Eurokrise: Portugal im Irland-Sog

Eurokrise: Portugal im Irland-Sog

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Spaniens Premierminister Jose Luis Rodriguez Zapatero (rechts) spricht mit Portugals Regierungschef Jose Socrates (links)

Keine zwölf Stunden nachdem Irland unter den Schutzschirm der EU geschlüpft ist, suchen sich die Märkte das nächste Opfer: den Zehn-Millionen-Einwohner-Staat Portugal. Viele volkswirtschaftliche Kennziffern sehen düsterer aus als die von Schuldennachbar Irland.

Sichtlich stolz trat die Bundeskanzlerin am 10. Mai vor die Kameras. Obwohl sie übermüdet war, fand Angela Merkel kraftvolle Worte: Der Rettungsfonds sei eine "entschlossene und geschlossene Botschaft an diejenigen, die glauben, den Euro schwächen zu können", sagte sie. Es war der Morgen nach jener Nacht, als die EU-Regierungschefs und der Internationale Währungsfonds einen Rettungsschirm von 750 Mrd. Euro gespannt hatten.

Das Signal, das die Bundeskanzlerin aussandte, galt den Spekulanten: Seht her, wir haben mit einer gewaltigen Summe einen Schutzwall errichtet, jegliche Angriffe auf einen Mitgliedstaat der Euro-Zone sind zwecklos, so die Botschaft.

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Jetzt, ein halbes Jahr später, ist klar: Die Kanzlerin hat sich - wie all die anderen Architekten des Schutzwalls - geirrt. Nun weiß Europa: Die bloße Existenz des Rettungsschirms allein reicht nicht. Irland musste gerade erst bis zu 90 Mrd. Euro Hilfen beantragen. Und auch das beruhigte die Finanzmärkte nicht. Sie schießen sich seit gestern auf den nächsten Kandidaten ein: Portugal.

Dritter Dominostein Portugal

"Mit Irland ist der zweite Dominostein gefallen", sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Am Markt besteht Konsens, dass Portugal der nächste Staat ist, der unter den Rettungsschirm schlüpfen muss", sagt Michael Leister, Analyst für europäische Staatsanleihen bei der WestLB. In jedem Fall sind die Märkte schon wieder alarmiert. "Ernüchternd" nennt Kornelius Purps, Experte bei der italienischen Großbank Unicredit, die Lage. Die Renditen der griechischen und portugiesischen Staatsanleihen zogen gestern kräftig an. 6,5 Prozent Rendite muss Portugal jetzt für zehnjährige Staatsanleihen bieten, Griechenland 11,6 Prozent. Auch die Devisenmärkte überzeugte das irische Rettungspaket nicht. Der Euro verlor ein halbes Prozent und notierte bei 1,36 Dollar.

Der Fall Irland sei wegen der dortigen Bankenkrise sehr speziell, versuchte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn zu beschwichtigen. In Portugal sei der Bankensektor dagegen gesund.

Griechenland-Virus

Was Rehn verschwieg: Portugal hat andere gravierende Probleme. Während Irland 2010 nur ein Leistungsbilanzdefizit von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufweist - im kommenden Jahr erwartet der IWF sogar einen Überschuss -, leidet Portugal 2010 unter einem rekordverdächtigen Defizit von über zehn Prozent. Das heißt, das Land lebt weitaus stärker über seine Verhältnisse als Irland. Auch die Wachstumsperspektiven sind in Portugal schlechter: Die Wirtschaftsleistung wird auch im nächsten Jahr noch schrumpfen - um 0,2 Prozent. Irland dagegen soll sogar um 1,5 Prozent wachsen. Zwar ist die Haushaltslage in Portugal derzeit entspannter, da der Staat im Gegensatz zu Irland nicht Milliarden in die Bankensanierung stecken musste. Doch ohne Wachstum nutzt der rigideste Sparkurs nichts. Der Griechenland-Virus hat gestern Irland dahingerafft. Er ist dabei, auch Portugal zu befallen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat seine Beamten bereits angewiesen, Stillschweigen über sein Konzept eines "permanenten Krisenbewältigungsmechanismus" für die Euro-Zone zu bewahren. Dennoch werden in den Medien immer wieder Details der Pläne für die Zeit nach 2012 bekannt. "Das ist nicht hilfreich", sagt ein Regierungsvertreter.

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