Euro-Zone: Euro-Vorfreude in Estland

Euro-Zone: Euro-Vorfreude in Estland

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Estnische Hauptstadt Tallinn: Die aufstrebende IT-Nation ist Exportweltmeister vor China und Deutschland

von Hans Jakob Ginsburg

Europa sorgt sich um den Euro. Doch Estland freut sich auf den Eintritt in den angeschlagenen Währungsklub - als sein 17. Mitglied. Obwohl die Wirtschaft 2009 einbrach, herrscht Optimismus.

Krise? Was für eine Krise? Das kleine Estland hat im internationalen Rezessionsjahr 2009 mit einem Wachstumseinbruch von 14 Prozent so schlecht abgeschnitten wie kaum ein anderes Land weltweit, für 2010 sind die Prognosen durchwachsen. Doch Armas Rüütel lässt sich nicht beirren: Der junge Manager des Industrieparks Ülemiste City am Rand der estnischen Hauptstadt Tallinn hat konkrete Pläne, wie er das in übler Vorzeit von der sowjetischen Luftwaffe benutzte Gelände ausbauen will. Derzeit arbeiten in den alten Werkshallen und neuen Bürogebäuden 4500 Menschen für 240 Unternehmen, darunter große internationale Namen wie Siemens, Bosch und Nestlé. Microsoft und Sun Microsystems steuern von hier aus ihre Aktivität im Baltikum. Rüütel würde das Geschäft auf dem Industriepark in den kommenden Jahren gerne verdoppeln.

Wenn ein schlimmes Krisenjahr so endet, kann in Zukunft eigentlich nichts mehr passieren. Diesen Gedanken hört der Besucher des kleinen Landes immer wieder von Managern, Unternehmern, Computerspezialisten und Politikern. Ein Optimismus, der sich nur noch steigert durch die Vorfreude auf die Einführung des Euro am 1. Januar 2011.

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Logischer Abschluss einer Entwicklung

Anderswo in Europa lassen die Griechenland-Krise und die Milliardensummen für die fragwürdige Euro-Stützung Bürger und Fachleute an der Gemeinschaftswährung verzweifeln. Für Estland ist der bevorstehende Beitritt zur Euro-Zone als 17. Mitglied logischer Abschluss einer Entwicklung, die mit der Unabhängigkeit von Moskau 1991, gefolgt von radikalen marktwirtschaftlichen Reformen der Neunzigerjahre, begann und 2004 mit dem Beitritt zur Nato und EU weiterging.

Dabei wird sich ökonomisch gar nicht so viel ändern. Seit 1992 haben die 1,3 Millionen Esten eine erst an die D-Mark, dann an den Euro gekoppelte stabile Währung. Viele Reformen, die anderen EU-Mitgliedern noch bevorstehen, haben die Esten schon hinter sich. „Wenn wir so wären wie die Griechen, hätten wir vielleicht auch Massendemonstrationen und Unruhen gehabt“, sagt der frühere Ministerpräsident Matt Laar, „aber mit unserer skandinavischen Mentalität ertragen wir auch schwere Zeiten in Ruhe.“

Exportweltmeister

Der konservative Politiker hat in der Krise vor allem versucht, das Land noch attraktiver für ausländisches Kapital zu machen: Der Einkommensteuersatz, immer schon eine einheitliche Flatrate, wurde auf 18 Prozent gesenkt, der bisher schwedischen Regeln nachempfundene Kündigungsschutz gelockert. Daneben hat er durch harte Einsparungen im öffentlichen Dienst – keine Neueinstellungen, empfindliche Gehaltssenkungen – das Haushaltsdefizit auf 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und die staatliche Gesamtverschuldung auf 7,2 Prozent gedrückt. Derzeit steht in dieser Hinsicht kein europäisches Land besser da. „Wir hätten das ohne die Perspektive Euro-Beitritt nie geschafft“, sagt Laar.

Auftrieb erhält die kleine Volkswirtschaft durch den Aufstieg zur IT-Nation und den hohen Exportanteil von 76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; da können selbst die Champions China oder Deutschland nicht mithalten. Zwar brachen 2009 die Exporte ein. Doch jetzt geht es wieder deutlich aufwärts, auch wegen des Euro-Beitritts. „Auf Dauer ist die Zugehörigkeit zur Euro-Zone ein klarer Stabilitätsgarant“, sagt Märten Ross, stellvertretender Präsident der Staatsbank Eesti Pank. Er hofft, dass mehr ausländische Unternehmen in Estland investieren. Denn mit einer Arbeitslosenquote von 16 Prozent braucht das Land dringend neue Arbeitgeber. Finnische und schwedische Unternehmen sind in Tallinn und Umgebung überall sichtbar. Deutschland macht sich dagegen rar – selbst die Außenhandelskammer residiert beim Nachbarn Lettland.

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