Flüchtlingskrise: Griechische Polizei soll Lager in Idomeni räumen

Flüchtlingskrise: Griechische Polizei soll Lager in Idomeni räumen

, aktualisiert 23. Mai 2016, 18:20 Uhr
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Bisher hatte sich die griechische Regierung stets gegen eine gewaltsame Räumung des Lagers in Idomeni ausgesprochen. Jetzt sollen Sondereinheiten der griechischen Bereitschaftspolizei bei der Räumung des wilden Flüchtlingslagers an der mazedonischen Grenze helfen.

Quelle:Handelsblatt Online

Idomeni steht für das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik. Hier spielen Kleinkinder im Matsch, Frauen bringen Babys in Zelten zur Welt, Drogen werden gehandelt, es gibt Prostitution. Jetzt wird eine Räumung erwartet.

AthenSondereinheiten der griechischen Bereitschaftspolizei haben sich am Montag auf den Weg in den nordgriechischen Grenzort Idomeni gemacht. Sie sollen bei der Räumung des wilden Flüchtlingslagers an der mazedonischen Grenze helfen. Wie genau die Aktion vor sich gehen soll, war zunächst nicht bekannt. „Wir werden jedenfalls nicht die Kavallerie ins Lager galoppieren lassen oder eine Art Säuberungsaktion starten“, sagte der Sprecher des griechischen Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

In griechischen Medien wurde spekuliert, ob Kyritsis mit zurückhaltenden Äußerungen nur dafür sorgen will, dass die Situation in Idomeni nicht eskaliert. In der Vergangenheit war es dort immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Lagerbewohnern und der Polizei gekommen.

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So versuchten Flüchtlinge und Migranten wiederholt, die Grenze zu stürmen. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein, auf beiden Seiten wurden Menschen verletzt. Eine unrühmliche Rolle wurde dabei den politischen Aktivisten unter den freiwilligen Helfern zugeschrieben: Sie sollen die Menschen zu den Aktionen angestachelt haben.

Bisher hat sich die griechische Regierung dennoch stets gegen eine gewaltsame Räumung des Lagers ausgesprochen; es lebten viele Kinder und Frauen dort, Gewalt sei keine Option. Allerdings wird die Situation vor Ort zunehmend untragbar. Eine kleine Gruppe von Migranten hält seit mehr als zwei Monaten den für die griechische Wirtschaft wichtigen Bahnübergang besetzt. Güterzüge können nicht passieren, griechische Unternehmen beklagen bereits Schäden in Millionenhöhe.

Zudem soll im Lager mittlerweile mit Drogen gehandelt werden; ein Eisenbahnwaggon sei zum Bordell umfunktioniert worden, dort prostituierten sich allein reisende Frauen, denen das Geld ausgegangen sei, berichten griechische Medien. Und die Bewohner von Idomeni selbst beschweren sich ebenfalls bitterlich: Immer öfter komme es in ihrem Dorf zu Diebstählen und Vandalismus.

Im Eiltempo werden derzeit verschiedene Aufnahmemöglichkeiten für die Flüchtlinge fertig gestellt. Die Regierung hat dafür Industriegebäude angemietet, auch ausrangierte Militärkasernen kommen zum Einsatz. Es sei bereits Platz für 6000 Menschen geschaffen worden, so Kyritsis. Bis zum Ende der Woche soll es 8000 Unterkunftsmöglichkeiten geben. Es werde in etwa zehn Tage dauern, bis die vielen tausend Menschen mit Bussen zu den neuen Bleiben gebracht worden seien.

Offen bleibt jedoch, ob die Bewohner das Lager ohne Gegenwehr verlassen und wann die Aktion wirklich starten soll. Es wird erwartet, dass die Polizei das Camp vorher weiträumig absperrt und Journalisten, freiwillige Helfer und Schaulustige von dem Gelände schickt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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