Finanzminister Venizelos: „Jetzt ziehe ich in den richtigen Krieg“

Finanzminister Venizelos: „Jetzt ziehe ich in den richtigen Krieg“

, aktualisiert 05. November 2011, 12:36 Uhr
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Griechenlands Finanzminister Venizelos.

von Gerd HöhlerQuelle:Handelsblatt Online

Ein heller Kopf, scharfsinniger Analytiker und scharfzüngiger Redner: Griechenlands Finanzminister Venizelos scheut das offene Wort nicht und könnte das Land durch die Krise führen – als nächster Ministerpräsident.

AthenWenn das griechische Parlament die Vertrauensfrage einer Regierung debattiert, geht als letzter Redner der Ministerpräsident ans Pult. So will es die Tradition. In der Nacht zum Samstag wurde in Athen mit dieser Tradition gebrochen. Bevor das Schicksalsvotum begann, sprach als letzter Finanzminister und Vizepremier Evangelos Venizelos. Das war ein Signal.

Giorgos Papandreou hat das Vertrauensvotum noch einmal gewonnen, aber mehr als einen ehrenvollen Abgang bedeutet das nicht. Die Blicke in Griechenland richten sich jetzt auf Venizelos. Er soll es richten, meinen viele – als nächster Ministerpräsident.

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Als Papandreou ihn im Juni zum Finanzminister berief, zögerte Venizelos zunächst. Er wusste: der Sessel des Ministerbüros im 6. Stock des Finanzministeriums am Athener Syntagmaplatz ist ein elektrischer Stuhl, ein Schleudersitz. Beliebt macht man sich in diesem Amt nicht. Die Vermutung, Papandreou wolle seinen alten innerparteilichen Rivalen auf diese Weise verschleißen, drängte sich auf. 2007 hatte Venizelos sich um den Parteivorsitz der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) beworben, war aber in einer Urwahl Papandreou unterlegen. Dass Venizelos dennoch die Berufung zum Finanzminister akzeptierte, begründete er mit „patriotischem Pflichtgefühl“.

Er opfere seine eigene politische Zukunft den Interessen des Landes, erklärte er erst kürzlich. Dass er in Personalunion Vizepremier wurde, war im Juni seine Bedingung. Davon erhoffte er  sich die nötige Autorität, die ein griechischer Finanzminister in dieser Krisensituation braucht. Zuvor war er Verteidigungsminister gewesen. „Jetzt ziehe ich in den richtigen Krieg“, sagte Venizelos beim Wechsel ins Finanzressort – und das meinte er ernst.


"Nach dem Höhepunkt des Dramas kommt die Erlösung"

Jetzt muss er an die Front. Venizelos wird als Nachfolger Papandreous und Chef einer Koalitionsregierung gehandelt. Er ist kein typischer griechischer Berufspolitiker. Der 54-jährige Professor für Verfassungsrecht aus dem nordgriechischen Thessaloniki kam erst relativ spät in die Politik: 1993 wurde er ins Parlament gewählt. Papandreous Vater Andreas, der damals das Land regierte, machte ihn zum Regierungssprecher. Im Kabinett von Giorgos Papandreou amtierte er als Justizminister, bevor er das Verteidigungs- und vor vier Monaten schließlich das Finanzressort übernahm.

Für das Amt des Regierungschefs bringt Venizelos gute Voraussetzungen mit. Der bullige Zwei-Meter-Mann gilt als durchsetzungsfähig und überzeugungsstark. In die ihm anfangs fremde Finanzmaterie hat sich der Jurist seit dem  Sommer erstaunlich schnell eingearbeitet. Für die Kennzahlen der griechischen Krise braucht er keinen Spickzettel mehr. Venizelos, der unter anderem in Paris studierte, ist ein heller Kopf, ein scharfsinniger Analytiker und ein scharfzüngiger Redner. Am Freitagabend legte er den Abgeordneten im Parlament in konzentrierter Form eines Zehn-Punkte-Plans dar, vor welchen unmittelbaren Aufgaben die geplante „Koalition der nationalen Einheit“ steht, um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Wie Paukenschläge trug er die Liste vor.

Damit skizzierte Venizelos bereits eine Regierungserklärung. Es war eine dramatische, eine aufwühlende Rede, mit der Venizelos die Vertrauensdebatte beendete. Er sprach von der „Tragödie, die unser Land erlebt“, von den „tödlichen Gefahren“, mit denen Griechenland konfrontiert sei, Gefahren „nicht nur für seine wirtschaftlichen Strukturen sondern für die normale Funktion der politischen Institutionen“. Er sprach von einem „Staat, der wieder funktionieren muss“ und von einer „Wirtschaft im Niedergang“. Aber Venizelos wäre ein schlechter Politiker, wenn er nur schwarz malen würde: „Das Drama erreicht seinen Höhepunkt“, sagte er, „und was folgt ist die Erlösung.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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