Finanzkrise: China: Zwischen Hunger und Wachstum

Finanzkrise: China: Zwischen Hunger und Wachstum

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A migrant worker pushes a wheelbarrow at a construction site in outskirts of Shanghai March 5, 2009. China expects to achieve 8 percent economic growth this year, Premier Wen Jiabao told the National People's Congress, the country's rubber stamp parliament, on Thursday. REUTERS/Aly Song (CHINA)

Chinas Regierung spricht mit gespaltener Zunge: Regierungschef Wen Jiabao und seine Wirtschaftsplaner rechnen mit einer wirtschaftlichen Erholung und hohen Wachstumsraten. Der Vize-Agrarminister warnt dagegen vor einer Lebensmittelknappheit.

Die chinesische Regierung sieht erste Zeichen für eine mögliche Erholung der Wirtschaft. Trotzdem stellt sie sich auf weitere Konjunkturspritzen ein. Die höchsten chinesischen Finanz- und Wirtschaftsplaner gaben sich auf einer Pressekonferenz anlässlich der Tagung des Volkskongresses in Peking demonstrativ optimistisch. „Es gibt bereits Zeichen für eine Erholung, darunter ein Wiederaufschwung im Konsum, bei den Investitionen und einigen Produktpreisen“, sagte Zhang Ping, der Vorsitzende der Entwicklungs- und Reformkommission. Ob es weitere Konjunkturhilfen geben werde, hänge von der Entwicklung der globalen Wirtschaftskrise ab.

Zentralbankchef Zhou Xiaochuan bekräftigte die Politik, den Wechselkurs des Yuan „grundsätzlich stabil auf einem angemessenen und ausgeglichenen Niveau“ zu halten. Die Währungspolitik müsse nicht geändert werden, sagte der oberste chinesische Banker. China habe „verschiedene Pläne“ für den Fall, dass sich die Finanzkrise weiter negativ auswirke. In einem indirekten Hinweis auf die USA sprach er von großer Unsicherheit über die Entwicklung in den Ländern, in denen die Krise ihren Ursprung genommen habe. China habe aber von Fehlern anderer gelernt und werde nicht zögern, sondern schnell und energisch reagieren, betonte Zhou Xiaochuan.

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Das im November auf den Weg gebrachte Konjunkturprogramm von umgerechnet mehr als 400 Milliarden Euro zeige bereits Ergebnisse, sagte der Zentralbankchef. „Wir sehen, dass sich wirtschaftliche Zahlen stabilisieren und erholen.“ Das beweise, dass die Konjunkturpolitik funktioniere, sagte Zhou Xiaochuan.

Sehr optimistische Wachstumsprognose

Dagegen zeigt der Außenhandel noch keine Anzeichen einer Erholung. Die Wirtschaftszeitung „21 Shiji Jingji Baodao“ (21st Century Business Herald) zitierte Experten, die für Februar einen Rückgang der Exporte und Importe um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vorhersagen. Es wäre der vierte monatliche Einbruch in Folge. Im Januar waren die Exporte um 17,5 Prozent gefallen, während die Importe sogar um 43,1 Prozent eingebrochen waren. China importiert viele Güter, die für den Export von Waren weiterverarbeitet werden. Optimismus schöpften Beobachter hingegen aus dem Einkaufsleiter-Index (PMI), der sich im Februar wieder besser entwickelte.

Finanzminister Xie Xuren verteidigte das höchste Defizit seit Gründung der Volksrepublik vor 60 Jahren, das mit weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf einem „sicheren Niveau“ liege. Mit dem neuen Haushalt, der massive Staatsausgaben zur Bewältigung der Krise vorsieht, werde eine solide Grundlage für vergleichsweise schnelles Wachstum gelegt.

Trotz der Krise hatte sich Chinas Regierungschef Wen Jiabao gestern vor dem Volkskongress zuversichtlich gezeigt, „rund acht Prozent“ Wirtschaftswachstum zu erreichen. Doch sahen Beobachter darin vor allem Zweckoptimismus. Schon in den Vorjahren waren seine Wachstumsziele immer weit von der Realität entfernt und spiegelten eher das Wunschziel der Regierung wider. Die bisherigen Schätzungen der Weltbank und anderer Experten reichen von fünf bis maximal sieben Prozent Wachstum in diesem Jahr, was für ein Schwellenland wie China nicht ausreicht, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen. Bereits zum Jahresende 2008 lag das Wachstum nur noch bei 6,8 Prozent - noch im Frühjahr waren es über zehn Prozent.

Lebensmittelknappheit infolge der Finanzkrise

Das chinesische Agrarministerium verkündete denn auch eine ganz andere Botschaft als der Regierungschef: In den ärmsten Gebieten des Landes drohe eine Lebensmittelknappheit. Der Kampf gegen die Armut sei ins Stocken geraten, die Not in viele Gebiete zurückgekehrt, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua den Vize-Agrarminister Fan Xiaojiang. Der Gouverneur der Erdbeben-Provinz Sichuan beklagte zudem ausbleibende finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau und eine galoppierende Arbeitslosigkeit.

Da tausende Fabriken insbesondere in der Exportindustrie geschlossen wurden,  haben nach amtlichen Schätzungen in China rund 20 Millionen Wanderarbeiter ihre Stelle verloren. Auch die Flaute in der Baubranche kostete Arbeitsplätze. Verschärft wird die Lage zudem dadurch, dass dieses Jahr rund sechs Millionen Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt drängen.

In der chinesischen Regierung gibt es Befürchtungen, dass die hohe Zahl von Arbeitslosen soziale Unruhen auslösen könnte. Zum Teil gab es bereits Proteste. Wen Jiabao sprach die Gefahr von Unruhen in seiner Rede vor dem Volkskongress aber nicht an.

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