Fiskalpolitik: Amerika sollte sich ein Beispiel an Irland nehmen

ThemaUSA

Fiskalpolitik: Amerika sollte sich ein Beispiel an Irland nehmen

Wenn die US-Politik weiter auf Zeit spielt und die Schuden nicht in den Griff bekommt, droht die Wirtschaft eine Rezession. Fondsmanager Michael Hasenstab rät deshalb, sich an der Fiskalpolitik Irlands zu orientieren.

Das Staatsdefizit der Vereinten Staaten von Amerika betrug im vergangenen Jahr rund 15,5 Billionen Dollar, Tendenz steigend. Aber akuten Handlungsbedarf scheint die Regierung nicht zu sehen, sie doktort eher mit Progrämmchen als handfesten Lösungen am Schuldenproblem herum. Wenn die politische Führung der USA weiter auf Zeit spielt, stürzt sie samt dem Wirtschaftswachstum in eine tiefe Rezession, so die Meinung vieler Experten. "Meines Erachtens machen viele Politiker die Augen zu. Vielleicht begreifen sie das Ausmaß der Misere nicht", sagt Michael Hasenstab, Fondsmanager und Renten-Experte bei der Investmentgesellschaft Franklin Templeton. Er hält die aktuelle Fiskalpolitik der USA für verantwortungslos.

Die größten Pleitekandidaten der USA

  • Kalifornien

    Kaliforniens Haushaltsloch brachte schon Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger zur Verzweiflung. Weder die Schließung von Gefängnissen noch die Sperrung von Nationalparks konnten die Finanzkrise des Landes lösen. In diesem Jahr wird im bevölkerungsreichsten US-Staat wohl eine Lücke im Haushalt von 25,4 Milliarden Dollar klaffen. Zur Einordnung: Das ist fast ein Drittel (29,3 Prozent) des Gesamtetats von 2011. Nun wird überall gespart – außer bei der Filmförderung für Hollywood.

  • Illinois

    Der fünftgrößte US-Staat war jahrelang die Heimat von US-Präsident Barack Obama. Er arbeitete in Chicago und ist noch heute in der „windy city“ äußert beliebt. Die Finanzlage des Landes ist besorgniserregend. Für 2012 erwartet Illinois ein Haushaltsloch von 15 Milliarden Dollar (44,9 Prozent des aktuellen Budgets). Die Bonität des Staates gilt schon jetzt als gering. Investoren leihen Illinois nur für hohe Zinsen ihr Geld. Die Schuldenspirale dreht sich damit immer weiter.

  • Minnesota

    Der Bundesstaat an der Grenze zu Kanada hat nicht nur viele Gewässer ("Land der tausend Seen"), sondern auch viele Schulden. Für das Gesamtjahr 2012 gehen die Behörden von einem Haushaltsloch von knapp vier Milliarden US-Dollar aus. Schon im Juli 2011 war Minnesota zeitweise zahlungsunfähig. Zoos und Nationalparks wurden geschlossen, Bauarbeiten an Straßen wurden eingestellt und 22.000 staatliche Bedienstete in den unbezahlten Urlaub geschickt.

  • Connecticut

    Der kleine Ostküstenstaat zwischen New York und Rhode Island steckt ebenfalls in der schwersten Finanzkrise seiner Geschichte. Im Haushalt 2012 fehlen 3,7 Milliarden Dollar (20,8 Prozent des 2011er-Etats). Selbst die private Elite-Uni Yale in Connecticut bleibt von der Krise nicht verschont. In ihrem Uni-Budget für 2011/12 fehlen 68 Millionen Dollar.

  • Louisiana

    Der Südstaat musste in den vergangenen Jahren viele Tiefschläge verkrafte. Erst wütete Hurrikan „Katrina“ über das Land, dann folgte eine schmerzhafte Rezession und 2010 schließlich noch die Ölkatastrophe. Der Haushalt ist vollkommen überlastet. Es klafft 2012 ein Loch von 1,7 Milliarden US-Dollar (22 Prozent des 2011er-Etats).

  • Nevada

    Der Wüstenstaat ist durch eine Stadt weltbekannt: Las Vegas. Die Spielermetropole zieht jährlich Touristen aus allen Teilen der Erde an. Der Haushalt des Bundesstaates kann davon aber nicht profitieren. 2012 wird der Haushalt eine Lücke von 1,5 Milliarden Dollar aufweisen. Allerdings: Die Summe entspricht fast der Hälfte des derzeitigen Etats Nevadas.

  • Oregon

    Der nördliche Nachbar von Kalifornien wird 2012 wohl ein Haushaltsloch von 1,8 Milliarden US-Dollar verkraften müssen. Diese Summe beträgt ein Viertel des Gesamthaushaltes von 2011. Es wird drastisch gespart: Sowohl bei Kranken und Rentnern als auch bei Schülern und Studenten.

"Die Politiker, die die fiskalpolitischen Probleme erkennen, können nichts dagegen tun. Die Wahl dürfte daran nichts ändern", sagt er. Derzeit würden die fiskalpolitischen Fragen nur aufgeschoben: Steuern werden wenn überhaupt nur moderat erhöht und unpopuläre Einschnitte auf mindestens nach der US-Wahl vertagt. Diese Taktik des Aufschiebens hat zumindest den kurzfristigen Erfolg, dass es nicht zu der dramatischen Fiskalklippe kommt, die viele Experten der hochverschuldeten Weltmacht prophezeien. Langfristige fiskalpolitische Probleme bleiben dadurch aber bestehen - vom Nichts tun passiert auch nichts.

Anzeige
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%