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Europaparlament: Die heimlichen Herrscher der EU

von Silke Wettach (Brüssel)

Das Video dauert 32 Sekunden und entsprechend hektisch prasseln die Botschaften auf den Betrachter hernieder.

Nachlassendes Interesse: Wahlbeteiligung bei Europawahlen in Deutschland und der EU
Nachlassendes Interesse: Wahlbeteiligung bei Europawahlen in Deutschland und der EU (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

„Güterprodukte landen auf der Schiene und nicht im Stau“, sagt ein intellektuell wirkender Mann mit Akten unterm Arm. „Um Jobs zu sichern, werden Europas Grenzen für Importe geschlossen“, bellt ein Osteuropäer im Blaumann. „An Werktagen ist Autofahren verboten“, nuschelt ein spanisches Mädchen.

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Die Auflösung kommt aus dem Off. „Wie werden die Nachrichten von morgen wirklich aussehen?“, fragt ein Sprecher – und: „Du entscheidest bei der Europawahl am 7. Juni.“

18 Millionen Euro lässt sich das Europäische Parlament (EP) diesen wirren Werbespot kosten. Das Filmchen, von der Berliner Agentur Scholz & Friends European Agenda erdacht, soll verdeutlichen, in wie vielen Bereichen das Europaparlament mitbestimmt. Die Europawahl, so die schwer verständliche Botschaft, beeinflusst den Alltag jedes Bürgers.

Die Macht der Abgeordneten nimmt stetig zu

Es passt zu diesem eigenwilligen Parlament, dass es nicht so recht mit dem Wähler zu kommunizieren vermag. Aber wahrscheinlich hätte selbst ein eingängiger Spot nicht geholfen, Europa lockt nur wenige an die Urnen. In einer aktuellen Umfrage von TNS Opinion im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung gaben 54 Prozent der Deutschen zu, dass die Europawahlen sie nicht interessieren. Die Wahlbeteiligung sinkt seit der Premiere 1979 kontinuierlich und lag 2004 bei nur 43 Prozent. Beobachter fürchten, dass diesmal selbst dieser Wert unterschritten wird.

Eine paradoxe Entwicklung – schließlich ist in derselben Zeit die Macht des Europaparlaments genauso unablässig gewachsen. In Deutschland nimmt die europäische Volksvertretung mittlerweile mehr Einfluss auf die Gesetze als der Bundestag.

Mit jedem EU-Vertrag bekamen die Abgeordneten neue Wirkungsbereiche hinzu, in denen sie gemeinsam mit den Mitgliedstaaten bestimmen. Bei mittlerweile mehr als 75 Prozent aller europäischen Gesetze dürfen die in Straßburg und Brüssel residierenden Volksvertreter mitentscheiden, rechnet der deutsche EP-Präsident Hans-Gert Pöttering (CDU/EVP) vor. Ob Umwelt- und Verbraucherschutz oder Telekomregulierung, die Euro-Parlamentarier regieren mit. In den vergangenen fünf Jahren entschieden sie über CO2-Emissionen von Autos ebenso wie über Handytarife und Nahrungsmittelwerbung – Themen, die für die deutsche Industrie und deutsche Verbraucher von zentraler Bedeutung sind.

Die Macht der Abgeordneten dürfte in Zukunft sogar noch zunehmen: Tritt der Vertrag von Lissabon in Kraft, wächst der Einfluss des Europäischen Parlaments auf „fast 100 Prozent der Bereiche, in denen die EU Gesetzgebungskompetenz hat“, betont Präsident Pöttering.

Fernab von Brüssel wird das mit gemischten Gefühlen gesehen. „Wie viel Gestaltungsmacht hat denn dann noch der Bundestag?“, fragt sich etwa Verfassungsrichter Udo Di Fabio in Karlsruhe.

Bei den Wählern ist die Kompetenzverschiebung noch nicht angekommen. Doch die Europa-Abgeordneten sind sich ihrer Möglichkeiten wohl bewusst. In der auslaufenden Legislaturperiode haben sie die Muskeln spielen lassen wie nie zuvor.

