_

Euro-Krise: Spaniens Schulden auf griechischem Niveau

von Stefanie Müller (Madrid)

Eine Besserung der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Einführung der Demokratie ist nicht in Sicht. Dabei kämpft Spanien gegen die Defizite - und für den Euro.

Spaniens Wirtschaftsministerin Salgado Quelle: Reuters
Spaniens Wirtschaftsministerin Salgado Quelle: Reuters

Im blassen Gesicht der spanischen Wirtschaftsministerin Elena Salgado spiegelt sich die Situation ihres Landes wider: Spanien geht es schlecht. Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit fast so hoch wie im krisengeschüttelten Griechenland. Die private und staatliche Verschuldung des Landes beträgt 244 Prozent der Wirtschaftsleistung von rund 1050 Milliarden Euro. „Das ist enorm. Es ist nicht der richtige Moment, um in spanische Anleihen zu investieren“, warnt der in Barcelona lebende Ökonom Edward Hugh. Zwar sind die Staatsschulden mit 60 Prozent des BIPs noch niedriger als in Griechenland, aber nach Ansicht von Credit Suisse ist Spanien das größere Risiko für die EU: „Das Land verschuldet sich schneller, und es ist zu groß, um es zu retten“, warnt die Schweizer Bank in ihrem Länderbericht.

Anzeige

Eine Besserung für die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Einführung der spanischen Demokratie 1978 ist nicht in Sicht. Die Arbeitslosigkeit liegt jetzt schon bei 20 Prozent, zwei von fünf Jugendlichen sind auf Jobsuche. Ohne die Hilfe der Familien stünde das Land noch viel schlechter da. Der gerade veröffentlichte negative Bericht der Ratingagentur Moody’s zur finanziellen Situation der bisher weitgehend stabilen spanischen Banken sorgt für weitere Aufregung bei Wirtschaftsexperten.

"Wir sind anders als Griechenland"

Dennoch steht Spanien weiterhin fest zur Währungsunion. „Der Euro ist eine sehr starke Währung. Ich sehe keine Risiken“, sagte Salgado. Noch hat Spanien sehr gute Ratings, bei Moody’s und Fitch sogar die Top-Bewertung. Die weltgrößte Ratingagentur Standard & Poor’s dagegen drückte die Bonitätseinschätzung bereits um eine Stufe unter die Bestnote auf AA+.

Die 60-jährige Salgado kämpft mit Reform- und Rettungspaketen gegen den Vertrauensverlust der Märkte. Ihr Ziel ist, die Neuverschuldung bis 2013 wieder unter die im Euro-Stabilitätspakt festgeschriebene Grenze von drei Prozent zu drücken. Wie sie das schaffen will: weniger ausgeben und Steuern rauf. Aber auch die Rentenaltersgrenze wird von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Auf Roadshows wirbt Salgado für spanische Staatsanleihen. Die Botschaft: „Wir sind anders als Griechenland. Wir ziehen den Karren aus dem Dreck.“

Experten raten ab

Solange aber unsicher ist, ob sich das Land tatsächlich gegen die deutlich gestiegenen Staatsdefizite stemmen kann, raten Experten von einem Kauf der Anleihen ab. „Derzeit würde ich keinen Einstieg empfehlen; die Papiere sind im Verhältnis zum Risiko zu teuer“, sagt Alejandro Bueso, Analysechef der Web Financial Group. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Neuverschuldung im kommenden Jahr bis auf 20 Prozent des BIPs wachsen wird, das lässt das Länderrisiko enorm wachsen.“ Bueso erwartet, dass der Renditeabstand zu deutschen Papieren in nächster Zeit um 0,35 Prozentpunkte zulegen wird, spanische Schuldverschreibungen also im Vergleich zu Bundespapieren schlecht abschneiden werden. Auch Analystin Adelene Lee von Debtwire in London sieht den richtigen Zeitpunkt, in die spanischen Papiere einzusteigen, noch nicht gekommen. Das sei erst ratsam, „wenn eine wirkliche Wende der Wirtschaftsentwicklung abzusehen ist“. Dafür muss Salgado noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Wirtschaftsministerin hat zwar in den vergangenen Wochen Kämpferqualitäten gezeigt, aber ihr starker Wille allein reicht nicht.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.03.2010, 22:26 UhrAnonymer Benutzer: EU-Desaster

    Warum sollten wir den defizitären EU-Staaten noch mehr Geld geben und bei uns reicht es hinten und vorne nicht mehr. Nachdem der bescheidene Vertrag von Lissabon ohne Referendum in Deutschland eingeführt wurde, habe auch ich keine Lust, meine Steuergelder ständig für andere hinlegen zu müssen. Eine EU in dieser Form hätte es nie geben dürfen. Es gibt nur 4 Nettozahler in der EU: Deutschland, Finland, Österreich und die Niederlande. Da muß man nicht viel rechnen um zu erkennen, dass das NiCHT gutgehen kann. Es gibt auch ein neues interview von Prof. Hankel bei www.wirtschaftsfacts.de

  • 20.03.2010, 12:27 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Deutschland sollte keinen einzigen bailout-Cent zahlen - weder über eine EU-vertragswidrige EU-Stützungsaktion noch über den Winkelzug "bilateraler" Verträge. Lassen wir doch in GR, Spanien und italien Unruhen mit bürgerkriegen ausbrechen dann regiert der Polizeiknüppel, das Militär geht gegen die bevölkerung vor.
    in der Konsequenz darf die EU die Demokratie und Menschenrechte in diesen Ländern als gefährdet ansehen und ihnen gemäß Artikel 7 die Stimmrechte im Rat entziehen. Deutschland kann dann in Ruhe Koalitionen bilden, um endlich mit den Agrarsubventionen und Strukturfonds auf unsere Kosten aufzuräumen. ich habe es satt, dass hier ständig Steuern erhöht und Leistungen gekürzt werden, damit andere EU-Staaten ihren Strukturwandel mit von Deutschland bezahlten Agrarsubventionen und Strukturfonds vertagen können.

  • 19.03.2010, 18:43 UhrAnonymer Benutzer: haeretiker

    Unterm Strich werden die schwächeren Staaten (PiiGS) von den stärkeren Staáten (D, FR) die erhoffte Unterstützung erhalten, denn Europa steht für Solidarität und Gemeinschaft.
    Das wird die banken und Unternehmen in den stärkeren Staaten retten, und die hiesigen Staatsfinanzen vollends auf EU-Durchschnittsniveau bringen.
    Und für eine ganze Weile zahlt der deutsche Michel dann auch mal für Portugal oder irland die Zeche mit.
    bis alles in eine "überraschende" Währungsreform mündet und die Staaten wieder eigene Währungen entwickeln und damit die kleinen Leute ihren mühsam erworbenen Spargroschen verlieren werden.
    Wer solche Szenarien formuliert, ist ein "Chaosbanker", "Hetzer" oder "ewiger Pessimist".
    Wer immer die idee mit Europa hatte, war in erster Linie ein Utopist ohne wirtschaftliches Fundament. Jetzt zeigt sich, daß sich dieser Utopie keiner mehr in den Weg stellen kann. Mit fatalen Folgen für die schwächeren Gesellschaftsschichten in den führenden EU-Staaten.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.