Euro-Krise: Mini-Staaten gefährden den Euro

Euro-Krise: Mini-Staaten gefährden den Euro

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Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)

von Silke Wettach

Die Liste der potenziellen Euro-Krisenstaaten wird immer länger. Gut möglich, dass Zypern und Slowenien bald Hilfe brauchen. Bislang hieß, dass derart kleine Länder der Euro-Zone keinen Schaden zufügen könnten. Doch die Unruhe an den Finanzmärkten zeigt: Das ist eine krasse Fehleinschätzung.

Sommerpause? Nicht in diesem Jahr. Die weiter schwelende Schuldenkrise beschert Europas Politikern auch im traditionell politikfreien August Termine. In Frankfurt signalisierte Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank, in der vergangenen Woche, dass sein Haus das umstrittene Ankaufprogramm von Staatsanleihen wieder aufnehmen werde. Spaniens Minister-präsident José Luis Zapatero verschob seinen Urlaub, nachdem die Renditen von spanischen Staatsanleihen deutlich über sechs Prozent schnellten. Italiens Finanzminister Giulio Tremonti traf sich am vergangenen Mittwoch zu einem Krisengespräch mit Euro-Gruppen-Präsident Jean-Claude Juncker.

Angespannt sind die Nerven der Regierenden jedoch nicht nur in Italien und Spanien, denen der Euro-Krisengipfel vom Juli nur eine kurze Atempause verschafft hat. Mit Zypern kristallisiert sich bereits der nächste mögliche Kandidat für den europäischen Rettungsfonds EFSF heraus. Und das Beispiel Zypern offenbart, dass die Risiken, die in den kleinen Ländern der Euro-Zone schlummern, bisher unterschätzt wurden. Auch ein Land wie Slowenien etwa, Mitglied im Euro-Club seit 2007, ist alles andere als der Musterschüler, für den es lange gehalten wurde.

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Natürlich wiegen die Probleme Spaniens und Italiens schwer, weil der Rettungsfonds EFSF nicht darauf ausgerichtet ist, Länder dieser Größenordnung zahlungsfähig zu halten. Doch der Hinweis, Italiens Finanzierungsbedarf übersteige den von Zypern um das 145-Fache, verharmlost die Situation des Inselstaates im Südosten Europas, der lediglich 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Euro-Zone ausmacht. Fakt ist: Jeder neue Bittsteller beim EFSF schwächt die Euro-Zone. Und das Beispiel Griechenlands hat vorgeführt, dass ein schwaches Glied eine Kette zum Reißen bringt, unabhängig von der Größe. Der Beitritt Griechenlands zum Euro war ursprünglich selbst von der Europäischen Zentralbank schöngeredet und gerechnet worden, nach dem Motto, ein derart kleines Land könne der Euro-Zone keinen Schaden zufügen. Eine Fehleinschätzung, wie sich nun herausstellt.

Analysten gehen davon aus, dass Zypern in den kommenden Monaten einen Hilfsantrag stellen wird, auch wenn die EU-Kommission das bisher dementiert. Kurz vor dem Rücktritt des Kabinetts Ende Juli hatte Finanzminister Charilaos Stavrakis die Märkte noch zu beschwichtigen versucht. Zypern müsse im kommenden Jahr zwar 2,4 Milliarden Euro neu finanzieren, 61 Prozent der Anleihen befänden sich aber im Besitz von heimischen Investoren, die erneut als Abnehmer bereitstünden.

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