Exportförderung: Deutsche Hilfe für Chinas Aufbau West

Exportförderung: Deutsche Hilfe für Chinas Aufbau West

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Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU)

von Max Haerder

Besuche deutscher Minister und ihrer Wirtschaftsdelegationen gehören längst zum Alltag im Reich der Mitte. Das 1,4-Milliarden-Volk kennt bislang keine Grenzen des Wachstums. Jetzt soll auch der Westen des Landes Anschluss finden an das asiatische Wirtschaftswunder.

Peter Ramsauer (CSU) ruckt und zuckt ein bißchen mit Rücken und Schultern, dann sitzt er bequem im Schalensitz des Audi R8 Quattro. Das lederne Lenkrad, der kühle Schaltknüppel; ein Hauch von  Lächeln legt sich auf das Gesicht des Verkehrsministers. Daneben steht Michael Glos, der ehemalige Wirtschaftsminister und Ziehvater Ramsauers. „Das Auto und Du, das ist schon eine explosive Mischung“, charmiert Glos. Das Ministerlächeln ist nun breit, ganz breit.

In Peking, im Audi Showroom zeigt die Diplomatie ihre angenehmen Seiten. Neben der chinesischen Hauptstadt haben Ramsauers Beamte Ulan Bator, Shanghai und das westchinesische Urumqi auf den einwöchigen Reiseplan gesetzt. Deutschland sei derzeit der mit Abstand bevorzugte Partner in Europa für die Chinesen, berichten deutsche Diplomaten. Das will genutzt werden.

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Peter Ramsauer wäre fast mal Pianist geworden. Mit der Kunst des Leitmotivs geht er immer noch virtuos um. Geschickt spielt Ramsauer bei jedem offiziellen Termin seine Jahrzehnte alten Asien-Erfahrungen aus. Die mitgereisten deutschen Unternehmer preist er wiederholt als „Spitzenvertreter“ und „Weltmarktführer“.

Jenseits der deutschen Interessengrabenkriege um Stuttgart 21 oder Gebäudedämmung genießt hier jemand, wie er Außenpolitik machen kann. Zum Reiseauftakt in der Mongolei greift sich Ramsauer das Thema Rohstoffe. Nach einem Minenbesuch nahe der chinesischen Grenze redet es sich gleich ganz anders über den globalen Kampf um Seltene Erden, Kupfer oder Lithium. Die große Geopolitik ist plötzlich zum Greifen nah. Und ganz nebenbei grätscht man auch dem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) mal kurz in den Geschäftsbereich.

"Land der Superlative"

„Ich bin“, sagt Ramsauer, „ hier nicht das BMZ.“ Will heißen: Das hier sind keine entwicklungspolitischen Almosen, das hier ist Interessenpolitik.  Das Stadium des Entwicklungslandes hat China tatsächlich hinter sich gelassen. Der Bundesregierung nötigt es vielleicht keine Bewunderung, aber immerhin Respekt ab, wie die kommunistische Führung ihr ökonomisches Heilsversprechen bislang einzuhalten vermag. Vor allem aber sieht sie Bedarfe und Märkte: 30 bis 40 Bahnhöfe werden in den kommenden Jahren neu- oder ausgebaut, ebenso viele Flughäfen; die Pekinger Führung will 5000 weitere Kilometer Schiene durchs Land ziehen.

„China“, sagt Peter Flatscher, Geschäftsführer des Gleismaschinenbauers Deutsche Plasser, „ist das Land der Superlative“. Da müsse man wissen, was passiert.

Das Land will sich noch zwei Jahrzehnte seiner inneren Entwicklung widmen. Demokratie ist ein Luxus, den man sich noch nicht leisten kann, sagen die Chinesen. Doch ob das noch je aufhört? Vorsichtig und nur im Bankettgespräch widmet sich Peter Ramsauer dem Thema. Kritik auf offener Bühne verbittet er sich. Jeder politische Gefangene sei einer zuviel, sagt er vor deutschen Unternehmern in Shanghai. Die chinesische Modernisierung und die konfuzianische Kultur müsse man dennoch fair bewerten und anerkennen.

Umso leidenschaftlicher spielt er den Türöffner, zum Beispiel für die Deutsche Bahn. Zunächst per iPod-Diplomatie, dann im Vier-Augen-Gespräch mit seinem chinesischen Kollegen Liu Zhijun in Peking zurrt er eine Absichtserklärung zusammen: Die Bahn möchte in Zukunft Güter über eine kontinentale Schienenverbindung vom Reich der Mitte bis nach Deutschland schicken, die im Gegensatz zur Seeverbindung von 30 Tagen nur etwa zwei Wochen brauchen soll. Der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsverkehrs zwischen den rapide wachsenden Millionenstädten soll vorangehen und die Kooperation bei Ausschreibungen in Drittländern. „Großprojekte sind hier eine Selbstverständlichkeit. Da wird es mir zuhause manchmal zu eng“, sagt Ramsauer, deutsche Nabelschau fehl am Platze. Ein Schelm, wer da an Stuttgart denkt.

300 Milliarden Euro für den Westen

Die letzte Station der Asienreise: Urumqi. Die Hauptstadt der Provinz Xinjiang liegt soweit entfernt von allen Ozeanen wie weltweit keine andere. Vor 15 Monaten kamen bei einem Aufstand der muslimischen Uiguren 200 Menschen ums Leben. Nur mühsam hält die chinesische Regierung diese Minderheit im Zaun. Sie will die Region befrieden, in dem sie den wirtschaftlichen Aufschwung auch in den westlichen Landesteilen verordnet. Es ist ein weiterer Anlauf des bewährten KP-Prinzips: Ruhe gegen Wohlstand, diesen bringen soll ein gewaltiges Konjunkturpaketes von rund 300 Milliarden Euro (2,6 Billionen Renmimbi) in den kommenden zehn Jahren.

Xinjiangs Topografie ist geprägt durch Wüsten und Hochgebirge, die unmittelbaren Nachbarn - Russland, Afghanistan, Pakistan, Kasachstan – problematisch. Doch Urumqi liegt an der historischen Seidenstraße, Handelswege und Rohstoffe sollen das Wachstum zurückholen. „Deutsche Unternehmen könnten einen Vorteil haben, weil sie hier zu den ersten gehören“, sagt der Unternehmensberater Ou Song, der deutschen Firmen bei Ausschreibungen in China hilft.

Peter Ramsauer fühlt sich hier als Pionier. Vortritt lassen muss er nur einem. Ein Bundeskanzler namens Helmut Schmidt war mal vor ihm da.

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