popular“ (PP) redet nie frei und verliert sich gern in Allgemeinplätzen. In Spanien gäbe es „guten Grund zu Optimismus, denn Spanien hat die Spanier“, so las der 56-Jährige mit dem angegrauten Vollbart und der randlosen Brille vergangene Woche bei der Präsentation seiner Autobiografie gewichtig vom Zettel ab.

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Auf der Beliebtheitsskala rangiert er weit unter Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, der bei den Wahlen nicht mehr antritt – und gegen den Rajoy schon zweimal verlor. Diesmal aber deuten alle Umfragen darauf hin, dass der Konservative aus Galicien es schaffen wird, ja, dass seine PP möglicherweise gar eine absolute Mehrheit erringen kann.Zu sehr hat das Ansehen der Regierung unter den Krisen gelitten, die das Land heimsuchten: eine geplatzte Immobilienblase, überschuldete Privathaushalte und Baufirmen, Massenarbeitslosigkeit. Teure Konjunkturprogramme katapultierten das Haushaltsdefizit auf über elf Prozent; Spanien zählt heute zu den Wackelkandidaten in Europa.

Maßnahmen in der Schuldenkrise vergrätzen sozialistische Wähler

Die harten Einsparungen etwa bei Beamtengehältern, Reformen am Arbeitsmarkt, die jüngste Verabschiedung der Schuldenbremse auf Verfassungsebene – all die Maßnahmen, zu denen sich Zapatero im Zuge der Schuldenkrise gezwungen sah, vergrätzen sozialistische Stammwähler. Der sozialistische Kandidat, Vizepremier Alfredo Pérez Rubalcaba, hat bei der Wahl daher kaum Chancen. Für Rajoy aber könnte die Ausgangslage kaum besser sein.

In seiner pünktlich zum Auftakt des Wahlkampfes erschienenen Autobiografie malt sich der PP-Frontmann als braven Sprössling aus gutem Hause, dessen großes Vorbild der Vater war. „Ich glaube, ich bin meinem Vater ziemlich ähnlich: Er ist Perfektionist, introvertiert, sehr vorsichtig“, schreibt der Politiker. Mariano begann nach Jura-Studium und Wehrdienst seinen politischen Aufstieg in den Kinderjahren der spanischen Demokratie, als sich die Parteien erst formierten. Premier José María Aznar machte ihn 1996 zum Minister für Öffentliche Verwaltung, später zum Innenminister und Vizepremier. Schließlich kürte er Rajoy zum Spitzenkandidaten für die Wahlen 2004 – bei denen Rajoy gegen Zapatero verlor.

Sympathien für die Tea Party

Auf seine Zeit als Minister, als Spanien seine Schulden unter anderem durch Privatisierungen senkte und sich fit für den Euro machte, beruft sich Rajoy gern; ebenso auf die fallenden Zinsen im Vorfeld der Euro-Einführung und die einsetzende Dekade des kreditgetriebenen Wachstums. Er verschweigt, dass der losgetretene Immobilienboom den Boden für die heutige Krise bereitete. Jetzt ist es komplizierter als damals, die Wirtschaft in Gang zu bringen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt, dass Spanien zwar 2011 sein Defizitziel von sechs Prozent des BIPs erreichen dürfte, jedoch in den nächsten Jahren weniger als erwartet wachsen und deshalb die Neuverschuldung nicht wie erhofft abbauen werde. Die Regierung geht bisher davon aus, dass die Wirtschaft 2011 um 1,3 Prozent und 2012 um 2,3 Prozent zulegt, der IWF rechnet nur noch mit 0,8 Prozent im laufenden und 1,1 Prozent im nächsten Jahr. Verantwortlich dafür sei vor allem die Arbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.10.2011, 15:02 UhrAnonymer Benutzer: Steigenberger

    R. ist ei8n Zögling vom früheren konservativen MP. AZNAR !

    Der hat doch die immoblase damals erst richtig befeuert u. das System entwickelt möglichst viele EU- Milliarden in Erschließungen
    von neuen überflüssigen Urbanisationen zu stecken, was zu
    dutzenden von Geisterstädten in ganz Spanien führte.

