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Evonik-Chef Engel: Wir brauchen den europäischen Bundesstaat

von Klaus Engel

Um in der internationalen Politik künftig noch eine Rolle zu spielen, muss die Europäische Union nicht nur in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, sondern auch in der Sicherheits- und Außenpolitik mit einer Stimme sprechen, sagt Evonik-Chef Klaus Engel.

Der Vorstandsvorsitzende des Quelle: Franz-Peter Tschauner dpa/lnw
Der Vorstandsvorsitzende des Essener Industriekonzerns Evonik, Klaus Engel Quelle: Franz-Peter Tschauner dpa/lnw

Das Vereinte Europa erscheint uns in diesen Tagen als prekäres Projekt. Außenpolitisch ist die Union von nationalen Alleingängen dominiert. Finanzpolitisch werden Europa und sein Euro-Raum in den Mitgliedstaaten höchst uneinheitlich regiert. Die meisten Nationen weisen eine überbordende, nach wie vor wachsende Staatsverschuldung auf, die den Euro zwangsläufig in eine schwere Krise führen musste. Das hat, im Verein mit abnehmenden Bevölkerungszahlen und unzureichender, qualifizierter Einwanderung, wirtschaftspolitische Konsequenzen: Das Wachstum der Europäischen Union (EU) liegt weit unter seinen Möglichkeiten, die Produktivität lässt nach, und weil trotz aller Bekenntnisse zum gemeinsamen Markt auch noch die Allüren nationaler Industriepolitik hinzukommen, ist die strukturelle Arbeitslosigkeit in Europa weit höher, als sie bei flexibleren Märkten sein müsste.

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Mindestens ebenso schwer wiegen die geopolitischen Konsequenzen. Sie gefährden das internationale Gewicht der EU. Dabei war Europa jahrzehntelang das weltweite Vorbild: Wirtschaftspolitisch galt der Staatenbund als Modell einer Symbiose aus innovativen Wachstumskräften, stabiler Währungspolitik und sozialem Frieden. Politisch präsentierte sich der Kontinent als erfolgreiches Exempel supranationaler Zusammenarbeit, als funktionsfähige Gegenfolie von Integrationsideen in Südamerika, in Afrika, im Nahen Osten oder in Asien. Europa galt als die kommende gestalterische Kraft der Weltpolitik, ohne die sich ein weltweiter Frieden nicht würde ordnen lassen.

Europas Einfluss ist gemindert

Eine solche Position ergibt sich indes nicht von selbst. Sie definiert sich vor allem über das wirtschaftliche Potenzial: die Exportkraft, die schwächer entwickelte Teile der Welt mit jenen Gütern beliefert, die diese zum Aufbau des eigenen Wohlstands benötigen; die Importkraft, mit der Europa die in den Partnerländern produzierten Waren abnimmt und dort Einkommen wie Arbeitsplätze schafft. Und sie hat zu tun mit Europas Finanzstärke, die alle investiven und konsumtiven Politikbereiche erst ermöglicht.

Die hegemoniale Kraft Europas zerfällt just in dem Moment, in dem sie dringender gebraucht würde denn je. Andere Mächte wie China, Brasilien oder Indien steigen auf und stellen proportional dazu Ansprüche auf politische Mitgestaltung. Sie mindern damit Europas Einfluss und Gewicht in der Welt. Parallel dazu sind die Vereinigten Staaten mit großer Geschwindigkeit in eine schwere Finanz- und Führungskrise geraten und scheinen nicht mehr in der Lage, die Pax Americana durchzusetzen, an die wir uns nur zu gerne gewöhnt hatten.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.09.2011, 13:03 UhrAnonymer Benutzer: Europäer

    Habt ihr noch etwas außer Verschwörungstheorien zu bieten? ihr sagt, man solle eine Geschichtsbuch lesen? Dann geht nur ein bisschen weiter zurück in der Geschichte: Statt ein Deutschland gab es einen Flickenteppich von über 90 einzelnen Kleinststaaten. 1848 verlangte die intellektuelle Elite nach einem Land, in dem alle Deutschen zusammen leben, als höchstem Ziel (Hoffmann von Fallersleben: "Deutschland, Deutschland über alles"). Deren Gegner brachten mehr oder minder die gleichen Argumente vor wie ihr jetzt.

    Langfristig aber hat Herr Engel tatsächlich recht. Unser Wohlstand hängt direkt mit unserem Standing in der Welt zusammen. Zusammen sind wir eben stärker.

    Und zum Thema USA: die eben NiCHT von Anfang an eine Einheitswährung und Einheitssprache, es gab verschiedene Systeme und Sprachen, je nach Ursprung der Einwanderer. Fakt ist, dass wir aber als "schwache" Länder gemessen mit der USA an deren Rockzipfel hängen und eine reale Emanzipation nur als bundesstaat möglich wäre.

    Das mit dem Argument abzutun, dass die Demokratie darunter leiden würde, halte ich für reinste Polemik; Auch hier würde ich gerne - wenn auch nicht als Vorbild sondern eher als beispiel - das US-Parlament einbringen: Hierbei handelt es sich um ein Zweikammern-System, bei dem einmal die bevölkerung proportional repräsentiert wird (House of Representatives); da dies jedoch die kleineren Mitgliedsstaaten enorm benachteiligen würde, gibt es noch den Senat, in dem jeder bundesstaat mit zwei Senatoren vertreten ist.

    Für alle, die denken, dass durch die "U.S.E." die Demokratie eingeschränkt würde, der sollte sich überlegen, ob wir nicht einfach alle Staaten auflösen und zu der Kleinstaaterei mit Fürstentümern und Stadtstaaten zurückkehren sollten - um der in diesen Kommentaren geforderten Demokratie zum Sieg zu verhelfen.

    Armes Europa.

  • 14.09.2011, 20:19 UhrAnonymer Benutzer: Tom

    @ DEMOKRAT Wie recht er doch hat ! Und das sehen auch andere Länder in Europa so. Skandinavien, England, Slovakei u.a.m. machen durchaus ähnliche Vorbehalte geltend, zumindest ist das in der dortigen Presse die überwiegend ausgedrückte Meinung.

  • 13.09.2011, 02:59 UhrAnonymer Benutzer: Mr. Put

    in dieser Demokratie sind Zetsche und Engels scheint's gleicher? Die Herren bonzen agitieren gegen Artikel 20 GG, und die eine Stimme erinnert stark den Gigantisten aus Österreich.

    Wer die Strippenziehern hinter der EU kennenlernen will und bereit ist, seine Urteile und Vorurteile zu hinterfragen, stößt bei seiner Forschung auf die iG Farben (bASF, bayer, Höchst), des Österreichers Schmierer:

    http://www.umweltbrief.de/neu/html/archiv/Helmut_Kohl_korrupt.txt

    google (iG Farben [bASF bayer Höchst] Kohl)

    http://www.youtube.com/watch?v=JwyZ4AbgKG4

    Geschichte wiederholt sich. Nichts ist, wie es scheint.

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