Flüchtlingskrise: So elend wie Idomeni

Flüchtlingskrise: So elend wie Idomeni

, aktualisiert 23. Mai 2016, 19:39 Uhr
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Das Lager in Horgos: Es gibt weder Toiletten noch Duschen. Nahrungsmittel, Getränke und saubere Kleidung erhalten die Flüchtlinge nur von Hilfsorganisationen.

Quelle:Handelsblatt Online

Das Elendslager Idomeni an der griechisch-mazendonischen Grenze wird Dienstag geräumt. Doch auch in anderen Flüchtlingslagern hausen Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Wie in Horgos, zwischen Serbien und Ungarn.

HorgosIn einem Zeltlager an der serbisch-ungarischen Grenze warten Dutzende Flüchtlinge auf eine Chance, trotz der jüngsten Grenzschließungen in die Europäische Union zu gelangen. Die Migranten, darunter kleine Kinder, harren in den Zelten auf einem müllübersäten Feld am ungarischen Grenzzaun bei Horgos aus und trotzten in dieser Woche Regen und kalten Nächten. „Alles, was die Menschen wollen, ist, diese Grenze zu überqueren“, sagt der 17-jährige Mohammed Idris aus Afghanistan.

Laut Mitarbeitern von Hilfsorganisationen lassen die ungarischen Behörden täglich kleine Gruppen bis etwa 20 Personen ins Land, überwiegend Familien mit kleinen Kindern. Doch es kommen jeden Tag einige Dutzend Menschen neu hinzu, und es wird erwartet, dass ihre Zahl bei besserem Wetter noch zunimmt. Daher wächst die Sorge über die humanitäre Lage in dem provisorischen Camp.

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Die Verhältnisse dort sind denkbar schlecht: Es gibt weder Toiletten noch Duschen. Nahrungsmittel, Getränke und saubere Kleidung erhalten die Flüchtlinge nur von Hilfsorganisationen. Manche Frauen waschen Kleider am einzigen Wasserhahn des Lagers, andere entfachen Feuer, um sich zu wärmen. Als ein Lieferwagen mit Decken, Schuhen und Socken ankommt, stehen die Flüchtlinge Schlange. Einige Kinder tragen im Nieselregen Schuhe ohne Socken. In den Zelten essen die Menschen Mahlzeiten aus Plastikpackungen, die die Helfer verteilt haben.

„Die Situation ist ziemlich unmenschlich. Sie haben keine Sanitäreinrichtungen, sie nutzen den Wald als Toilette“, sagt Zsolt Balla vom Flüchtlingshilfswerk UNHCR. „Da es bald Sommer wird, führt das leicht zu Infektionen.“

Die meisten Menschen in diesem Lager und einem weiteren, kleineren an der serbisch-ungarischen Grenze seien nach der Schließung der sogenannten Balkanroute Anfang März in der Region eingetroffen, sagt Balla. Er bezeichnet den Übergang nach Ungarn als „den legalen Weg in die EU“, doch zugleich sei diese Route sehr problematisch. „Die Zahlen ändern sich täglich“, erklärt Balla. Das UNHCR setze sich dafür ein, Familien und besonders Schutzbedürftigen Vorrang zu gewähren. „Viele allein reisende Männer warten länger als Familien.“


Viktor Orbán sieht eine Invasion von Flüchtlingen

Ungarn hatte im vergangenen Jahr einen Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Serbien errichtet, um Flüchtlinge an der Einreise zu hindern. Ministerpräsident Viktor Orbán bezeichnete den Zustrom von Flüchtlingen als Invasion, die die Sicherheit Europas und die christliche Kultur bedrohe. Als die Balkanroute plötzlich geschlossen wurde, saßen Tausende Migranten in Mazedonien und Serbien fest. Und als das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei am 20. März in Kraft trat, strandeten viele weitere in Griechenland.

Ungarn nimmt nach eigenen Angaben wöchentlich mehrere hundert Menschen in Gewahrsam, die versuchten, illegal ins Land zu gelangen. Die meisten Migranten im Zeltlager Horgos hoffen zwar, legal nach Ungarn einzureisen, doch andere setzen inzwischen auf Schleuser. Ahmed Samir Samari aus Afghanistan sagt, er erwäge, mit den Menschenschmugglern nach Kroatien zu gehen, nachdem er 13 Tage in Ungarn festgehalten und dann nach Serbien zurückgeschickt worden sei. „Was kann ich machen? Sie haben gesagt, ich könne ein Jahr lang nicht nach Ungarn kommen“, klagt der 20-Jährige. „Ich weiß jetzt nicht weiter. Wir haben keine Wahl.“

Samari und andere Flüchtlinge an der Grenze sagen, sie könnten nicht in ihre Heimatländer wie Afghanistan, Syrien und Irak zurückkehren, wegen der Kriege dort. Viele reisten über gefährliche Routen von der Türkei nach Bulgarien und weiter nach Serbien. Balla vom UNHCR erklärt, es sei schwer abzuschätzen, wie sich die Zahl der Flüchtlinge, die an der Grenze ankommen, in den kommenden Monaten entwickeln werde. Gegenwärtig harrten etwa 400 Menschen in den beiden behelfsmäßigen Lagern aus.

Ein serbischer Polizist, der anonym bleiben möchte, sagt, die Zahl der Menschen sei mit dem Frühlingswetter gestiegen. Viele der Neuankömmlinge hätten die neue Route über Bulgarien gewählt. Mit Blick auf das Lager an der griechisch-mazedonischen Grenze, in dem nach der Schließung der Balkanroute seit Monaten Tausende Menschen ausharren, fügt der Beamte hinzu: „Ich hoffe, dies wird kein neues Idomeni.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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