Ex-Präsident unter Hausarrest: Ägyptens Militär setzt Mohammed Mursi ab

Ex-Präsident unter Hausarrest: Ägyptens Militär setzt Mohammed Mursi ab

, aktualisiert 04. Juli 2013, 06:00 Uhr

Wohin treibt Ägypten nach der Absetzung des Präsidenten? Millionen Oppositionsanhänger feiern auf den Plätzen vieler Städte. Doch bei Zusammenstößen zwischen Mursis Anhängern und der Polizei gab es mehrere Tote.

Mit Feuerwerk haben Millionen von Oppositionsanhängern in der Nacht zum Donnerstag die Absetzung des ersten freigewählten ägyptischen Präsidenten gefeiert. Doch Anhänger Mohammed Mursis griffen in etlichen Städten nach Angaben von Sicherheitskreisen Polizeiwachen an; mindestens neun von ihnen wurden erschossen. Ein Sprecher der Muslimbruderschaft, Gehad el Haddad, sagte, Mursi sei in einer Einrichtung der Präsidentengarde unter Hausarrest gestellt worden, ebenso zwölf seiner Mitarbeiter.

Der Fernsehsender der Muslimbruderschaft wurde nach der Erklärung des Militärs, Mursi sei abgesetzt, abgeschaltet. Islamistische Fernsehsender, denen vorgeworfen wurde, zur Gewalt aufgerufen zu haben, sendeten ebenfalls nicht mehr und einige prominente Nachrichtenmoderatoren wurden verhaftet, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Sicherheitskräfte hätten das Studio von Al Dschasira Misr Mubascher gestürmt und Mitarbeiter festgenommen. Der Sender, der zum katarischen Al-Dschasira-Netzwerk gehört, galt als Mursi nahestehend.

Ägyptens Militärchef Al-Sisi Der Mann, der womöglich Mursi entmachtet

Als Abdel Fattah al-Sisi Verteidigungsminister Ägyptens wurde, sahen viele in ihm einen Mann der Muslimbruderschaft. Nun ist es gerade er, der die Möglichkeit hat, den islamistischen Staatschef Mursi zu entmachten.

Die Mursi-Gegner setzen ihre Hoffnungen in Militärchef Abdel Fattah al-Sisi. Auf Demonstrationen halten sie Plakate von ihm hoch. Quelle: dpa


US-Präsident Barack Obama forderte die ägyptischen Sicherheitsbehörden auf, keine willkürlichen Verhaftungen von Anhängern Mursis vorzunehmen und die Macht so schnell wie möglich einer demokratisch legitimierten Regierung zu übergeben. Er ordnete eine Überprüfung der US-Auslandshilfe für Ägypten an. Die USA seien „tief besorgt“ über den Schritt der Streitkräfte, Mursi zu stürzen und die Verfassung außer Kraft zu setzen, sagte Obama in Washington. Er sprach aber nicht von einem Putsch. Nach US-Recht muss die Regierung ihre Hilfen für ein Land aussetzen, in dem ein gewählter Führer durch einen Militärputsch abgesetzt wird.

Zuvor war am frühen Donnerstagmorgen bekanntgeworden, dass zwei Führungsmitglieder der Muslimbruderschaft festgenommen worden seien. Es handele sich um den Vorsitzenden der politischen Partei der Muslimbruderschaft, Saad el Katatni, und den stellvertretenden Vorsitzenden der Bruderschaft, Raschad Bajumi. El Katatni ist Chef der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, Bajumi einer von zwei stellvertretenden Vorsitzenden der Muslimbruderschaft.

In der Hafenstadt Marsa Matruh hätten Polizisten sechs Islamisten erschossen, die aus Autos heraus auf die Polizeizentrale geschossen hätten. Mursi-Anhänger hätten auch versucht, eine Polizeiwache in der südlichen Stadt Minja zu stürmen. Dabei seien drei Angreifer erschossen worden. In der nahe gelegenen Stadt Deir Mawas hätten Islamisten Autos und Geschäfte zerstört und Steine auf eine Kirche geworfen. Die Polizei sei mit Tränengas gegen sie vorgegangen. Auch in der Stadt Assiut habe es Zusammenstöße zwischen Mursi-Anhängern und der Polizei gegeben. Bei Straßenschlachten in der Stadt Kafr el Scheich wurden mindestens 200 Menschen verletzt. Bei Zusammenstößen seit Sonntag wurden fast 50 Menschen getötet.

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