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Euro: Portugal als nächster Problemfall in der Eurozone

von Silke Wettach

Kaum hat die Europäische Union Griechenland unter Kontrolle gestellt, bedroht schon der nächste Problemfall die Gemeinschaftswährung: Die Finanzmärkte sind beunruhigt über die marode Wirtschaft im Westen Europas.

EU-Schuldenkrise: Sorge vor Domino-Effekt Quelle: dpa-afx
Nach den Sorgen um die Zahlungsfähigkeit Greichenlands rückem nun auch Portugal und Spanien in den Fokus. An den Börsen wächst die Angst vor einem Domino-Effekt. Quelle: dpa-afx

Kaum hat die EU die griechischen Staatsfinanzen unter strenge Kontrolle gestellt, wächst an den Finanzmärkten die Sorge um den nächsten Problemfall in der Eurozone: Portugal.

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Zwar bemüht sich der Präsident der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, die Beunruhigung herunterzuspielen. „Sie stellen kein Risiko dar“, sagt er über Portugal und das ebenfalls in den Blickpunkt gerückte Spanien. Aber die Versicherungen des portugiesischen Finanzministers Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos zeigen, dass die Regierung sich der Nervosität der Märkte bewusst ist. Um Ängste zu zerstreuen betonte Teixeira dos Santos, dass seine Regierung fest entschlossen ist, das Haushaltsdefizit bis 2013 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zurückzufahren.

Doch die Ankündigung wird sich nur schwer wahr machen lassen. Im vergangenen Jahr belief sich das Haushaltsdefizit auf 9,3 Prozent des BIP. Die EU-Kommission sieht mit Sorge, dass die Regierung wenig Spielraum zum Umsteuern hat. Anders als in Griechenland, wo im Staatshaushalt erhebliche Einsparungen möglich wären, etwa indem die Verteidigungsausgaben auf ein international übliches Niveau zurückgefahren werden könnte und die Steuereinnahmen steigen könnten, ist in Portugal schon vieles ausgereizt. In der EU-Kommission fragt man sich, was Finanzminister Teixeira dos Santos mit den „starken und glaubwürdigen“ Maßnahmen meinte, die er ankündigte. Noch in diesem Monat will er in Brüssel einen Sparplan vorlegen, der „nicht weniger ehrgeizig“ sei als der griechische.

Weiteres Loch im Staatshaushalt

Schon jetzt ist der Widerstand der Gewerkschaften absehbar. Sie haben bereits Streiks angekündigt. Auch scheint die Opposition wenig gewillt, den Sparkurs von von Ministerpräsident José Socrates mitzutragen. Die Opposition will heute einen Vorschlag durch das Parlament bringen, wonach die zu Portugal gehörenden Inseln der Azoren und Madeira weitere Schulden anhäufen dürften. Dadurch könnte in den kommenden vier Jahren ein Loch von 400 Millionen Euro im Sparhaushalt entstehen.

Die portugiesische Wirtschaft wird in diesem Jahr nur minimal wachsen. Die EU-Kommission rechnet mit einem Zuwachs beim BIP von gerade einmal 0,3 Prozent. Das schwache Wachstum ist nicht allein die Folge der Finanzkrise. Schon zuvor wuchs die portugiesische Wirtschaft deutlich langsamer als der Rest der EU. Seit Jahren war die Produktivität gesunken. Die Gewerkschaften sehen aber keine Notwendigkeit, die Löhne anzupassen. In den kommenden Jahren dürften die Löhne weiter schneller steigen als die Produktivität.  

Die Ökonomen der EU-Kommission sehen das große Leistungsbilanzdefizit Portugals mit Sorge. 2009 ist es auf zehn Prozent des BIP gefallen verglichen mit zwölf Prozent im Vorjahr, aber mittelfristig dürfte es wieder steigen. Wegen ihrer geringen Wettbewerbsfähigkeit tun sich portugiesische Exporteure im Ausland schwer. Hinzu kommt: Der wichtigste Handelspartner, das Nachbarland Spanien, steckt ebenfalls tief in der Krise. Dort wird die Wirtschaft in diesem Jahr sogar wieder schrumpfen.

Der Finanzierungsbedarf, der sich aus dem Leistungsbilanzdefizit ergibt, wird zu einer teuren Belastung für das Land.

19 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.02.2010, 08:48 UhrAnonymer Benutzer: Außenhandelsdefizit = Haushaltsdefizit

    Sollte Deutschland die Eurozone verlassen!

    Es kann auf Dauer nicht funktionieren wenn ein (Deutsch) Land
    aus welchem Grund immer einen solchen Handelsüberschuss hat.
    im interesse Europas und unserer Zukunft sollte unbedingt
    eine Lösung zu diesem Problem gefunden werden.
    Eine Lösung wäre dass Deutschland die Eurozone verlässt
    (z.b durch Wiedereinführung der D-Mark)
    Die übrige europäische Länder würden dann durch Abwertungen
    des Euros einen Wettbewerbsnachteil (kurzfristig) beseitigen können.
    Eine bessere Lösung wäre eine Sondereinfuhrsteuer in den Länder
    mit Handelsdefizit auf Produkte aus Ländern der Eurozone mit
    Handelsüberschuss. (dadurch Abbau des Haushaltsdefizits)
    Auf jedem Fall es muss eine Lösung gefunden werden damit
    enorme Handelsdefizite und Handelsüberschüsse abgebaut werden.
    Und das sofort!

  • 08.02.2010, 14:05 UhrAnonymer Benutzer: Prof. Dr. Medenbach

    bisher erlebten wir zum Thema Euro viel Schattenboxen. Letztlich wird Deutschland einspringen, wie immer, allein schon aus "historischen" Gruenden.

  • 08.02.2010, 06:10 UhrAnonymer Benutzer: ratio

    Es gibt überhaupt kein EURO-Problem solange die anderen Euro-Länder nicht die Verschwendung eines oder mehrerer Pleitestaaten finanzieren. Was soll denn passieren bei einer Staatspleite wenn die staatlichen beutelschneider nicht das gleiche machen wie bei den billionen-banksubventionen? Der betreffende Staat erklärt seine insolvenz, setzt die Zinszahlungen aus und der iWF schlägt ein Sanierungsprogramm vor, dass sparsames staatliches Wirtschaften verlangt. Dann verlieren die entsprechenden Anleihen an Wert und es hat sich erledigt.

    Mit solcher Panikschürerei wird nur wieder die nächste große staatliche Verschwendungsorgie eingeleitet.

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