Euro-Krise: Und wenn doch alles zusammenbricht?

Euro-Krise: Und wenn doch alles zusammenbricht?

, aktualisiert 07. Dezember 2011, 19:43 Uhr
Bild vergrößern

Ein Bild aus der jüngeren Vergangenheit: Kunden der Northern Rock Bank in London, die 2007 zusammen brach.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Der Generalplan von „Merkozy“ zur Euro-Rettung ist einen Versuch wert, aber die Umsetzungschancen sind klein. In den Chefetagen wird durchgespielt, was ein Black Friday, ein Crash des Finanzsystems, bedeuten würde.

Immer deutlicher stellt sich in der Krise die Frage, wie der schlimmste Fall aussehen könnte. Das wäre ein Zusammenbruch des Finanzsystems. Auslöser dafür könnte die Zahlungsunfähigkeit eines größeren Landes sein oder die Kettenreaktion nach dem Crash einer bedeutenden Bank. In den Chefetagen der großen Geldhäuser werden solche Szenarien durchaus durchgespielt.

Sollte ein Staat zusammenbrechen, dann müssten dessen Anleihen abgewertet werden, und so wäre ein großer Teil des Vermögens in den Banken vernichtet, die diese Anleihen halten. Außerdem gäbe es einen Run auf die Banken, wahrscheinlich europaweit.

Anzeige

Wie bekommt man die Banken wieder flott? Bevor sie wieder geöffnet werden, muss glasklar sein, wie es weitergeht, sonst setzt sich der Bank-Run fort.

Zunächst müsste die Politik die Entscheidung treffen: Sollen die Sparer oder die Steuerzahler den Schaden tragen? Oder vielleicht alle Sparer oberhalb einer bestimmten Anlagesumme, zum Beispiel 30.000 Euro? Wenn diese Entscheidung getroffen ist, muss festgelegt werden, zu welchem Prozentsatz die Einlagen zusammengestrichen werden. Durch das Zusammenstreichen vermindert sich der Schuldenstand der Bank, so dass die Bilanz wieder in die Balance kommt.

Was aber passiert, wenn die Sparer geschützt werden sollen oder die Kürzung der Spareinlagen nicht ausreicht, um die Bilanz wieder herzustellen? Dann muss der Staat oder zum Beispiel eine EU-Institution einspringen - oder die Notenbank, die freilich eigentlich nicht dafür zuständig ist.


Die Optionen nach dem Kollaps

Der Staat muss den Banken, die er wieder flottmachen will, den Verlust ihres Vermögens ersetzen. Er kann dafür selbst Kredite aufnehmen, den Banken das Geld überweisen und sie dabei zugleich übernehmen. Mit etwas Glück wird er sie später privatisieren und einen Teil seiner zusätzlichen Schulden wieder zurückzahlen, das ist der Vorteil. Der Nachteil: So muss der Staat den Kapitalmarkt anzapfen, der in der Krise möglicherweise nichts mehr hergibt.

Oder, das wäre die zweite Variante, er schenkt den Banken sogenannte Ausgleichsforderungen. Die funktionieren in etwa so, als hätte die Bank dem Staat einen Kredit gegeben. Das Verfahren ist aus der Währungsreform nach dem Krieg bekannt. Diese Forderungen werden niedrig verzinst und eventuell nach und nach vom Staat zurückgekauft - das alles zahlt der Steuerzahler.

In dem Fall können selbst Banken mit großen Löchern in der Bilanz wieder in Gang gesetzt werden, ohne sie zu verstaatlichen. Letztlich muss sich auch hier der Staat verschulden, um die Löcher zu stopfen - aber in dieser Variante braucht er dazu den Kapitalmarkt nicht. Der Nachteil: So gibt es keine Chance auf einen späteren Gewinn aus einer Privatisierung.

Die gute Nachricht ist also: Selbst wenn das Finanzsystem kollabiert, gibt es noch Handlungsoptionen. Aber das ist natürlich nur ein schwacher Trost.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%