
In der deutschen Öffentlichkeit genauso wenig. Den Wählern ist kaum bewusst, dass gerade die heimischen Entsandten in Brüssel und Straßburg großen Einfluss ausüben. Das liegt nicht nur an ihrer Zahl. Mit 99 Abgeordneten bilden die Deutschen die größte nationale Gruppe. Sie sind aber auch überdurchschnittlich produktiv: Im Schnitt haben sie mehr Berichte verfasst als ihre britischen und französischen Kollegen, errechnete die französische Fondation Robert Schuman und beklagt den geringen Einfluss der französischen Abgeordneten.
Ihre deutschen Kollegen profitierten davon, dass sie zu fast 90 Prozent den zwei größten Gruppen angehören, den Konservativen oder den Sozialisten. So können sie ihre Stimmen bündeln. Die Zugehörigkeit zu einer der beiden großen Gruppen erleichtert es ihnen auch, einen der begehrten Ausschussvorsitze zu ergattern. So sitzt die Christsoziale Angelika Niebler dem Industrieausschuss vor, der Christdemokrat Reimer Böge dem Haushaltsausschuss, und der Sozialdemokrat Jo Leinen leitet das Gremium für konstitutionelle Fragen.
Dennoch genießen die meisten Bundestagsabgeordneten mehr öffentliche Aufmerksamkeit als ihre Kollegen aus dem Europaparlament. Seit Jahren beklagen die EP-Abgeordneten, dass ihre Arbeit von den Berliner Kollegen nicht genügend wahr-, geschweige denn ernst genommen werde. Mittlerweile wurde der Dialog innerhalb der Parteien institutionalisiert, vor zwei Jahren eröffnete der Bundestag in Brüssel ein Büro, in dem Mitarbeiter der Fraktionen das EU-Geschehen beobachten. Und dennoch bleibt eine Distanz zwischen Berlin und Brüssel. Grünen-Chef Özdemir: „Die Fraktionen im Bundestag blenden die europäische Ebene zu oft aus.“
So passt es ins Bild, dass die großen Parteien in Deutschland den Europawahlkampf nicht mit europäischen Themen führen, sondern im Kern als Test für die Bundestagswahl sehen.
Nicht immer schicken die Mitgliedsstaaten die Besten
Wenn das Europäische Parlament allerdings nicht so ernst genommen wird, wie es ihm zustünde, dann trägt es auch selbst eine gehörige Schuld daran. Immer wieder macht es mit Skandalen und Skandälchen von sich reden, zuletzt mit dubiosen Vorgängen um einen Pensionsfonds, davor mit der Postenvergabe an Familienangehörige. Ebenso schädlich für das Image des Parlaments ist der Dauerwanderzirkus zwischen den beiden Sitzen in Brüssel und Straßburg, der im Jahr schätzungsweise 120 Millionen Euro an Steuergeldern verschlingt. Daran können die Abgeordneten allerdings nichts ändern, sondern nur die Mitgliedstaaten.
Und noch immer leidet das Parlament darunter, dass die Parteien in den Mitgliedstaaten nicht unbedingt die Besten für Brüssel und Straßburg aufstellen, sondern unliebsame Parteifreunde entsenden. „Das Europäische Parlament kann keine Recyclinganlage für nationale Politiker auf Arbeitssuche sein“, empört sich gerade wieder die französische Sozialistin Catherine Trautmann mit Blick auf den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der seine Justizministerin Rachida Dati per Europawahl entsorgen will. Dass Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi eine ehemalige Miss-Italia-Anwärterin ohne jegliche politische Vorbildung für einen Posten im EP auserkoren hat, hilft dem Ruf der europäischen Volksversammlung ebenso wenig.
Eines gibt allerdings Hoffnung. Lange Zeit war das EP kein guter Startpunkt für politische Karrieren. Daran scheint sich etwas zu ändern. Ein finnischer Abgeordneter schaffte es kürzlich auf direktem Wege zum Außenminister, Cem Özdemir gelang aus Brüssel der Sprung an die Parteispitze. Und einem ehemaligen Europa-Abgeordneten werden guten Chancen auf einen Kommissarsposten in Brüssel nachgesagt: Friedrich Merz. Vielleicht wird das Europäische Parlament doch noch zum Karrieresprungbrett.











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Alle Kommentare lesen30.05.2009, 02:53 UhrAnonymer Benutzer: Juergen Kalaehne , BGM a. D.
Engagement für Europa zählt. Silvana Koch-Merin ( FDP ) ... ?? . Ein guter Wein ist mir lieber.... Mich interessiert mehr, was die Abgeordnete SKM ( FDP ) im Dienst für Europa vollbracht hat. Wenn ich mich richtig entsinne, dann hat Frau SKM ( FDP ) in brüssel und Straßburg in den letzten ganz wenig Sacharbeit geleistet, keine berichte abgeben. ist das belegt, so ist es nicht zu akzeptieren. Zudem, daß die FDP wegen der Mehrheitsverhältnisse im EU - Parlament derzeit schlechte Karten hat , darf auch für Frau SKM kein Grund dafür sein, die Zeit als EU - Abgeordnete in einem zu hohen Maße für PR in eigener Sache zu nutzen. Das Gegenteil wäre sinnvoller , für Europa und für Deutschland. Schließlich werden deutsche EU - Abgeordete letztlich wie Minister in deutschen bundesländern - mit über 200 000 Euro - bezahlt.. Somit aber hat sich Frau SKM ( FDP ) auch für höhere Aufgaben in brüssel disqualifiziert und hofft eher vergeblich auf eine benennung für die EU - Kommission nach der bundestagswahl .... Juegen Kalaehne, bGM a. D.
28.05.2009, 12:33 UhrAnonymer Benutzer: Moskauer
alles gegen den kleinen Mann...
die EU führt uns Mittel-,Kleine Leute nicht weiter, werden nur die interessen der großen Verfolgt, langsam werden wir zur USA 2 herangezüchtet..
Unser Erspartes geht ein, alles werden die uns nehmen, die Frage bleibt, was ist wenn bei uns nichts mehr zu holen ist, werden diese dann sich selbst bekriegen????-> Na hoffentlich!!!
Und dann werden wir als Sieger hervorgehen
27.05.2009, 18:51 UhrAnonymer Benutzer: sie achten uns nicht..
Über 100 Mio. Menschen sprechen in der EU Deutsch als Muttersprache. Keine andere Sprache wird in Europa von so vielen als Muttersprache gesprochen wie Deutsch, weit vor Englisch und Französisch.
Aber als offizielle Sprache ist Deutsch in der EU nicht präsent, nur als eine unter vielen Sprache wie Finnisch, Kroatisch etc., vor allem nicht bei Gesetzesvorlagen. Gesetze erscheinen immer erst auf Französisch und Englisch, erst viel später auf Deutsch, nämlich dann, wenn es schon zu spät ist.
Die meistgesprochene Sprache in Europa, Deutsch, wird siet Jahrzehnten knallhart und eiskalt geschnitten, und niemand ist gewillt, diesen Skandal zu beenden. Das hat mit Demokratie absolut nichts zu tun, egal wie die faulen Ausreden lauten.
Wer die (meistgesprochene) Sprache der Menschen nicht achtet, achtet die Menschen selbst nicht.
Jede Pression geht mit einer Unterdrückung der Sprache einher, solange es Menschen gibt. Welche Konsequenzen das hat, merkt man erst, wenn man ausmanövriert worden ist, weil man die in Fremdsprachen verfassten Texte zuvor nicht lesen konnte.