Evonik-Chef Engel: Wir brauchen den europäischen Bundesstaat

Evonik-Chef Engel: Wir brauchen den europäischen Bundesstaat

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Der Vorstandsvorsitzende des Essener Industriekonzerns Evonik, Klaus Engel

Um in der internationalen Politik künftig noch eine Rolle zu spielen, muss die Europäische Union nicht nur in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, sondern auch in der Sicherheits- und Außenpolitik mit einer Stimme sprechen, sagt Evonik-Chef Klaus Engel.

Das Vereinte Europa erscheint uns in diesen Tagen als prekäres Projekt. Außenpolitisch ist die Union von nationalen Alleingängen dominiert. Finanzpolitisch werden Europa und sein Euro-Raum in den Mitgliedstaaten höchst uneinheitlich regiert. Die meisten Nationen weisen eine überbordende, nach wie vor wachsende Staatsverschuldung auf, die den Euro zwangsläufig in eine schwere Krise führen musste. Das hat, im Verein mit abnehmenden Bevölkerungszahlen und unzureichender, qualifizierter Einwanderung, wirtschaftspolitische Konsequenzen: Das Wachstum der Europäischen Union (EU) liegt weit unter seinen Möglichkeiten, die Produktivität lässt nach, und weil trotz aller Bekenntnisse zum gemeinsamen Markt auch noch die Allüren nationaler Industriepolitik hinzukommen, ist die strukturelle Arbeitslosigkeit in Europa weit höher, als sie bei flexibleren Märkten sein müsste.

Mindestens ebenso schwer wiegen die geopolitischen Konsequenzen. Sie gefährden das internationale Gewicht der EU. Dabei war Europa jahrzehntelang das weltweite Vorbild: Wirtschaftspolitisch galt der Staatenbund als Modell einer Symbiose aus innovativen Wachstumskräften, stabiler Währungspolitik und sozialem Frieden. Politisch präsentierte sich der Kontinent als erfolgreiches Exempel supranationaler Zusammenarbeit, als funktionsfähige Gegenfolie von Integrationsideen in Südamerika, in Afrika, im Nahen Osten oder in Asien. Europa galt als die kommende gestalterische Kraft der Weltpolitik, ohne die sich ein weltweiter Frieden nicht würde ordnen lassen.

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Europas Einfluss ist gemindert

Eine solche Position ergibt sich indes nicht von selbst. Sie definiert sich vor allem über das wirtschaftliche Potenzial: die Exportkraft, die schwächer entwickelte Teile der Welt mit jenen Gütern beliefert, die diese zum Aufbau des eigenen Wohlstands benötigen; die Importkraft, mit der Europa die in den Partnerländern produzierten Waren abnimmt und dort Einkommen wie Arbeitsplätze schafft. Und sie hat zu tun mit Europas Finanzstärke, die alle investiven und konsumtiven Politikbereiche erst ermöglicht.

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