    Aznar propagierte hochnäsig das spanische Wohlleben " espana va
    bien" u. wollte Deutschland überholen !

    Jetzt hat Spanien zwar seine Küsten endgültig zubetoniert, hat eine

    wunderbare, von der EU - vor Allem Deutschland - finanzierte Ver-

    kehrsinfrastruktur mit tollen 6 spurigen autopistas u. Luxusbahn-
    strecken, aber es wird kaum etwas produziert, was dann auch zu
    transportieren wäre.
    Die spanische industrie ist nur Auftragsproduzent ohne grosse

    eigenen Entwicklungen u. damit geringem Mehrwert.

    Neben der Konkurrenz aus China + Osteuropa wird auch das kosten-

    günstige nordafrika den Spaniern tendenziell immer mehr Jobs

    wegnehmen , auch der Tourismus ist in weiten Teilen preislich u.
    qualitativ nicht mehr a jour - nicht umsonst bauen die spanischen
    Hotelketten lieber in der Karibik u. Mexiko u. auch Nordafrika neue
    bettenburgen.
    Fazit : auch unter R. wird es nun lauten "espana no va bien" u. dass
    auf lange Zeit !

  • 29.09.2011, 21:25 UhrAnonymer Benutzer: bauagent

    Die spanische Volkswirtschaft leidet im Prinzip, auch wenn´s keiner hören mag, an der griechischen Krankheit. Das Modell der künstlichen Nachfrage nach immobilien, deren Margen aufgrund geringen Materialeinsatzes ( schlechte Qualität-hohe Preise ) exorbitant hoch waren, ist bereits 2008 gestorben.

    Abgesehen von der Tatsache, dass man in Spanien ein anderes AFA:Modell für die banken erfand, damit diese nicht so hoch abschreiben müssen, hat sich nichts getan.

    Der leere immobilienbestand ist nicht kleiner geworden, die echten Marktwerte weiter im freien Fall, die dazugehörige AFA, die sich in den bilanzen der banken wiederfinden, viel zu gering.

    Die Differenz wird selbst von Ratingagenturen auf 120 Mrd-.€ geschätzt. Eine Lachnummer.

    Wer sich im immbilienbereich auskennt der weiß, wie man Gutachten als Einkaufswert den bedürfnissen anpasst und wie man in Spanien die Werte ansetzen darf.

    Das zeigt auch das Dilemma der aktuellen bewertungsituation. Die bondaffen, die die Staatsanleihen kaufen, verlassen sich ausschl. auf Ratings, die wiederum standardisierte Verfahren verwenden.
    Da rutschen "gefakte" immobilien-Gutachten, die man zur bilanzfrisur brauchte, einfach durchdas Raster.

    So rechnet man statt mit realistischen 360 Mrd. einfachh 120 Mrd.

    Der erste Wert bedeutet den Tod der Volkswirtschaft bzw. der banken, der zweite wird einfach zur Kenntnis genommen.

    bezahlen dürfen das die Steuerzahler, denn die banker sind dann wenn´s auffält längst auf den Kanal-inseln bei Queen Elzabeth auf dem Empfang.

  • 29.09.2011, 18:35 UhrAnonymer Benutzer: Bericht eines Buchprüfers

    Das eigentliche Problem Spaniens ist die private Verschuldung, entstanden durch die immobilien-bubble-Oeconomie. Mit Absinken der immobilienwerte, mit zunehmende Arbeitslosigkeit und stagnierender binnennachfrage, verbunden mit Spar- und Steuererhöhungsmassnahmen, kann dies zu Kreditausfällen bei banken führen, die dann weiter staatliche Unterstützung brauchen. Diese Funktion hat bisher die EZb über die Targetfinanzierung geleistet und diese institute mit Liquidität versorgt. Als Sicherheit wurden bei der EZb Staatsanleihen und immobilienkreditforderungen hinterlegt, deren Werthaltigkeit kritisch hinterfragt werden muss.

    Darauf hat die mögliche neue Regierung kaum Einfluss. Auch hier kann eine volkswirtschaftliche Erholung nur sehr langfristig erreicht werden, leider verrinnt dafür die Zeit.

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