Flüchtlingskrise in Griechenland: Deutsche Asylexperten nehmen Arbeit auf Lesbos auf

Flüchtlingskrise in Griechenland: Deutsche Asylexperten nehmen Arbeit auf Lesbos auf

, aktualisiert 07. April 2016, 16:31 Uhr
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Die ersten 200 Flüchtlinge werden am Montag von Griechenland zurück in die Türkei gebracht.

Quelle:Handelsblatt Online

Experten aus Deutschland helfen in Griechenland bei der Bearbeitung von Asylanträgen. Inzwischen haben die ersten Kollegen ihre Arbeit aufgenommen. Der Leiter der Gruppe sieht bereits erste Fortschritte.

LesbosDeutsche Asylexperten haben ihre Unterstützungsarbeit zur Umsetzung des EU-Türkei-Pakts in Griechenland aufgenommen. Sieben Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) seien seit Donnerstag auf der Insel Lesbos im Einsatz, sagte der Aufbauleiter des Bamf, Heiko Werner. Sie helfen dort bei der Bearbeitung von Asylanträgen – als Teil eines 30-köpfigen Teams aus mehreren EU-Staaten.

Wenn das Pilotprojekt auf Lesbos erfolgreich verlaufe, sollen auch auf den anderen vier griechischen Inseln mit Lagern für neu ankommende Flüchtlinge Asylexperten aus EU-Staaten eingesetzt werden. Werner sagte: „Die Kollegen, die hier ausgebildet werden, werden dann im Schneeballsystem auch dort entsprechende Stellen aufbauen.“

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Über Asylanträge entscheiden dürfen die deutschen Kollegen nicht. „Am Schluss muss zwingend ein griechischer Beamter die Entscheidung treffen“, betonte Werner. Die Deutschen helfen bei der Vorbereitung der Asylentscheidungen. „Man muss alles so zusammenstellen, dass man es schnell entscheiden und abzeichnen kann.“ Die Verfahren seien denen in Deutschland inzwischen sehr ähnlich.

Die deutschen Kollegen kamen am Sonntag in Athen an und wurden am Montag und Dienstag noch von der EU und der griechischen Flüchtlingsbehörde geschult – etwa in griechischem Asylrecht und den nötigen Computerprogrammen. Auf Lesbos sollen sie mehrere Wochen bleiben.

In Kürze sollen außerdem zehn Dolmetscher aus Deutschland eintreffen. Die Personalrekrutierungen für weitere etwa 30 Kollegen liefen gerade in Nürnberg. Diese sollen „in näherer Zukunft“ nach Griechenland fliegen. „Wir reden hier nicht über Wochen“, sagte Werner.

Nach Angaben der griechischen Behörden geht die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge zurück, seitdem das EU-Türkei-Abkommen geschlossen wurde – obwohl das Wetter besser geworden ist. Genau das sei Ziel des Pakts.


„Die Menschen sind durchweg freundlich“

Die Vereinbarung der EU mit der Türkei sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die nach dem 20. März illegal von der Türkei nach Griechenland gereist sind, zwangsweise zurückgebracht werden können, sofern keine Gründe dagegen sprechen. Die ersten etwa 200 Flüchtlinge wurden am Montag zurückgeführt. Im Gegenzug für abgeschobene Syrer nimmt die EU der Türkei syrische Flüchtlinge ab.

Die Bedingungen auf Lesbos seien recht ähnlich gewesen wie anfangs in Deutschland nach der Ankunft sehr vieler Flüchtlinge, sagte Werner. Er hatte für das Bamf unter anderem die sogenannten Warteräume in Erding und Feldkirchen in Bayern aufgebaut. „Auf der grünen Wiese“ habe man alles komplett neu entstehen lassen – inklusive Containern mit Büroausstattung und Computern. „Das sah in Deutschland ganz genauso aus, nur war es bei uns wesentlich kälter.“

Die Stimmung im Camp sei weitgehend friedlich – obwohl die Menschen das Lager nicht mehr verlassen dürfen. Zwar gebe es Demonstrationen, aber er selbst sei nie angefeindet worden. „Die Menschen sind durchweg freundlich.“ Die Flüchtlinge seien auf der Insel gut untergebracht. „Problematisch wird es, wenn die Camps übervoll werden, aber da sind die griechischen Kollegen mit Nachdruck dran. Die schwierigsten Bilder werden eher auf dem Festland produziert.“

Seit der ersten Rückführung in die Türkei hätten die meisten Menschen auf Lesbos einen Asylantrag gestellt. Mit den nächsten Rückführungen werde erst nach Abschluss der Verfahren in zwei Wochen gerechnet.

Wie die Menschen mit der drohenden Rückführung umgingen, sei der unterschiedlich, sagte Werner. „Manche sehen die Türkei nicht als Schreckgespenst. Sie gehen da hin, wo sie glauben, sicher zu sein. Andere sehen das genau anders.“ Es sei auch ein großer Unterschied, ob es sich um alleinstehende junge Männer handele oder um einen Familienvater mit drei Kindern. Diese wollten ihre Familien in sicherem Umfeld wissen und sich morgens keine Gedanken machen müssen, wo sie am Abend sind. „Die Unsicherheit macht den Leuten am meisten zu schaffen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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