EZB-Chef Trichet: Der einsame Euro-Fighter

EZB-Chef Trichet: Der einsame Euro-Fighter

Bild vergrößern

Jean-Claude Trichet

von Elke Pickartz

Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank, kämpft um den Erhalt der Währungsunion – gegen die Wetten der Märkte und die Ratlosigkeit der Politik. Die Zentralbank treibt er an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

Es kommt selten vor, dass Jean-Claude Trichet die Contenance verliert. Kontrollierte Kommunikation ist ein Markenzeichen des obersten europäischen Währungshüters. Oft kommt er dabei recht technisch und trocken daher. Doch in jüngster Zeit brechen immer häufiger Emotionen hervor, die weit jenseits der gewöhnlichen Rhetorik eines Zentralbankers liegen. "Wir Europäer teilen ein gemeinsames Schicksal“, konstatiert der 67-Jährige in diesen Tagen bei vielen Gelegenheiten. Unermüdlich mahnt er Europas Staaten zu mehr Solidarität, fordert einen "Quantensprung“ in der politischen Führungskraft. Europa, sagt er, müsse sich nun auf seine einigenden Werte besinnen: "Tiefe Freundschaft, Frieden und Wohlstand.“ So das Pathos eines Europäers, der die Währungsunion und den Kontinent am Scheideweg sieht.

Stärker in die Bresche

Doch die Finanzmärkte scheren sich nicht um Frieden und Freundschaft. Was zählt, sind Risiko und Rendite. Investoren flüchteten in den vergangenen Tagen ungerührt aus den Staatsanleihen südeuropäischer Länder, trieben deren Renditen nach oben und damit die Kosten der Staaten, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren. Trichet warnte daraufhin am vergangenen Dienstag vor dem Europaparlament, die Märkte sollten die Entschlossenheit Europas in der Schuldenkrise nicht unterschätzen. Europas Politiker, die in dieser Existenzkrise ein orientierungsloses Bild abgeben, konnte er damit kaum gemeint haben. Das dachten zumindest Ökonomen und Finanzmärkte und werteten die vagen Worte als klares Signal, dass die EZB nun deutlich stärker in die Bresche springen will. Einzig ihre Taschen wären jetzt noch groß genug, um das Auseinanderbrechen der Währungsunion aufzuhalten.

Anzeige

Trichet blieb nach der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag vage. Kein Ja, kein Nein, sondern ein Alles-Offen auf die Frage, ob die Währungshüter im größeren Stil Anleihen angeschlagener Euro-Staaten aufkaufen wollen. Das reichte, um die Märkte erst einmal wieder zu beruhigen. Doch über kurz oder lang, glauben Ökonomen, werden die Finanzinvestoren den Druck im Kessel wieder erhöhen und die EZB zwingen, Farbe zu bekennen. Schon jetzt sie sich in der Krise weit aus dem Fenster gehängt – zu weit, sagen ihre Kritiker. Wenn sie nun ihre Schleusen völlig öffne, sei die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht und das Fundament ihrer stabilitätsorientierten Geldpolitik untergraben. Denn wer in Vertretung für die Regierenden Fiskalpolitik betreibe, habe seine Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit verloren.

Europäischer Geist hat gelitten

Viele fragen sich in diesen Tagen, was den obersten Währungshüter antreibt, in dieser Krise solche Risiken auf sich zu laden. Von allen Seiten schlägt ihm Kritik entgegen. In Deutschland beklagen Politiker, Bundesbanker und Medien das Ende der Stabilitätskultur und sehen den Geist der Währungsgemeinschaft durch eine neue Transferunion zerstört. 47 Prozent der Deutschen wollen laut einer aktuellen Emnid-Umfrage die D-Mark zurück. Die Iren sind derweil empört, dass Trichet sie unter den Rettungsschirm gedrängt hat, und sprechen von massiver Einmischung.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%