Finanzkrise: Crash verursacht Hunger und Armut

Finanzkrise: Crash verursacht Hunger und Armut

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Euro Finance Week in Frankfurt: Weltbankpräsident Robert Zoellick und die Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)

Weltbank und Vereinte Nationen schlagen Alarm: Die Finanzkrise stürzt weltweit Millionen Menschen in Existenznot. Gerade die ärmsten Länder, die bereits unter dem Lebensmittel- und Energiepreisboom leiden, trifft die Wirtschaftsflaute hart. Die Europäische Union debattiert daher heute über eine Sonderhilfe von einer Milliarde Euro gegen den Hunger.

Wenn Robert Zoellick in einem Western mitspielen würde, käme der hagere blonde Amerikaner mit dem strengen Scheitel und dem sorgfältig gestutzten Schnurrbart eher für eine Rolle als Kavalleriehauptmann infrage als für die eines rowdyhaften Cowboys. Nun ist Zoellick nicht Schauspieler, sondern Weltbankchef. Aber sein gestriger Auftritt beim Bankengipfel Euro Finance Week wirkte so, als sei bei den Finanzcowboys der Banken die Kavallerie aufgetaucht, um für Ordnung zu sorgen. Schluss mit den Debatten über Milliardenverluste und Milliarden-Rettungspaketen für die Banken, hieß die Botschaft: Wir müssen die Welt wieder in Ordnung bringen.

"Wir sind mitten in einer Krise, wie sie noch keiner von uns erlebt hat. Dabei müssen wir uns vergegenwärtigen, dass es die ärmsten Länder sind, die sich am wenigsten auf die Krise einstellen können", sagte Zoellick. Zurerst habe diese Länder die Nahrungsmittel- und Kraftstoffkrise getroffen - also die Preisexplosion bei Lebensmitteln und Energie - , jetzt stünden die weniger entwickelten Staaten einer noch schwereren Krise gegenüber, für die sie nichts könnten: der Finanzkrise.

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Doch das könnte noch nicht die schlimmste Krise gewesen sein.  "Um eine humanitäre Krise zu verhindern, müssen wir mehr tun als bisher", warnte Zoellick, und schloss eine für Frankfurts Banker nicht gerade schmeichelhafte Bemerkung an: "Die Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ist nur ein Tropfen im Ozean verglichen mit dem Geld, das für das Finanzsystem ausgegeben wird."

Brüssel streitet über Notfallhilfe

Die Krise habe weltweit bereits weitere 100 Millionen Menschen in die Armut gestürzt, definiert als tägliches Einkommen von weniger als einem Dollar, sagt Josette Sheeran. Die Chefin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen hat wenig Verständnis über die Art, wie derzeit über die Finanzkrise debattiert wird. "Wir sollten uns nicht nur Sorgen darüber machen, ob die Rettungsaktionen den Bankern an der Wall Street oder den Normalbürgern auf der Main Street helfen, sondern uns Sorgen um die Orte machen, an denen es überhaupt keine Straßen gibt", sagte die seit 2006 amtierende Sheeran.

Die Lebensmittelpreise seien heute in den meisten armen Ländern 20 Prozent höher als vor einem Jahr. Eine schwere Last für die dort lebenden Menschen - die ärmsten geben rund die Hälfte ihres Einkommens für Nahrung aus. Dazu komen die Energiepreise, die trotz des jüngsten Rückgangs beim New Yorker Terminmarktpreis für Öl für Verbraucher in vielen Entwicklungsländern noch nicht wieder stark gefallen sind.  "Wir brauchen nicht nur eine finanzielle Rettungsaktion, sondern auch eine humanitäre", fordert Sheeran.

Wegen der Preisexplosion bei Lebensmitteln wurde der Etat der UN-Organisation für 2008 verdoppelt, um bei den größten aktuen Notständen einzugreifen. Damit versorg das Welternährungsprogramm im laufenden Jahr 90 Millionen Menschen in 80 Ländern. Allerdings hat Sheeran von den für das laufende Jahr verplanten sechs Milliarden Dollar wenige Wochen vor Jahresende erst 4,5 Milliarden erhalten.

Jetzt hofft die Amerikanerin auf die Europäische Union (EU). Der EU-Rat debattiert heute darüber, ob die Gemeinschaft eine Milliarde Euro für die internationale Hungerhilfe bereitstellt.

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso Quelle: rtr

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso beugt sich beim Anti-Diskriminierungsgesetz dem Druck des konservativen Lagers aus Deutschland

Bild: rtr

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hatte vorgeschlagen, noch nicht benutzte Agrarmittel dafür zu verwenden - was Staaten wie Deutschland jedoch ablehnten. Das EU-Parlament unterstützt jedoch den Vorschlag Barrosos und übt nun seinerseits Druck auf die Mitgliedsländer aus. Das Parlament droht, dass es keine Einigung zum Haushalt 2009 geben wird, wenn die EU-Staaten die Milliarde nicht aus Gemeinschaftsmitteln hergeben.  

Damit könnte die EU eine Schmach tilgen: Gegenwärtig liegen Gemeinschaft und Mitgliedsstaaten in der Liste der Geber für das Welternährungsprogramm nur noch auf Rang drei - hinter den USA, aber auch hinter Saudi-Arabien, die 500 Millionen Dollar für den Kampf gegen Unterernährung bereitgestellt haben.

Und überhaupt findet Sheeran: "Das hier kostet nicht so viel, verglichen mit den Billionen von Dollar, die zur Stabilisierung des Finanzsystems auf den Tisch gelegt wurden." Mit dem Argument könnte sie vielleicht auch bei den Brüsseler Vertretern der EU-Mitgliedsstaaten überzeugen - zum Beispiel die Deutschen.  Die Berliner Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat die Amerikanerin gestern in Frankfurt bereits auf ihre Seite gebracht: "Ich hoffe, dass die Europäische Union morgen beschließt, eine Milliarde Euro für die Armutsbekämpfung freizugeben", lässt die Bundesministerin wissen.

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