ThemaEZB

alles zum Thema
_

EZB-Konferenz: Trichet verteilt zum Abschied Milliarden

von Mario Brück

Der scheidende EZB-Chef Jean-Claude Trichet hat bei seiner letzten Pressekonferenz großzügige Finanzspritzen für die Banken angekündigt. Seinem Nachfolger hinterlässt der Franzose eine gewaltige Baustelle.

European Central Bank (ECB) Quelle: REUTERS
European Central Bank (ECB) President Jean-Claude Trichet arrives for a news conference in Berlin October 6, 2011. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: BUSINESS HEADSHOT) Quelle: REUTERS

Es war der letzte und wohl schwerste Gang Jean-Claude Trichets. Am Donnerstag leitete der EZB-Chef ein letztes Mal die Pressekonferenz, bevor er seinen Posten für den Italiener Mario Draghi im November räumen wird. Den Forderungen nach einem Absenken des Leitzinses, dem Warten auf die Rolle rückwärts, setzte der Franzose auch bei seinem letzten Treffen mit der Weltpresse kein Ende. Dass es dazu noch bis zum Ende des Jahres kommen wird, daran haben die Märkte jedoch keine Zweifel. Alle großen Geldinstitute haben ihre Wachstumsaussichten für den Euro-Raum mittlerweile zurückgeschraubt oder erwarten gar eine neue Rezession. 

Anzeige

Da man Trichet vieles vorhalten kann, nicht aber, dass er die Inflation befeuert hat, bleibt ein Zinsschnitt eine der wenigen Optionen, die Trichet geblieben sind, um den drohenden Abschwung zumindest leidlich abzufedern.

Soviel Geld für Banken wie notwendig

Weniger zurückhaltend gab sich Trichet an der Bankenfront. Der EZB-Chef sagte, es würden zwei langfristige Refinanzierungsgeschäfte aufgelegt: eines mit einer Laufzeit von zwölf Monaten im Oktober und ein weiteres mit einer Laufzeit von 13 Monaten im Dezember. Die Banken sollten dabei so viel Geld bekommen, wie sie benötigten. Der sogenannte 12-Monatstender hatte sich bereits in der Finanzkrise als Hilfe bewährt, da sich die Banken wegen des grassierenden Misstrauens untereinander kaum noch Geld liehen. Zudem will die EZB ihre Aufkäufe von „gedeckten Anleihen“ wie zum Beispiel Pfandbriefen wieder aufnehmen – vorgesehen ist dafür ein Kaufvolumen von 40 Milliarden Euro.

Trichets hat am Donnerstag einen leisen Abgang gewählt und die richtungsweisenden Entscheidungen über die Geldpolitik seinem Nachfolger Draghi überlassen.  Und der muss nun handeln. Denn Trichet hinterlässt dem Italiener ein Haus, das nicht nur einer Renovierung bedarf, sondern einer Komplettsanierung. In den acht Jahren mit Trichet an der Bank-Spitze sind die Wände der EZB durch die widersprüchliche Führungspolitik des Franzosen ins Wanken geraten. Noch am Dienstag klagte Trichet, dass die Euro-Zone einen „signifikanten Fortschritt in Richtung politischer Einheit“ machen müsse. Denn, so Trichet, die EZB könne die Verantwortung für die Regierungen der Euro-Staaten nicht übernehmen. Dass unter seiner Ägide in den vergangenen Wochen genau das getan wurde, dass die EZB Anleihen in Milliardenhöhe gekauft hat und auch weiterhin kauft, ließ Trichet unter den Tisch fallen.

Die Notenbank, eine gewaltige Baustelle

Die EZB war als stabilitätsstiftende Prunkzentrale der europäischen Einigung geplant,  nach weniger als einer Dekade Trichet-Regentschaft ist nicht viel mehr übrig geblieben als eine windschiefe Bretterbude. Es wäre unfair, Trichet dafür die Alleinschuld zu geben – nicht als Architekt und nicht als Hauseigentümer, sondern als Hausmeister war er gesetzt. Doch diese Rolle umfasst nicht allein die Interessenvertretung gegenüber den Hauseigentümern, sondern auch gegenüber den Bewohnern. Die EZB hat in den vergangenen Monaten Schuldverschreibungen von Krisenstaaten in Höhe von fast 200 Milliarden Euro auf ihre Bücher genommen, damit diese in den Bilanzen von Griechenland, Italien oder Spanien nicht länger stören.

