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Euro-Rettung: Unfreiwillige Klarheit von Wolfgang Schäuble

von Henning Krumrey

Nach unpopulären Entscheidungen, nach harten Wochen greifen die politischen Führungskräfte gern mal zur Tastatur, um den eigenen Parteifreunden ein wenig Schützenhilfe für die Heimatfront mitzugeben, wenn diese zum Wochenende aus dem meist abgeklärten Berlin in die aufgeheizte Stimmung in ihren Wahlkreisen reisen. Meist sind es die Parteivorsitzenden, die Generalsekretäre oder die Fraktionschefs, die in einer Art Regierungs-Erklärung Hintergründe erläutern und Material für Stammtisch-Diskussionen mitliefern.

Wolfgang Schäuble Quelle: AP
Wolfgang Schäuble Quelle: AP

Diesmal heißt der Absender Wolfgang Schäuble. Nach der knapp geglückten Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm verschickte der Bundesfinanzminister einen fünfseitigen Brief an alle Abgeordneten der Regierungskoalition, in dem er die komplizierten Zusammenhänge aufdröselt („Was haben wir mit dem Gesetz vom 21. Mai genau beschlossen?“, heißt es da beispielsweise).

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„Niemand hat sich gewünscht, dass wir so schnell wieder gezwungen sind, über ein Gesetzesvorhaben zur Stabilisierung der Eurozone zu entscheiden“, beginnt er sein Schreiben noch ganz verständnisvoll. Denn schon zwei Tage nach der ersten Griechen-Stütze am 7. Mai hatten die Finanzminister zum nächsten Schlag ausholen müssen – die parlamentarische Umsetzung in nationales Recht folgte dann an diesem Freitag.

Zwar handle es sich um eine „umfassende Lösung, um die große Gefahr eines Zusammenbruchs der Währungsunion bereits im Keim zu ersticken“. Doch je länger dem Kassenwart der Brief gerät, umso deutlicher treten zwischen den Zeilen seine Zweifel zu Tage. Die Inflation in Deutschland sei noch nie so niedrig gewesen wie seit der Einführung des Euro. „Diese Stabilität ist nun ein Stück weit in Gefahr.“ Die Maßnahmen dienten dazu, das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen – und das werde „in den nächsten Wochen und Monaten“ auch gelingen. Aber: „Dabei wird leider allzu oft in der öffentlichen Debatte die Stabilität der Eurozone mit der Stabilität des Euro-Wechselkurses gleichgesetzt. Ziel unserer gemeinsamen Bemühungen ist aber nicht ein bestimmtes Wechselkursniveau.“

Schäuble bereitet auf weiter fallenden Euro-Kurs vor

Im Klartext heißt das: Bitte nicht wundern, wenn der Euro weiter fällt und fällt – solange nur die Schulden der Wackelländer weiter bedient werden können. Den weiteren Abstieg der Gemeinschaftswährung hält Schäuble offensichtlich für hoch wahrscheinlich. Entsprechend bereitet er die Abgeordneten darauf vor, auf dass die auch den Bürgern keine falschen Hoffnungen machen. Mit der weiteren Abwertung verteuern sich allerdings auch die Rohstoff- und Energieimporte – der Preisdruck wird wachsen.

Noch deutlicher wird die unfreiwillige Klarheit auf Seite vier des Briefes. Auf Seite zwei hatte Schäuble noch darauf hingewiesen, dass die Krisenländer nur Geld ausgezahlt bekämen, wenn sie die Auflagen erfüllen. „Mit diesem Verfahren verfolgen wir natürlich nicht zuletzt auch das Ziel, die Rückzahlung des Kredits sicherzustellen.“ Zwei Blatt weiter hinten sind die Gelder freilich schon so gut wie abgeschrieben. Nach einer Schilderung der ersten Krise 2008 (durch die Lehman-Pleite „wurde das Weltfinanzsystem an den Rand des Abgrunds gebracht und die globale Realwirtschaft in eine tiefe Rezession gestürzt“), rechtfertigt der Badener das aktuelle Rettungspaket: „Nichtstun und Abwarten, aber auch die bewusste Insolvenz eines Euro-Mitglieds“ wären „die teuerste Alternative“. Und dann kommt’s: „Wir würden viel mehr Geld verlieren, wenn wir eine Krise zulassen würden, die wir politisch und ökonomisch nicht mehr beherrschen können.“

Da hat er sicher recht. Aber damit ist auch klargestellt: Auch so werden wir viel Geld verlieren.

18 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.05.2010, 19:29 UhrAnonymer Benutzer: Anton Magnicht

    Das finanzpolitische Desaster wird bald durch ein soziales und dann sicherheitspolitisches Desaster abgelöst. Es fußt auf der jahrzehntelangen sozialdemokratischen Nivellierungs- und Umverteilungspolitik aller Parteien. Wichtig war der Politik allein die nächste Legislaturperiode und das eigene, schmale Ego. Dass dabei die Wirtschaft sukzessive gegen die Wand gefahren wird ist doch egal.

    Das Lachen der Norweger ist kaum zu ertragen. Und totgesagte Schweizer leben auch länger.

  • 25.05.2010, 17:29 UhrAnonymer Benutzer: Nicht Dumm

    Die Franzosen haben schon immer darüber gelacht, dass wir unbedingt ihre Freunde sein wollen. Das haben wir jetzt davon.

  • 25.05.2010, 17:01 UhrAnonymer Benutzer: Ron777

    Abgezockt im blitzkrieg: Was wäre, wenn die letztwöchige europäische Krisensitzung, die für Deutschland finanziell so verheerend endete, kein Zufall sondern ein gut geplanter Schachzug der Südeuropäer unter Führung des fanzösischen Allmachtspräsidenten Sarkozy war? Was wäre, wenn herauskäme, dass es vorher Verhaltensabsprachen unter den Südländern gab, mit dem Ziel, Deutschland in einer künstlich zugespitzten Krisensituation - unter massivem Zeitdruck - zu weitgehenden politischen und währungstechnischen Zugeständnissen zu drängen?
    Ein politischer blitzkrieg sozusagen. Absurd? Nicht wirklich. Die Amerikaner haben z.b. genau diese Taktik sowohl vor dem 1. als auch vor dem 2. irakkrieg benutzt und damit die ganze Welt vorgeführt. Gefälschte Satelitenfotos des angeblich irakischen Aufmarsches an saudischer Grenze veranlasste die Europäer zur Teilnahme am ersten irakkrieg. Vor dem zweiten Waffengang wurden der Öffentlichkeit angebliche Augenzeugen irakischer Chemiwaffenfabriken und Skizzen von mobilen Chemiewaffenlaboren präsentiert. Wieder fiel die Weltöffentlichkeit größtenteils auf den bluff herein und stellte sich an die Seite von Amerika. Und jetzt ist es Sarkozy, der Merkel und die deutsche Politik zum Hampelmann seiner interessen macht. Und er plant schon Größeres. Wenn Spanien bald fällt, kann er im Zuge eines zweiten, noch größeren Solidaritätspaktes endgültig die Grundfesten der EU und des Euros schleifen und Deutschland, den ungeliebten europäischen Wirtschaftsprimus kastrieren. Merkel wird nicht viel dagegen setzen...

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