Experte über Katars Investments: "Katar strebt nach regionaler Reputation"

ThemaNaher Osten

InterviewExperte über Katars Investments: "Katar strebt nach regionaler Reputation"

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Katars Hauptstadt Doha

von Ferdinand Knauß

Mit Aktienpaketen im Westen wollte der Kleinstaat Katar sich auch Ansehen verschaffen, sagt Nahost-Experte Sebastian Sons. Zum Missfallen Saudi-Arabiens.

WirtschaftsWoche: Aufgrund der Katar-Krise sind die Investments des katarischen Herrscherhauses und Staatsfonds bei westlichen Konzernen im Gerede. Haben diese für Katar auch einen politischen Zweck?
Sebastian Sons: Auszuschließen ist das nicht. Aber die Strategie Katars ist eher auf ökonomische Diversifizierung aus. Der Plan aller Golfstaaten ist langfristig, selbst zu Industriestaaten zu werden. Aber das wird nicht nur Jahre, sondern Generationen dauern. Als kleiner Staat, der bisher ganz von Rohstoffexporten abhängig ist, will Katar unterschiedliche Pfeiler in unterschiedlichen Branchen und unterschiedlichen Ländern errichten, die das Land und seine Herrscher in Krisenlagen wie jetzt finanziell absichern.

Katar will also vom Rohstoff-Exporteur zum Rentnerstaat werden?
Einmal geht es darum, die Rohstoff-Rente durch eine andere zu ersetzen. Also den Lebensstandard auch nach dem Ende der Rohstoffe aufrecht zu erhalten. Aber es geht auch darum, international Reputation zu gewinnen. Sich als attraktiver Geschäftspartner und verlässlicher wirtschaftlicher Akteur zu präsentieren, der nicht nur eine Fußballweltmeisterschaft ausrichtet. Politischen Einfluss versucht Katar nicht so sehr über seine Investitionen zu nehmen, sondern durch den Sender Al-Jazeera und die Unterstützung der Muslimbrüder. Dadurch will Katar eine regionale Strahlkraft entwickeln, die der saudischen Führung ein Dorn im Auge ist. Auch die Auslandsinvestitionen Katars wurden in Saudi-Arabien daher nicht wohlwollend gesehen. Die Saudis finden, dass die Kataris sich zu weit aus dem Fenster lehnen.

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Die Saudis selbst haben sehr viel weniger im westlichen Ausland investiert. Warum?
Es gibt durchaus saudi-arabische Investitionen im westlichen Ausland, nicht zuletzt die 3,5-Milliarden-Beteiligung des saudischen Staatsfonds an Uber. Aber es stimmt, die kleineren Golfstaaten sind da weiter. Die Saudis verfolgten bislang eine andere Diversifizierungsstrategie. Es ist natürlich ein viel größeres Land mit einer viel größeren Bevölkerung und wirtschaftlichen Bedeutung als Katar. Mit der „Vision 2030“ geht es der saudischen Führung vor allem um die Privatisierung der eigenen Wirtschaft. Zentral ist dabei der Teilbörsengang des Öl-Konzerns Saudi Aramco. Was Auslandsinvestitionen angeht, wurde Saudi-Arabien bislang eher auf Märkten innerhalb der islamischen Welt aktiv, wo man auch politisch Einfluss nehmen wollte. In Nordafrika vor allem.

Zur Person

  • Sebastian Sons

    Sebastian Sons ist Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Zuletzt veröffentlichte er: Auf Sand gebaut. Saudi-Arabien – Ein problematischer Verbündeter; Propyläen Verlag, Berlin 2016.

Saudi-Arabien begründet die Isolierungspolitik gegen Katar vor allem mit dessen angeblicher Nähe zum Erzfeind Iran und dem Vorwurf der Terrorfinanzierung. 
Man muss zunächst fragen: Wie definiert Saudi-Arabien Terror? Aus ihrer Sicht ist der IS zwar eine Terrororganisation aber nicht die wichtigste. Für die Saudis ist Iran der wichtigste Terror-Akteur. Adel Al-Dschubeir, der saudische Außenminister, sagte auf der Münchner Sicherheitskonferenz, dass der Iran für den Aufbau des IS verantwortlich sei. Man müsse sich doch fragen, warum es noch keinen Anschlag auf iranischem Gebiet gegeben habe.

Den gab es jetzt kürzlich.
Trotzdem: Aus saudischer Perspektive ist aller Terror in der Region durch Iran inszeniert oder inspiriert. Nach saudischer Logik ist der IS kein Problem mehr, wenn man erst den Iran besiegt hat.

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