Finanzkrise: IWF: Abschreibungen von vier Billionen Dollar

Finanzkrise: IWF: Abschreibungen von vier Billionen Dollar

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IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält die weltweite Finanzkrise trotz einzelner Anzeichen für eine Stabilisierung für noch lange nicht überwunden. Die Lage bleibe gespannt und die Krise habe sich verbreitert, hieß es im heute veröffentlichten IWF-Bericht zur weltweiten Finanzstabilität.

Demnach könne der weltweite Abschreibungsbedarf auf Risikopapiere rund vier Billionen Dollar (3,09 Billionen Euro) erreichen, von denen zwei Drittel bei Banken auflaufen dürften. Damit erhöhen sich die Abschreibungen auf Ramschpapiere und faule Kredite bis Ende 2010 dramatisch, wie es im jüngsten IWF-Bericht zur Stabilität der Finanzmärkte heißt. Es dürften beinahe doppelt so viel sein, als bisher angenommen.

Die Schätzungen umfassen laut IWF Vermögenswerte aus den USA, Europa und Japan. Die Verluste alleine durch US-Papiere und Kredite bezifferte der Weltwährungsfonds auf 2,7 Billionen Dollar, rund 500 Milliarden mehr als noch im Januar. Aus Europa stammende Ramschpapiere und Darlehen könnten Abschreibungen in Höhe von 1,2 Billionen Dollar nach sich ziehen. Bislang hatte der IWF nur Vermögenswerte aus den USA betrachtet.

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Japan komme mit Vermögenswerten in Höhe von 149 Milliarden Dollar dazu. Etwa ein Drittel der auf 4,1 Billionen Dollar geschätzten Verlusten sei bereits abgeschrieben, der Rest stehe noch aus, sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals. Der US-Markt sei weiter fortgeschritten als der europäische, weil die Krise in den USA begonnen habe. Sollte die wirtschaftliche Erholung besser vorankommen als erwartet, könnte sich die Zahl aber als zu hoch erweisen.

Viñals betonte, dass die bislang unternommenen „beispiellosen Schritte“ im Kampf gegen die Krise „allmählich beginnen, das Vertrauen wiederherzustellen“. Allerdings seine weitere „entschlossene“ Maßnahmen nötig, um die Unsicherheit in den Finanzmärkten zu tilgen. Dazu zählt der IWF indes auch eine vorübergehende Verstaatlichung von Banken, wo dies nötig und sinnvoll ist. „Es gibt einige positive Neuigkeiten. Aber wir sind noch nicht über den Berg“, bilanzierte IWF-Ökonom Jan Brockmeijer.

Der IWF mahnt zugleich die Schaffungen von sogenannten Bad Banks an, mit deren Hilfe faule Papiere aus den Bilanzen der Banken gestrichen würden. Solange dies nicht geschieht und dies nicht, wo nötig, durch Umstrukturierungen und frisches Kapital begleitet wird, werden die Probleme der Banken die Wirtschaft weiter belasten, heißt es in der Studie. Zugleich warnte der Weltwährungsfonds aber vor einer ausufernder Staatsverschuldung durch Maßnahmen im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise.

Weltwirtschaft schrumpft

Immerhin sieht der Fonds als Resultat der Hilfeprogramme einige Frühzeichen der Stabilisierung. Allerdings bedürfe es weiterer entschiedener, effektiver und international koordinierter politischer Maßnahmen, um diese Besserungstendenzen zu stärken.

Die zentrale Herausforderung sei, die Abwärtsspirale von Finanzmarktkrise und Wirtschaftskrise zu durchbrechen. Der Fonds unterstrich die Notwendigkeit, bei aller Unterschiedlichkeit der Maßnahmen international koordiniert vorzugehen.

Zugleich warnte der Weltwährungsfonds aber vor einer ausufernder Staatsverschuldung durch Maßnahmen im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise. Aber auch wenn notwendige Schritte schnell und wirksam umgesetzt werden, erwartet der Fonds nur eine allmähliche Erholung. Der begonnene Prozess des Schuldenabbaus werde „langsam und schmerzhaft, prognostiziert der Weltwährungsfonds. Der Zuwachs bei der Kreditvergabe in den USA, Großbritannien und der Eurozone werde in der Folge auf kurze schrumpfen, eventuell sogar negativ werden und sich voraussichtlich erst in einigen Jahren erholen.

IWF und Weltbank kommen an diesem Wochenende zu ihrer traditionellen Frühjahrstagung zusammen. Morgen legt der Weltwährungsfonds Einzelheiten zu seinem jüngsten globalen Konjunkturausblick vor. Der IWF rechnet damit, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr zum ersten Mal seit 60 Jahren schrumpfen wird. Der Fonds rechnet mit einem Minus zwischen 0,5 und einem Prozent. Für die Eurozone wird Einbruch um 3,2 Prozent erwartet, in den USA um 2,6 Prozent. Allerdings soll es 2010 schon wieder aufwärtsgehen: Für das kommende Jahr sagt der Weltwährungsfonds ein globales Plus zwischen 1,5 und 2,5 Prozent voraus.

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