Euro-Rettungsfonds: Ratingagentur droht mit Herabstufung

Euro-Rettungsfonds: Ratingagentur droht mit Herabstufung

, aktualisiert 06. Dezember 2011, 21:26 Uhr
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Die Konzernzentrale von Standard and Poors in New York (USA)

Quelle:Handelsblatt Online

Die Ratingagentur Standard & Poor's nimmt nach ihrem negativen Ausblick für die meisten Euro-Länder nun auch den Rettungsfonds EFSF ins Visier. Der zentrale Baustein der Euro-Rettungsbemühungen wackelt.

LondonDie US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat nach dem Rundumschlag gegen zahlreiche Staaten der Eurozone auch eine Warnung gegen den Euro-Rettungsfonds EFSF ausgesprochen. Das „AAA“-Toprating für Anleihen des EFSF werde unter verschärfte Beobachtung genommen, teilte die Agentur am Dienstag mit. Der Rettungsfonds könnte die bisherige Topbonität verlieren, falls ein bisher mit Bestnote versehenes Mitgliedsstaat der Eurozone herabgestuft werden sollte. Dabei könnte die Kreditbewertung des EFSF um ein bis zwei Stufen gesenkt werden, hieß es weiter in der Mitteilung.

Bereits am späten Montagabend hatte S&P für 15 der 17 Euro-Länder und damit auch für die sechs Staaten mit der Top-Kreditwürdigkeit „AAA“ eine verschärfte Beobachtung angekündigt. Nach dem EU-Gipfel am kommenden Freitag will S&P so schnell wie möglich entscheiden, ob die aktuellen Ratings beibehalten werden. Derzeit halten noch Deutschland, Frankreich, Österreich, die Niederlande, Luxemburg und Finnland bei S&P die Bestnote „AAA“.

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"Der negative Ausblick von S&P für die meisten Euro-Länder spiegelt wider, dass das Vertrauen in den Rettungsfonds EFSF angeknackst ist," sagte Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag.

Er kritisiert, dass der Rettungsfond die Unsicherheit im Euroraum verstärkt. "Die Mechanik des Rettungsfonds war von Anfang an problematisch. Weil die Euro-Länder einzeln haften, zieht jede Hilfsmaßnahme und jede Herabstufung einen Dominoeffekt nach sich," sagte Schick im Gespräch mit Handelsblatt Online. "Gemessen an den fundamentalen Daten stehen die Länder der Eurozone nicht schlecht da. Das Problem ist die Unsicherheit über den Zusammenhalt des Währungsraumes."

Für Verunsicherung sorgt auch die Frage, welche Konsequenzen ein Verlust des Top-Ratings von Deutschland und Frankreich für den Rettungsfonds hätte. Bislang liegt das Garantievolumen des EFSF bei 780 Milliarden Euro. Davon kommen jedoch nur 440 Milliarden Euro von den sechs Ländern mit der Top-Bonität AAA..

Deutschland hatte bei der Gründung des EFSF darauf bestanden, dass sich der Rettungsfonds zu den niedrigsten Zinsen refinanziert. Deshalb galt es bisher als ausgemacht, dass sich der EFSF nur auf die Garantien der Länder mit Top-Bonität in Höhe von 440 Milliarden Euro stützt. Dies hätte zur Folge, dass sich das Volumen des Rettungsfonds bei einer Herabstufung Deutschlands oder Frankreichs deutlich reduzieren würde.

Allerdings ist dies nirgends festgeschrieben. In der Praxis könnten sich die Euro-Regierungschefs schnell darauf verständigen von der Top-Bonität abzuweichen. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hatte bereits im Oktober ins Spiel gebracht, dass der Rettungsfonds durch einen Verzicht auf die Top-Bonität sein Ausleihevolumen erhöhen könnte.


Quelle:  Handelsblatt Online
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