Euro-Schuldenkrise: Verdienen am Staatsbankrott?

Euro-Schuldenkrise: Verdienen am Staatsbankrott?

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Trichet, Papakonstantinou, Rehn (von links)

Europapolitiker erheben schwere Vorwürfe gegen Banken: Die Finanzkonzerne versuchten, eine Pleite Griechenlands herbeizureden, weil sie auf hohe Gewinne durch Gebühren spekulierten. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Argentinien ging 2001 mal wieder die Luft aus. Gläubiger von Milliarden schauten in die Röhre. Die Europäer, fast alle Privatinvestoren, hatten besonders schlechte Karten. Das deutsche Bankhaus HVB nutzte die Gunst der Stunde: Es bot den vielen Kleinanlegern an, sie mit einer institutionellen Stimme zu vertreten. Insgesamt sammelte das Geldhaus Bonds im Wert von 1,2 Milliarden Dollar ein. Die Bank bekam zwar nur einen fixen Promillebetrag pro Schuldschein. Doch obendrauf kam noch eine erfolgsabhängige Vergütung. „Da kam schon was zusammen“, sagt ein an dem Projekt beteiligter HVB-Mitarbeiter.

Vertretung der Gläubiger, Beratung der insolventen Regierung, Hilfe bei der Umschuldung: Auf vielen Wegen können Banken bei einem Staatsbankrott Geld verdienen. Der Chef des europäischen Rettungsfonds, Klaus Regling, geht jedoch noch weiter. Er wirft einzelnen Banken vor, die Gerüchte um eine Umschuldung Griechenlands gezielt anzuheizen, weil sie auf hohe Gewinne durch Gebühren spekulieren. „In den Achtziger- und Neunzigerjahren haben die Banken für die Restrukturierung von Staatsschulden in Lateinamerika und Asien sehr hohe Honorare kassiert“, sagte Regling dem „Handelsblatt“. „Das würden sie in Europa gerne wiederholen.“

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Das saß. Während sich in Brüssel mancher über Reglings Offenheit wunderte, stimmten ihm insgeheim viele mit der Materie Vertraute zu. EU-Währungskommissar Olli Rehn teilt ebenfalls Reglings Einschätzung – selbst wenn der wortkarge Finne es so nie formulieren würde – und auch Notenbankchef Jean-Claude Trichet soll jüngst hinter verschlossenen Türen seinem Ärger über die Banken Luft gemacht haben.

Versicherer mit CDS gegen Griechenland-Pleite abgesichert

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Gros der Finanzmarktakteure wäre bei einem Haircut gekniffen. Allen voran die Versicherungen, die für einen Beratervertrag bei einer Pleite ohnehin nicht infrage kommen können. Sie müssten ihre Griechenland-Anleihen um mindestens die Hälfte abschreiben. Zudem halten sie Credit Default Swaps (CDS) auf Griechenland-Bonds. Mit diesen Derivaten können Investoren sich für eine Pleite der Hellenen absichern. Dafür kassieren die Versicherungen zwar Prämien, müssen aber auch einspringen, wenn den Griechen die Luft ausgeht. Wie viel das sein wird, ist schwer zu sagen. Der CDS-Markt ist nicht reguliert. Nach Schätzungen liegt das Volumen der gehandelten Kreditausfallversicherungen derzeit bei einem hohen einstelligen Milliardenbetrag. Zwar beschuldigt die Politik nur die Banken, die Gerüchte um Griechenland zu befeuern. Doch das Schicksal der Geldhäuser ist eng an das der Versicherungen geknüpft. Sollte es hier knallen, träfe es auch die Banken.

In Finanzkreisen wird gemunkelt, auch die Landesbanken seien als Versicherungsgeber engagiert. Doch das ist nicht ihr einziges Problem. Der Löwenanteil der 26,3 Milliarden Euro hohen Schulden, den die Griechen bei deutschen Instituten haben, soll in ihren Büchern schlummern. An einer Umstrukturierung der Griechenland-Schulden würden sie kaum verdienen. „Der Auftrag wird an ein Institut gehen, das die erforderlichen Kapazitäten und genügend Know-how hat. Das sind nicht die Landesbanken“, sagt ein Experte.

Kein Pappenstiel

Erfahren sind hingegen Barclays, Deutsche Bank und Citigroup. Insgesamt kämen vielleicht nur 16 Institute infrage, heißt es in Brüssel. Laut einem Insider sind darunter die Commerzbank, JP Morgan und Goldman Sachs. Die beauftragten Banken werden, wie es bei Umstrukturierungen üblich ist, Promillebeträge kassieren. Bei insgesamt 340 Milliarden ist das kein Pappenstiel. Institute, die so clever waren sich früh genug aus Griechenland zurückzuziehen, haben deshalb gute Chancen durch eine Restrukturierung Gewinne einzufahren.

Doch das trifft nicht auf alle zu. Bei den übrigen werden diese Gewinne nur schwer die Verluste wettmachen, die durch ihr Engagement in Griechenland-Anleihen entstehen würden. Das trifft vor allem auf die zwei deutschen Banken zu. Die Deutsche Bank ist durch die Postbank mit 1,6 Milliarden riskant investiert, bei der Commerzbank sind es drei Milliarden Euro. Dass davon nicht viel übrig bleiben dürfte, zeigt Lateinamerika: Hier konnten die Banken von 1990 bis 1997 ihre Forderungen nur mit einem Abschlag von 40 Prozent in Brady-Bonds umtauschen. Für die 17 Schuldenländer ergab sich ein Verlust von rund 85 Milliarden Euro.

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