Abgesehen von lauen Brandbriefen an die italienische Regierung oder gelegentliches Aufbegehren gegen die Aufweichungen des Stabilitäts- und Wachstumspakt, hat man in Frankfurt die Suppe ausgelöffelt, die man von Brüssel vorgesetzt bekam. Auch dann, wenn sich selbst das Personal im eigenen Haus über die zahlreichen Haare in der Suppe echauffierte. Den Abgang von Axel Weber nahm Trichet mit dem gleichen Achselzucken hin, wie das spätere Ausscheiden von Jürgen Stark.  Wer es schlecht meint mit dem Franzosen könnte sagen, dass er die Notenbank zur gigantischen Bad Bank umgebaut hat.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.10.2011, 08:57 UhrAnonymer Benutzer: Nach

    DSK, Madoff, wieder einer dieser Aschfahlen die iGottes Werk verrichten tritt viel gepreist nach getaner Pflicht
    ins Glied zurück. Man hat ihm zu danken.

  • 07.10.2011, 08:47 UhrAnonymer Benutzer: Max

    "Die banken sollten dabei so viel Geld bekommen, wie sie benötigten." Dann kann im Casino ja ohne Risiko weitergespielt werden. Soetwas nennt man wohl systemrelevantes Glücksspiel. Verlieren ist dabei unmöglich!

  • 07.10.2011, 07:50 UhrAnonymer Benutzer: GANZ eng im SCHAFSPELZ :)

    Staatsdirigistisch konsequent mit Notenbank-Konfettikanone zur "bankenreakpitalisierung" verabschiedet sich Trichet wie zu erwarten war, und Draghi wird bald auch EZb-Zinsen in "Krisenmodus" versetzen, so dass endlich wieder weltweit einheitlich hyperinflatorische Zentralbankkohle unbegrenzt und gratis für jeden geblasen wird, der nicht früh genug auf baum sitzt!

    So werden wahrlich bald "alle Menschen brüder", allerdings zu 99% zukünftig für Generationen nur im 3/4 Takt beim Schuldenabtragen und der letzlich unabwendbaren Enteignung durch Hyperinflation und/oder Währungsschnitt wie 1923/1948!

    Aber was tut man nicht, um als "großer Europäer" bedingungslos in Geschichtsbücher einzugehen!
    Das vielleicht um so mehr bei weiter unangetasteten 30 biLLiONEN EU-bANKEN-AKTiVA und statt dessen nach barroso "durch Steuerzahler" seit 2007 an EU-banken ausgeschenkten 4.600 Mrd Euro (50% EU-biP)!

    Wenn es darauf ankam, hat Trichet unter politischem Druck in wochenfrist EZb zur Hurre der EU-Politnomenklatura gemacht und alle Grundsätze weggeworfen!
    Über die damit verbundenen Vertrags-/Statuten-/Rechtsbrüche wird noch bald zu reden sein!

    Und nun sind wir alle auf dem siebenten Pfad des Nirvana zum vollkomenen Glück, denn EZb-Zukunft ist bald "golden" dank dem Ex-Goldman Sachs Vize-Vorsitzenden und investmentbanker Draghi! Und auf aktuelle "banken-Rekapitalisierung" versessenen Frau Lagarde (lt. Wikipedia als Ex-Wirtschaftsanwältin der US-Kanzlei "baker & McKenzie" und langjährige Vorsitzende der kanzleieigenen "Global Strategy Committee" und Ex-Mitglied der US-regierungsnahen Denkfabrik "Center for Strategic and international Studies"), welche mit großen US-begeisterung sofort nach "befreundeten Einkerkerung" von Stauss-Kahn auf den iWF-Chefposten befördert wurde :-)

    "bad reality" wie bei Pate i-iV Filmen zusammen!
    Langsam wird es im gemeinsamen Schafspelz für "unsere" Politiker und ihre im "Krisenmodus" tieffliegenden Paladine mächtig eng!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.