Finanzkrise: Island gerät immer stärker in Bedrängnis

Finanzkrise: Island gerät immer stärker in Bedrängnis

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Der isländische Premierminister Geir H. Haarde gerät wegen des Finanzchaos auf seiner Insel immer weiter unter Druck

Für Island kommt es immer dicker. Nicht nur, dass der nordeuropäische Zwergstaat vor dem Staatsbankrott steht, es steigt auch der Druck mehrerer europäischer Staaten auf die Inselrepublik. Derweil geht dort das Chaos weiter. Auch deutsche Anleger könnten vom Finanzchaos in Europas Norden betroffen sein.

Islands Regierung hat heute die zweite große Bank in dieser Woche verstaatlicht.

Die Behörden übernehmen die vollständige Kontrolle über die landesweit drittgrößte Bank Glitnir, wie die Finanzaufsicht in Reykjavik mitteilte.

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Die zweitgrößte Bank Landsbanki war bereits am Vortag verstaatlicht worden. Auch die größte Bank Islands strauchelt: Die schwedische Nationalbank gewährte der Kaupthing, die seit einigen Monaten auch auf dem deutschen Privatkundenmarkt aktiv ist, einen Kredit über fünf Milliarden Kronen (500 Millionen Euro). Kaupthing wird noch in privater Regie geführt. Derweil gehen die europäischen Partnerstaaten zunehmend härter gegen die Isländer vor. Sowohl Großbritannien als auch die Niederlanden attackierten Island heute scharf. Niederländischen Behörden haben die Guthaben der isländischen Online-Bank Icesave beschlagnahmt. Das staatliche Inkasso-Büro NIB forderte Icesave Nederland – die niederländische Sparte der zur isländischen Pleite-Bank Landsbanki gehörenden Internet-Firma – die Guthaben in den Niederlanden freizustellen. Nach Angaben von NIB-Direktor Maarten van der Donk hatte Icesave den Kunden in den Niederlanden, Großbritannien und anderen europäischen Ländern noch bis Dienstagnachmittag wider besseren Wissens auf der Website versichert, liquide und kreditwürdig zu sein. „Davon war längst kein Wort mehr wahr“, erklärte Van der Donk. Zu dem Zeitpunkt hätten Sparer bereits keinerlei Transaktionen mehr bei der Online-Bank vornehmen können. Deutschland war davon offenbar nicht betroffen.

Russland gewährt jetzt doch Milliarden-Kredit

Die Guthaben von Icesave in den Niederlanden sind allerdings nach Schätzungen von NIB mit rund 250.000 Euro nur ein geringer Teil der Verbindlichkeiten. Die weitaus meisten Kunden der Online-Bank in den Niederlanden sowie anderen Ländern könnten nur darauf hoffen, dass sie am Ende eines langwierigen Inkasso-Verfahrens durch den isländischen Staat wenigstens teilweise entschädigt werden.

Die britische Regierung will wegen der Vorfälle bei Icesave rechtliche Schritte gegen Island ergreifen. Premierminister Gordon Brown sagte, Großbritannien werde gegen die isländischen Behörden vorgehen, um die Einlagen von Kunden bei der britischen Landsbanki-Tochter freizubekommen. Brown sagte, die Regierung werde zeigen, dass sie zu jenen stehe, die in Großbritannien sparen. Dabei soll es auch um Summen gehen, die über 50.000 britische Pfung hinausgehen.  Deutsche Privatanleger sind von Icesave offenbar nicht betroffen.

Anders ist das im Fall Kaupthing. Die größte isländische Bank ist seit einigen Monaten vor allem mit hochzinsigen Tagesgeldangeboten auf dem deutschen Privatkundenmarkt aktiv.

Allerdings gehört Kaupthing nicht dem Einlagensicherungsfonds des deutschen Bankenverbandes an. Stattdessen sind deutsche Kaupthing-Kunden über den isländischen Einlagensicherungsfonds geschützt.

Der sichert Einlagen allerdings nur bis zu einer Höhe von 20.887 Euro. Ansprüche müssen deutsche Kunden zudem im Fall einer Pleite der Bank in Island anmelden. Bei den meisten deutschen Instituten sind statt der gesetzlich vorgeschriebenen 20.000 Euro Einlagen bis zu 1,5 Millionen Euro sicher. Derzeit gibt es dafür aber noch keinen Anlass. Der Geschäftsbetrieb läuft nach Angaben eines Bank-Sprechers nach Auszahlung des schwedischen Kredits ganz normal weiter.

Stabilität für das eigenen Finanzsystem erhoffen sich die Isländer weiter aus Russland. Bereits am Dienstag hatte es Verwirrung um einen Kredit der russischen Regierung in Höhe von vier Milliarden Euro gegeben. Während die isländische Zentralbank den Kredit als schon vereinbar bezeichnete, bestritt Russland überhaupt entsprechende Kontakte zur Regierung des Nato-Mitgliedsstaates Island.

Heute erklärte der russische Finanzminister Alexej Kudrin dann, die Anfrage sei mittlerweile in seinem Haus eingegangen. Er werde den Kredit vermutlich gewähren. „Island ist für seine strenge Haushaltsdisziplin bekannt“, sagt er laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Der Kredit soll die Landeswährung stabilisieren. Sie hat in einem Jahr drei Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren. Ministerpräsident Geir Haarde hatte Anfang der Woche einen „Staatsbankrott“ als „sehr reelle“ Gefahr für die Inselrepublik mit gut 300.000 Einwohnern eingestuft

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