Finanzmarkt: Umschuldung Griechenlands rückt näher

Finanzmarkt: Umschuldung Griechenlands rückt näher

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Eine griechische Euromünze

Viele Experten halten einen harten Schnitt bei den griechischen Schulden für die beste Lösung. Ein solcher haircut wird immer wahrscheinlicher.

Wird Griechenland zum Fukushima der Finanzmärkte? Vergangene Woche kam heraus, dass das hellenische Haushaltsdefizit 2010 nicht wie angenommen bei 9,6 Prozent, sondern bei 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lag. In homöopathischen Dosen dringt durch, was Ökonomen schon immer befürchtet hatten, aber von Politikern öffentlich stets abgestritten wurde: Ein Mitglied der Euro-Zone könnte pleitegehen.

„Die Griechen sollten besser früher als später mit der Umschuldung beginnen“, fordert Lars Feld, Mitglied des Sachverständigenrats. Zuvor hatten bereits Finanzminister Wolfgang Schäuble und Staatsminister Werner Hoyer Gerüchte über eine Umschuldung befeuert. „Die Politik beginnt, die Restrukturierung vorzubereiten“, sagt ein hochrangiger Finanzmarktexperte.

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Doch wie könnte eine solche Restrukturierung aussehen? Eine Lösung, die politisch leicht durchsetzbar ist und die deshalb viele favorisieren, ist ein Schuldenaufschub. Das würde bedeuten, dass sich die Laufzeit der Staatsanleihen um vier bis sechs Jahre verlängert. Griechenland würde auf diese Weise Zeit gewinnen und könnte den Haushalt weniger schmerzvoll und über einige Jahre hinweg konsolidieren.

Experten wollen Haircut um 50 Prozent

Kurs einer zehnjährigen griechischen Staatsanleihe in Euro

Kurs einer zehnjährigen griechischen Staatsanleihe in Euro

Ein historisches Beispiel für diese Strategie ist Uruguay. 2003 tauschte das lateinamerikanische Land alle emittierten Bonds gegen neue Papiere mit demselben Kupon, aber einer um fünf Jahre verlängerten Laufzeit um. Das reduzierte die reale Schuldenlast um 15 Prozent. Uruguay konnte sich schon wenig später wieder am Kapitalmarkt refinanzieren.

Doch Griechenland ist nicht Uruguay. Die Hellenen haben schlicht zu viel Schulden. Bis Ende 2012 könnte der Schuldenberg auf bis zu 160 Prozent des BIPs steigen, er wäre dann fast doppelt so hoch wie in Uruguay 2003. „Griechenland könnte die Laufzeiten seiner Bonds um 30 Jahre verlängern, es würde dennoch nichts helfen“, so das pessimistische Urteil eines Frankfurter Händlers. Viele plädieren daher nun hinter verschlossenen Türen für einen Haircut um 50 Prozent.

Deutsche Banken involviert

Insgesamt schuldet Griechenland privaten und öffentlichen Gläubigern 340 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon lagern bei Banken, Investmentgesellschaften, Versicherern und Privatanlegern. Eine Umschuldung würde vor allem griechische Banken treffen. Aber auch in den Bilanzen deutscher Geldhäuser schlummern Forderungen in Höhe von 26,3 Milliarden Euro. Unklar ist, welches Institut den Löwenanteil der Papiere in den Büchern hat: Deutsche Bank und Postbank sind mit 1,6 Milliarden Euro riskant in Griechenland-Anleihen investiert, bei der Commerzbank sind es drei Milliarden, die HRE kommt auf 7,8 Milliarden, die KfW hat einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag an Griechen-Bonds im Depot. Gerüchten zufolge liegen die übrigen Papiere bei den Landesbanken. Das könnte den bisherigen Unwillen der deutschen Politik erklären, die Griechen fallen zu lassen.

Doch während nun der Widerstand der Politik gegen eine Umschuldung bröckelt, gibt sich eine wichtige Institution unerbittlich – die Europäische Zentralbank (EZB). Direktoriumsmitglied Jürgen Stark warnt, die Umschuldung eines Euro-Mitglieds könnte schlimmere Folgen haben als die Lehman-Pleite. Die Warnung der EZB ist allerdings nicht ganz uneigennützig: Sie hat während der Krise selber griechische Staatsanleihen im Umfang von rund 50 Milliarden Euro aufgekauft.

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