Euro-Krise: Spaniens Schulden auf griechischem Niveau

Euro-Krise: Spaniens Schulden auf griechischem Niveau

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Spaniens Wirtschaftsministerin Salgado

Eine Besserung der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Einführung der Demokratie ist nicht in Sicht. Dabei kämpft Spanien gegen die Defizite - und für den Euro.

Im blassen Gesicht der spanischen Wirtschaftsministerin Elena Salgado spiegelt sich die Situation ihres Landes wider: Spanien geht es schlecht. Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit fast so hoch wie im krisengeschüttelten Griechenland. Die private und staatliche Verschuldung des Landes beträgt 244 Prozent der Wirtschaftsleistung von rund 1050 Milliarden Euro. „Das ist enorm. Es ist nicht der richtige Moment, um in spanische Anleihen zu investieren“, warnt der in Barcelona lebende Ökonom Edward Hugh. Zwar sind die Staatsschulden mit 60 Prozent des BIPs noch niedriger als in Griechenland, aber nach Ansicht von Credit Suisse ist Spanien das größere Risiko für die EU: „Das Land verschuldet sich schneller, und es ist zu groß, um es zu retten“, warnt die Schweizer Bank in ihrem Länderbericht.

Eine Besserung für die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Einführung der spanischen Demokratie 1978 ist nicht in Sicht. Die Arbeitslosigkeit liegt jetzt schon bei 20 Prozent, zwei von fünf Jugendlichen sind auf Jobsuche. Ohne die Hilfe der Familien stünde das Land noch viel schlechter da. Der gerade veröffentlichte negative Bericht der Ratingagentur Moody’s zur finanziellen Situation der bisher weitgehend stabilen spanischen Banken sorgt für weitere Aufregung bei Wirtschaftsexperten.

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"Wir sind anders als Griechenland"

Dennoch steht Spanien weiterhin fest zur Währungsunion. „Der Euro ist eine sehr starke Währung. Ich sehe keine Risiken“, sagte Salgado. Noch hat Spanien sehr gute Ratings, bei Moody’s und Fitch sogar die Top-Bewertung. Die weltgrößte Ratingagentur Standard & Poor’s dagegen drückte die Bonitätseinschätzung bereits um eine Stufe unter die Bestnote auf AA+.

Die 60-jährige Salgado kämpft mit Reform- und Rettungspaketen gegen den Vertrauensverlust der Märkte. Ihr Ziel ist, die Neuverschuldung bis 2013 wieder unter die im Euro-Stabilitätspakt festgeschriebene Grenze von drei Prozent zu drücken. Wie sie das schaffen will: weniger ausgeben und Steuern rauf. Aber auch die Rentenaltersgrenze wird von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Auf Roadshows wirbt Salgado für spanische Staatsanleihen. Die Botschaft: „Wir sind anders als Griechenland. Wir ziehen den Karren aus dem Dreck.“

Experten raten ab

Solange aber unsicher ist, ob sich das Land tatsächlich gegen die deutlich gestiegenen Staatsdefizite stemmen kann, raten Experten von einem Kauf der Anleihen ab. „Derzeit würde ich keinen Einstieg empfehlen; die Papiere sind im Verhältnis zum Risiko zu teuer“, sagt Alejandro Bueso, Analysechef der Web Financial Group. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Neuverschuldung im kommenden Jahr bis auf 20 Prozent des BIPs wachsen wird, das lässt das Länderrisiko enorm wachsen.“ Bueso erwartet, dass der Renditeabstand zu deutschen Papieren in nächster Zeit um 0,35 Prozentpunkte zulegen wird, spanische Schuldverschreibungen also im Vergleich zu Bundespapieren schlecht abschneiden werden. Auch Analystin Adelene Lee von Debtwire in London sieht den richtigen Zeitpunkt, in die spanischen Papiere einzusteigen, noch nicht gekommen. Das sei erst ratsam, „wenn eine wirkliche Wende der Wirtschaftsentwicklung abzusehen ist“. Dafür muss Salgado noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Wirtschaftsministerin hat zwar in den vergangenen Wochen Kämpferqualitäten gezeigt, aber ihr starker Wille allein reicht nicht.

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