Euro-Krise: Kommt die D-Mark zurück?

Euro-Krise: Kommt die D-Mark zurück?

von Bert Losse, Silke Wettach, Malte Fischer und Elke Pickartz

Wie die Spekulation gegen den Euro funktioniert, ob wir bald alle wieder mit der D-Mark bezahlen, ob die Schuldenkrise zum erneuten Absturz der Konjunktur führt und wäre das Ende der Währungsunion eigentlich auch das Ende der EU? Fragen und Antworten.

Steigt jetzt das Inflationsrisiko?

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Staatsanleihen

In der Vergangenheit gingen hohe Staatsschulden häufig mit hohen Inflationsraten einher. Grund: Eine lockere Budgetpolitik des Staates treibt kurzfristig die Nachfrage nach oben. Das lässt die Preise steigen, wenn die Zentralbank die Geldmenge kräftig ausweitet, etwa indem sie Staatsanleihen ankauft.

Genau diese Gefahr besteht jetzt: Zwar liegt die Euro-Inflationsrate aktuell nur bei 1,5 Prozent. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihrer Entscheidung, Staatspapiere von Euro-Ländern zu kaufen, einen Tabubruch begangen, der unkalkulierbare Risiken nach sich zieht und die Stabilität des Euro und der Preise gefährdet. Ziel der Anleihekäufe ist, die zuletzt stark gestiegenen Renditen der Staatsanleihen von Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland zu senken. Doch die mit den Käufen verbundene Ausweitung der Geldmenge droht mittelfristig die Inflation in die Höhe zu treiben.

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Weil der EZB der direkte Ankauf von Staatsanleihen untersagt ist, kauft sie die Papiere am Sekundärmarkt. Die Verkäufer sind meist Banken odere andere Finanzinstitute. Die EZB schreibt ihnen den Gegenwert der Papiere auf ihren Zentralbankkonten gut. Mit dem Zentralbankgeld vergeben die Banken Kredite an Bürger und Unternehmen, die damit Güter kaufen, was dann die Preise treibt (siehe Grafik).

Die EZB wiegelt die Gefahr ab. Die Staatspapierkäufe bergen kein Inflationsrisiko, da sie „sterilisiert“ werden könnten, heißt es. Sobald die EZB griechische oder portugiesische Staatspapiere von Investoren am Kapitalmarkt kauft, will sie in gleichem Umfang dem Finanzsektor Geld entziehen. Dies ist möglich, indem sie laufende Finanzierungsgeschäfte mit Banken am Geldmarkt auslaufen lässt. Per saldo würde die Zentralbankgeldmenge nicht steigen, der Aufwärtsdruck auf die Preise bliebe aus. Doch Experten bezweifeln, dass es der EZB gelingt, die zusätzliche Liquidität rechtzeitig und im erforderlichen Umfang abzusaugen.

Mit ihrem Ankaufprogramm hat die EZB vielmehr die Schleusen für Schuldenmacherei weit geöffnet. Welcher Staat hat noch einen Anreiz zu sparen, wenn die Zentralbank seine Schuldtitel kauft und so die Zinskosten drückt? Die EZB agiere als Fiskalagent für die Regierungen, kritisiert der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer.

Hinzu kommt: Der Kauf von Staatspapieren wird die Märkte nur überzeugen, wenn die EZB deutlich macht, dass sie bereit ist, in großem Umfang und längerfristig am Markt zu intervenieren. Denn solange die Problemländer ihre Staatshaushalte nicht in Ordnung bringen, könnten die Spekulationen jederzeit neu hochkochen. Die EZB begibt sich damit in eine extreme politische Abhängigkeit von der Finanzpolitik der Problemländer. Die Ereignisse der vergangenen Tage haben gezeigt, wie biegsam die Euro-Hüter sind, wenn – angeblich – die Zukunft des Euro auf dem Spiel steht.

Die Monetisierung der Staatsschulden könnte sich daher in den nächsten Jahren fortsetzen. Weil die Regierungen ihre Schulden mit immer neuen Schulden bekämpfen, wächst der Berg an Verbindlichkeiten – und mit ihm der Druck auf die EZB, hohe Inflationsraten zuzulassen, um die Schulden real zu entwerten.

Die Bürger ahnen das und dürften ihre Inflationserwartungen bald nach oben anpassen. Höhere Lohnforderungen sind dann die Folge. Die Inflationsspirale setzt sich in Gang.

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