
Im Kanzleramt aber wiegelt man ab. „Die Garantie von Schulden einzelner Mitgliedstaaten verbietet der Lissabon-Vertrag. Das Bail-out-Verbot gilt nicht nur für Hilfen der Gemeinschaft, sondern auch für bilaterale Hilfen“, heißt es. Verärgert ist man im Kanzleramt vor allem über das Vorpreschen des EU-Wirtschafts- und Währungskommissars Joaquím Almunia, der für ein energischeres Sanierungsprogramm Hilfen der EU-Partner in Aussicht gestellt hatte. Natürlich wird auch in Berlin darüber gegrübelt, wie sich das Bail-out-Verbot umschiffen ließe. Ob eine Geldspritze durch die KfW zulässig wäre, da hält sich die Regierung bedeckt. In der Vergangenheit war die Bank des Bundes noch stets eingesprungen, wenn zumindest der deutsche Staat über Tricks frisches Geld brauchte.
Eine andere Möglichkeit wäre, eine Gemeinschaftsanleihe aufzulegen, die von mehreren Ländern des Euro-Raums gemeinsam emittiert und garantiert wird. Weil sich für diesen Common Bond wohl ein Zinssatz über dem für Bundesanleihen bilden würde, müssten deutsche Steuerzahler höhere Zinsen zahlen und so einen Teil der Kosten für das höhere Ausfallrisiko Griechenlands tragen. Nach den Belastungen für die Bankenrettung dürfte es der Regierung schwerfallen, den Bürgern zu erklären, warum sie jetzt auch noch für die Rettung eines unsolide wirtschaftenden Landes und seiner Gläubigerbanken in ihre Taschen greifen sollen.
Die Ökonomen des Brüsseler Think Tanks Centre for European Policy Studies (Ceps) schlagen daher vor, einen Europäischen Währungsfonds (EWF) zu errichten. Dieser sollte sich aus den Beiträgen derjenigen Länder speisen, die gegen die im Maastrichter Vertrag festgelegten Schuldengrenzen verstoßen.
Jedes Land könnte dann bei Zahlungsschwierigkeiten Mittel bis zur Höhe der eingezahlten Beiträge abrufen. Bei höherem Mittelbedarf müsste sich das Land harten Reformprogrammen unterwerfen, die von der EU-Kommission und der Euro-Gruppe überwacht würden. Zudem würde ein solcher EWF bei einem Staatsbankrott einspringen und den Gläubigern des Pleitestaates den Abkauf der Forderungen gegen einen Abschlag anbieten. Allerdings würde es wohl Monate dauern, einen solchen Fonds einzurichten. Als Mittel zur Lösung der akuten Krise ist er kaum geeignet.
Doch das größte Problem jeder staat-lichen Hilfe ist, dass sie den Sanktionsmechanismus des Marktes in Form höhere Zinsen für unsolide Länder außer Kraft setzt. Zwar beschwören die Politiker in Berlin und Brüssel, Hilfen werde es nur gegen harte Reformauflagen mit wirksamen Sanktionen geben. Doch wie ernst solche Bekenntnisse zu nehmen sind, zeigt der unselige Stabilitäts- und Wachstumspakt, der just zu dem Zeitpunkt – pikanterweise auf Betreiben der damaligen rot-grünen Bundesregierung – aufgeweicht wurde, als er seine Sanktionsmechanismen entfalten sollte.
So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Problemländer ohne den Druck des Marktes die Kurve zu harten Reformen nicht kriegen. „Wie Langzeitarbeitslose würden sie dann in eine Art Sozialhilfefalle geraten und wären dauerhaft auf Hilfen der wirtschaftlich starken Länder angewiesen“, warnt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.
Dann wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch auf Deutschlands Straßen die Protestwelle anrollt – gegen den Euro.














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Alle Kommentare lesen22.02.2010, 17:21 UhrAnonymer Benutzer: Torsten
Anleger (inkl. banken) zeichnen griechische Anleihen, um - inkl. Risikoprämie - höhere Renditen zu erzielen. Soweit, so gut: je höher das Risiko, um so höher die Rendite. Jetzt sollen Anleihen garantiert werden (z.b. von bRD / KfW), damit die Anleger keine Ausfälle erleiden ?! Damit ist der Grund für den Risikoaufschlag entfallen! Also: Heruntersetzen der Risikoprämie auf zumindest mittleres europäisches Niveau, somit geringere Rendite für den Anleger und Herauskehren der Differenz an den Garantiegeber! Und für die Zukunft: Schlagt den Politikern jegliche Überwachung aus der Hand, das gehört in objektive Hände, in der Art eines europäischen Rechnungshofes, der direkt dem EU-Parlament berichtet.
22.02.2010, 13:09 UhrAnonymer Benutzer: Bino - Es sind immer die Anderen?
@ Wolfgang Schachermeier: sehr richtig erkannt: "Die Mächtigen der Wirtschaft berührt das nicht, ihnen paßt jedes System das ihnen freie Hand läßt!" - ich ergänze: zur Zeit. Was aber passiert, wenn die demokratschen Kräfte weiter gegegen den Willen der Allgemeinheit sich super Gehälter zahlen, um dann zu predigen wie arme Menschen zu leben haben (Guido Westerwelle)? Dann ist der Tag nicht mehr weit, wo man diesen "Mächtigen der Wirtschaft" keine freie Hand mehr lässt! Was wir dann für eine Gesellschaftsform haben, ich lass mich überraschen. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir in der Welt (Deutschland, USA, etc.) ja schon mit der Abwrackprämie gesehen, wohin es gehen könnte. Das ist Planwirtschaft - diese ist nicht weit von Sozialismus und Zwangsverstatlichung der Unternehmen weg (Hypo Real Eastate, RbS, etc.). Das Verrückte zur Zeit ist, dass die "Die Mächtigen der Wirtschaft" alles tun, bewusst oder unbewust, um dort hin zu kommen, nicht wahr Frau A.Merkel? Dann sind die aber weg vom Fenster! Viel Spaß beim Aushebeln marktwirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten.
22.02.2010, 10:08 UhrAnonymer Benutzer: Demokrat
Wenn Griechenland und andere Länder Unterstützung erhalten, die sie nicht werden zurückzahlen können, müssen Sie in anderer Form eine Gegenleistung bringen - Verkauf von Staatsgebiet. Aber die Tage des Euro sind auch so schon gezählt.