Ex-Dell-Chef Rollins: "Mitt Romney trödelt nicht"

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Ex-Dell-Chef Rollins: "Mitt Romney trödelt nicht"

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Der ehemalige CEO des Computerherstellers Dell, Kevin Rollins ist selbst ein mormonischer Bischof. Er meint, die Deutschen würden Mitt Romney und seine zurückhaltende Art mögen

von Angela Hennersdorf

Der Ex-CEO des Computerherstellers Dell, Kevin Rollins, über seine gemeinsame Zeit mit Mitt Romney und über die Moral und Disziplin bei den Mormonen.

WirtschaftsWoche: Herr Rollins, ein Viertel aller Amerikaner will keinen Mormonen im Weißen Haus. Ist Mitt Romneys Religion ein Nachteil für ihn beim Kampf ums Weiße Haus?

Rollins: Nein, das glaube ich nicht. Romneys Glaube wird nicht den Ausgang der Präsidentschaftswahlen bestimmen.

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Dennoch sind viele Amerikaner skeptisch gegenüber den Anhängern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage.

Denken Sie an John F. Kennedy, der war katholisch, und das war vielen Amerikanern ebenfalls sehr verdächtig. Es gab auch viele, die Barack Obama nur deshalb nicht gewählt haben, weil er schwarz ist. Immer, wenn ein Kandidat antritt, über den die Wähler nicht viel wissen, werden sie nervös. Wir müssen sie besser informieren. Deshalb gab es ja die Werbekampagne unserer Kirche „Ich bin ein Mormone“. Darin bekannten sich ganz normale Bürger zu ihrem Glauben.

Viele erfolgreiche amerikanische Top-Manager sind Mormonen. Welche Rolle spielt Erfolg für sie?

Die Kirche bereitet ihre Gläubigen nicht spezifisch darauf vor, Führungskräfte in großen Unternehmen zu werden. Der Glaube spielt insofern eine Rolle, als er uns lehrt, ehrlich, fair und anständig zu sein.

Kaum eine große Weltreligion würde anderes von sich behaupten...

Diese Werte spielen bei Mormonen aber eine außerordentlich große Rolle. Uns wird auch früh beigebracht, Verantwortung zu übernehmen und zu führen. Wir lernen schon als Kinder öffentlich zu reden und uns zu präsentieren. Die persönliche Entwicklung prägt auch die fast zweijährige Mission, auf die junge Mormonen geschickt werden. Sie müssen sich in einer fremden Umgebung zurechtfinden, sich anderen gegenüber öffnen und Teamarbeit lernen. Wir lernen da Disziplin. Eine Garantie für Erfolg ist das natürlich nicht, aber es hilft bei der persönlichen professionellen Karriere.

USA Das Imperium der Mormonen

Mitt Romney - Favorit der Republikaner - ist Mormone. Wie tickt die Glaubensgemeinschaft, die Milliarden verwaltet?

Quelle: Reuters

Managen Mormonen anders, besser?

Ich habe sicherlich Dell anders geführt als mein Vorgänger. Schließlich ging es dem Unternehmen ziemlich schlecht, als ich dort den Chefposten übernahm. Wir mussten das Geschäft retten. Ich habe aber nicht mit einer Mormonen-, sondern mit einer Managementperspektive geführt. Besonderen Wert legte ich auf eine starke Unternehmensethik. Wir nannten das „die Seele von Dell“.

Wie sah sie aus, die „Seele von Dell“?

Ehrlich, klar und direkt bei all unseren Geschäftshandlungen zu sein. Wer in der Firma diesen Verhaltenskodex gebrochen hat, ist rausgeflogen.

Unbedingte Gehorsamkeit und strenge Disziplin – Regeln wie in der Mormonen-Kirche.

Wir haben ein klares Verständnis davon, was falsch und was richtig ist.

Kritisches Denken, Abweichen von der Norm gehört nicht dazu?

Wir Mormonen folgen nicht blind den Kirchenlehren. So funktioniert unsere Kirche nicht. So lenkt auch keiner der Mormonen, die ich kenne, sein Unternehmen.

Wie lassen sich die streng konservativen Mormonen-Regeln mit dem Management eines modernen Unternehmens vereinbaren, zu dem unter anderem auch die Förderung von Homosexuellen gehört?

Ich halte mich an die Gesetze, jedes Individuum hat gleiche Rechte – auch wenn mein Glaube manchen dieser Werte widerspricht. Diese Rechte müssen im öffentlichen Leben anerkannt werden. Die meisten Leute bei Dell wussten überhaupt nicht, dass ich Mormone bin. Sie haben wohl mitbekommen, dass ich ein sehr moralischer Mensch bin, der nichts von Scheinheiligkeit hält, der nicht toleriert, wenn jemand aus welchem Grund auch immer diskriminiert wird. Mir ist niemals der Vorwurf gemacht worden, ich habe Vorurteile, weil ich Mormone bin.

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