Euro-Krise: Irlands Tag der Schmach

Euro-Krise: Irlands Tag der Schmach

Bild vergrößern

Irlands Premierminister Brian Cowen auf der Pressekonferenz, auf der er die Beantragung von Hilfgeldern aus dem EU-Rettungsfonds bekannt gab

von Yvonne Esterházy

Irland ist gedemütigt, Premierminister Cowen diskreditiert und es ist unklar, wie es mit dem maroden Bankensystem weitergehen wird, das das Land in den Abgrund gerissen hatte.

Denis Healey weiß wohl am besten, wie sich der irische Premierminister Brian Cowen und sein Finanzminister Brian Lenihan jetzt fühlen. Der greise Labour-Politiker musste als britischer Finanzminister vor 34 Jahren beim Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe in Milliardenhöhe bitten, um Großbritannien aus einer akuten Zahlungsbilanzkrise zu befreien und das Pfund zu retten. Im Gegenzug verordnete der IWF Großbritannien einen drakonischen Sparkurs zur Sanierung seines Haushaltes – bis heute gilt der Büßergang nach Washington als einer der Tiefpunkte der jüngeren Geschichte des Vereinigten Königreichs.

Noch sind die Einzelheiten des irischen Pakets unklar. In Agenturmeldungen ist unter Berufung auf EU-Diplomaten von 80 bis 90 Milliarden Euro die Rede. Der irische Finanzminister Brian Lenihan sagte, dass die genaue Summe erst nach Ende der Verhandlungen in „mehreren Wochen“ feststehen werde und er betont, sein Land benötige „unter 100 Milliarden Euro“. Griechenland hatte im Mai 110 Milliarden € erhalten.

Anzeige

Auch Schweden und Großbritannien helfen

Hilfe bekommt Irland nicht nur aus dem Rettungsschirm der Eurozone sondern auch von Schweden und vom Nachbarland Großbritannien, das wegen des hohen irischen Engagements seiner eigenen Banken und angesichts der engen Handelsverflechtungen zwischen beiden Ländern unter Zugzwang steht. „Irland ist unser engster Nachbar, weswegen es in unserem nationalen Interesse ist, Teil der internationalen Hilfsaktion zu sein“, erklärte Finanzminister George Osborne am heute Morgen. 

Lenihan sagte gestern, sein Land werde einen Teil der Gelder von der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds über einen Kapitalfonds an die Banken weiterleiten. Der Rest des Hilfspakets werde dafür sorgen, dass Irland den Kapitalmarkt nicht anzapfen muss. Egal wie viel Irland aus dem Rettungschirm bekommt, eines steht schon fest. Der Großteil der Hilfsmittel muss wohl zur Rettung der maroden irischen Banken genutzt werden, denn sie sind ja der Hauptgrund für die Schuldenkrise des kleinen Landes. Goldman Sachs schätzt, dass rund ein Drittel der internationalen Gelder in dafür aufgewendet werden.

Die Namen der Geldhäuser Anglo Irish Bank, Allied Irish Bank (AIB) und Bank of Ireland, die einst am Immobilienmarkt ein großes Rad drehten und das kleine Land an der westlichen Peripherie Europas damit in die tiefe Krise rissen, haben inzwischen in ganz Europa einen unrühmlichen Klang, obwohl sie früher nur Insidern bekannt waren.  Allerdings könnte es sein, dass es diese Institute in ihrer heutigen Form schon bald nicht mehr geben wird.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%