Sie begannen mit einem Paukenschlag: Im Oktober 2004 ließen sie den italienischen Kommissarskandidaten Rocco Buttiglione wegen vermeintlich homophober und frauenfeindlicher Bemerkungen durchfallen. Italien musste einen Ersatzbewerber nach Brüssel schicken. Den ungarischen Kommissar Laszlo Kovacs zwangen sie zu einem Dossier-Wechsel, weil er sein geplantes Fachgebiet Energie nicht beherrschte.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.05.2009, 02:53 UhrAnonymer Benutzer: Juergen Kalaehne , BGM a. D.

    Engagement für Europa zählt. Silvana Koch-Merin ( FDP ) ... ?? . Ein guter Wein ist mir lieber.... Mich interessiert mehr, was die Abgeordnete SKM ( FDP ) im Dienst für Europa vollbracht hat. Wenn ich mich richtig entsinne, dann hat Frau SKM ( FDP ) in brüssel und Straßburg in den letzten ganz wenig Sacharbeit geleistet, keine berichte abgeben. ist das belegt, so ist es nicht zu akzeptieren. Zudem, daß die FDP wegen der Mehrheitsverhältnisse im EU - Parlament derzeit schlechte Karten hat , darf auch für Frau SKM kein Grund dafür sein, die Zeit als EU - Abgeordnete in einem zu hohen Maße für PR in eigener Sache zu nutzen. Das Gegenteil wäre sinnvoller , für Europa und für Deutschland. Schließlich werden deutsche EU - Abgeordete letztlich wie Minister in deutschen bundesländern - mit über 200 000 Euro - bezahlt.. Somit aber hat sich Frau SKM ( FDP ) auch für höhere Aufgaben in brüssel disqualifiziert und hofft eher vergeblich auf eine benennung für die EU - Kommission nach der bundestagswahl .... Juegen Kalaehne, bGM a. D.

  • 28.05.2009, 12:33 UhrAnonymer Benutzer: Moskauer

    alles gegen den kleinen Mann...
    die EU führt uns Mittel-,Kleine Leute nicht weiter, werden nur die interessen der großen Verfolgt, langsam werden wir zur USA 2 herangezüchtet..
    Unser Erspartes geht ein, alles werden die uns nehmen, die Frage bleibt, was ist wenn bei uns nichts mehr zu holen ist, werden diese dann sich selbst bekriegen????-> Na hoffentlich!!!

    Und dann werden wir als Sieger hervorgehen

  • 27.05.2009, 18:51 UhrAnonymer Benutzer: sie achten uns nicht..

    Über 100 Mio. Menschen sprechen in der EU Deutsch als Muttersprache. Keine andere Sprache wird in Europa von so vielen als Muttersprache gesprochen wie Deutsch, weit vor Englisch und Französisch.

    Aber als offizielle Sprache ist Deutsch in der EU nicht präsent, nur als eine unter vielen Sprache wie Finnisch, Kroatisch etc., vor allem nicht bei Gesetzesvorlagen. Gesetze erscheinen immer erst auf Französisch und Englisch, erst viel später auf Deutsch, nämlich dann, wenn es schon zu spät ist.

    Die meistgesprochene Sprache in Europa, Deutsch, wird siet Jahrzehnten knallhart und eiskalt geschnitten, und niemand ist gewillt, diesen Skandal zu beenden. Das hat mit Demokratie absolut nichts zu tun, egal wie die faulen Ausreden lauten.

    Wer die (meistgesprochene) Sprache der Menschen nicht achtet, achtet die Menschen selbst nicht.

    Jede Pression geht mit einer Unterdrückung der Sprache einher, solange es Menschen gibt. Welche Konsequenzen das hat, merkt man erst, wenn man ausmanövriert worden ist, weil man die in Fremdsprachen verfassten Texte zuvor nicht lesen konnte.

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