Fed: Niedrigzinsen ohne Ende

KommentarFed: Niedrigzinsen ohne Ende

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Fed-Chefin Yellen hat keine Eile bei der Zinserhöhung.

von Malte Fischer

Die US-Notenbank Fed wird ihre Leitzinsen länger niedrig halten als bisher erwartet. Das setzt die EZB unter Druck, ihre Geldpolitik noch stärker zu lockern. Der globale Währungskrieg geht in die nächste Runde.

Zwei Mal im Jahr steht Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank Fed, den Abgeordneten und Senatoren des US-Kongresses Rede und Antwort zur Geldpolitik der wichtigsten Notenbank der Welt. Dann halten die Teilnehmer an den Börsen den Atem an. Auch an diesem Dienstag hörten sie genau hin, was Yellen zur Geldpolitik zu sagen hatte. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die oberste Währungshüterin Amerikas Hinweise darauf gibt, dass die Notenbank - wie erwartet - Mitte dieses Jahres die Leitzinsen von derzeit knapp Null Prozent anzuheben gedenkt. Doch Yellen legte sich nicht fest. Sie verwies darauf, dass die Fed bei Leitzinserhöhungen geduldig vorgehen werde. Im Klartext heißt das: Bei den nächsten Treffen wird es keine Zinserhöhung geben.


Auch wenn die Notenbanker das Schlüsselwort „geduldig“ in ihren Statements demnächst fallen lassen, heiße dies nicht, dass sie auf den folgenden Treffen an der Zinsschraube drehten. Der verbale Eiertanz von Yellen zeigt vor allem Eines: Amerikas oberste Notenbankerin bekommt kalte Füße bei dem Gedanken an eine baldige Zinserhöhung. Die wegen der der rückläufigen Energiepreise sinkenden Teuerungsraten und die trotz der kräftigen Beschäftigungszuwächse vergleichsweise moderaten Lohnsteigerungen bieten Yellen willkommene Argumente, um die Zinserhöhung fürs Erste abzublasen. An den Finanzmärkten haben die Experten ihre Meinung daher bereits geändert. Derzeit rechnen nur noch 19 Prozent damit, dass Yellen im Juni zur Tat schreitet und die Geldbeschaffungskosten für die Geschäftsbanken erhöht.

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Der Grund für die Zurückhaltung der Fed liegt vor allem in der Politik der anderen großen Notenbanken. Rund um den Globus haben die Zentralbanken in den vergangenen Wochen die Leitzinsen gesenkt oder andere Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik beschlossen. Ihr Ziel ist es, die eigene Währung abzuwerten. Das soll die Importe verteuern und dem energiepreisbedingten Rückgang der Inflationsraten entgegenwirken. Zudem soll die Abwertung die heimischen Exporte verbilligen und den Unternehmen helfen, Marktanteile auf den Weltmärkten zu gewinnen. Schwämme die Fed gegen den Strom und erhöhte als einzige große Notenbank die Leitzinsen, käme es zu einem massiven Kapitalzufluss nach Amerika, was den Dollar verteuerte. Das bremste die US-Exporte und damit die Konjunktur.

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Dazu kommt: Ein großer Teil des Fracking-Booms in Amerika beruht auf den ultraniedrigen Finanzierungskosten. Viele Projekte in diesem Sektor sind nur rentabel, weil sich die Unternehmen über die Ausgabe von Hochrisikoanleihen zu niedrigen Zinsen Geld für ihre Bohraktivitäten leihen konnten. Steigen die Zinsen und mit ihnen die Refinanzierungskosten, werden viele Investitionsprojekte unrentabel, der Fracking-Boom kollabiert. Die Fed dürfte es sich daher drei Mal überlegen, ob sie die Zinsen erhöht.


Bleibt die US-Geldpolitik auf Expansionskurs, schwächt dies den Dollar. Aus der von der EZB angestrebten Abwertung des Euro gegenüber dem Greenback wird dann nichts - es sein denn, die EZB lockert die Geldpolitik noch aggressiver als bisher angekündigt und kauft noch mehr Wertpapiere an. Das aber würde die Notenbanken anderer Länder unter Zugzwang setzen, ihre Geldpolitik ebenfalls zu lockern. Die nächste Runde im weltweiten Währungskrieg wäre eröffnet – und aus der Finanzkrise würde endgültig eine Krise des Geldsystems.

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