Flammen um Moskau: Russlands Wirtschaft leidet unter dem Feuerinferno

Flammen um Moskau: Russlands Wirtschaft leidet unter dem Feuerinferno

Bild vergrößern

Ein russischer Feuerwehrmann im Einsatz

von Florian Willershausen

Seit Wochen leidet Zentralrussland unter verheerenden Waldbränden. Dichter Rauch hüllt die Hauptstadt Moskau in gefährlichen Smog. Von der größten Umweltkatastrophe seit Jahrzehnten bleibt auch die Wirtschaft nicht verschont: Industriebetriebe halten die Produktion an, Unternehmen schicken Mitarbeiter in Urlaub, die Regierung verhängt ein Exportstopp für Getreide.

Es sind Bilder der Verzweiflung: Mit nacktem Oberkörper und Mundschutz kämpfen Männer am südlichen Stadtrand von Moskau gegen die Feuermassen. Manche gießen Wassereimer über der brennenden Erde aus. Andere beseitigen verdorrtes Getreide mit der Sense, damit die Brände nicht auf Wohnhäuser übergreifen.

Im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände in Russland sind aktuell knapp 200.000 Menschen im Einsatz – größtenteils Freiwillige, denn die Feuerwehren sind personell und technisch überfordert. Doch Russland wird der schlimmsten Brandkatastrophe seit Jahrzehnten nicht Herr: Kaum ist eines der über 550 Feuer gelöscht, entzündet sich anderswo ein neuer Waldbrand aus.

Anzeige

Seit Anfang Juli bricht der Sommer in Zentralrussland einen Hitzerekord nach dem nächsten; Temperaturen von annähernd 40 Grad geben dem Feuerinferno immer neue Nahrung. Derweil erstickt die Hauptstadt Moskau in dichtem Smog, der die elf Millionen Einwohner der Metropole zu Kettenrauchern werden lässt: Eine Stunde im Freien, sagen Experten, wirkt sich wie der Rauch einer Schachtel Zigaretten auf den Organismus aus.

Bänder stehen still

Längst hat die Naturkatastrophe auch Russlands Wirtschaft erfasst: Industrieunternehmen wie der Lada-Hersteller Awtowas und LKW-Produzent Kamaz halten die Produktionslinien für mehrere Wochen an. Auch über dem VW-Werk im südlich von Moskau gelegenen Kaluga liegt seit Tagen Rauch - zeitweise stehen die Bänder still.

Auf die Krise reagieren auch die Märkte: Als Premierminister Wladimir Putin vorige Woche ein Exportstopp für Getreide verkündete, erhöhten sich Getreidepreise an den Terminmärkten um mehr als die Hälfte. Russland ist einer der wichtigsten Getreideexporteure der Welt. Doch für Putin geht die Versorgung der eigenen Bevölkerung vor – weshalb dieses Jahr kein Korn Getreide mehr exportiert wird.

Bevölkerung beginnt mit Hamsterkäufen

Vor Ort in Russland beginnt die Bevölkerung mit Hamsterkäufen. Trotzdem sind die sonst völlig verstauten Straßen in Moskau so leer wie nie zuvor. Viele Menschen, die sich für kurze Zeit im Freien aufhalten, haben sich Atemschutz- oder gar Gasmasken übergezogen. Ähnlich sieht die Lage auch in anderen Großstädten aus. Die Rauchwolke hat mittlerweile auch die Millionenstädte Sankt Petersburg und Jekaterinburg erfasst. Brände in insgesamt 30 von 83 Regionen entwickeln giftigen Rauch, dem kaum jemand entkommen kann.

Wer kann, flüchtet ins Ausland oder zu Verwandten ins ferne Sibirien. Der Ansturm der Flüchtenden hat die drei Hauptstadtflughäfen am Wochenende teilweise zum Kollaps gebracht. Am landesweit größten Flughafen Domodedowo, wo auch die Löschflugzeuge zum Auftanken zwischenlanden, waren rund 2000 Passagiere gestrandet. Zeitweilige Sperrungen des Flugverkehrs führten dort zu stunden- bis tagelangen Verspätungen.

Ein Ende ist noch nicht absehbar: Einige Meteorologen kündigten heute zwar an, dass sich der Wind am Dienstag drehen wird. Doch da Zentralrussland fast vollständig betroffen ist, wird selbst dies den Smog wohl kaum vollständig vertreiben. Helfen kann lediglich Regen – und den erwarten Wetterdienste frühestens Anfang nächster Woche.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%