Förderländer: Venezuela – Öl-Weltmeister in Reserve

Förderländer: Venezuela – Öl-Weltmeister in Reserve

, aktualisiert 30. Juli 2011, 15:13 Uhr
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Ölraffinerie in Venezuela.

von Alexander Busch und Regine PalmQuelle:Handelsblatt Online

Venezuela hat Saudi-Arabien als Land mit den weltweit größten Ölreserven abgelöst. Das Problem: Der südamerikanische Staat ist nicht in der Lage, die riesigen Vorkommen zu heben.

Sao Paulo, DüsseldorfMit 297 Milliarden Fass Öl an gesicherten Reserven hat Venezuela erstmals Saudi-Arabien als reichstes Förderland der Welt überholt. Das teilte die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) mit Sitz in Wien mit. Eine neue Statistik zeigt, dass die Ölreserven Venezuelas seit 2009 um 40,4 Prozent gestiegen sind, während die Reserven in Saudi-Arabien stagnierten. Hinter diesem Führungsduo rangieren Iran (151 Milliarden Barrel) und Irak (143 Milliarden Barrel) auf den Plätzen drei und vier.

Auch die irakischen Ölreserven sind der Opec zufolge um fast 25 Prozent gestiegen. Die Aufwärtskorrekturen seien ein Beweis, „dass uns auch langfristig nicht das Öl ausgeht“, sagte Eugen Weinberg, Leiter des Rohstoffteams der Commerzbank. Bei den aktuell hohen Preisen könne ein großer Teil der nachgewiesenen Reserven auch abgebaut werden, so Weinberg. Rohöl hat sich seit Ausbruch der Libyen-Krise nahezu kontinuierlich verteuert. Ein Barrel Brentöl (159 Liter) kostete gestern in Europa knapp 119 US-Dollar.

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Venezuela fehlt die Technologie, um das Öl zu fördern

Doch während Saudi-Arabien Tag für Tag Milliarden scheffelt, gigantische Infrastrukturprojekte im Land anschiebt und zu Hause einen Wirtschaftsboom entfacht, kann der neue Öl-Weltmeister seine Schätze kaum heben. Das Dilemma: Ein Drittel von Venezuelas Ölreserven bestehen aus superschwerem Öl, das im Orinoco-Gürtel im Landesinneren lagert. Seit Jahrzehnten versucht der staatliche Ölkonzern PdVSA diese teerähnlichen Vorkommen zu explorieren. Ohne hochkarätige Partner aus dem Ausland klappt das nicht. Auch für Reserven, die vor der Küste Venezuelas liegen, fehlt dem Ölland eine eigene Fördertechnologie. Nur ein kleiner Teil der neu anerkannten Vorräte liegt in erschlossenen Fördergebieten wie Maracaibo – und auch dort ist die Infrastruktur völlig veraltet.


„Es nutzt Venezuela wenig, auf den größten Ölreserven der Welt zu sitzen...“

Jetzt rächt sich, dass Venezuelas Regierung die internationalen Ölkonzerne verprellt und sich jahrelang geweigert hat, Entschädigungen für Enteignungen zu bezahlen. „Es nutzt Venezuela wenig, auf den größten Ölreserven der Welt zu sitzen, wenn es weder Partner noch Technologie und Kapital besitzt, um sie zu fördern“, sagt Jorge Piñon, der frühere Lateinamerika-Chef des Ölkonzerns Amoco (heute BP).

Nach einem landesweiten Ölarbeiterstreik 2003 entließ der linksnationalistische Präsident Hugo Chávez die gesamte Belegschaft und ersetzte 20 000 Mitarbeiter durch Parteimitglieder. Die Folge: Die Ölproduktion hat sich in seiner Amtszeit auf 2,8 Millionen Fass pro Tag fast halbiert. Zudem nutzt Chávez den Konzern als Motor für seinen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“.

Der Präsident zweigt einen Großteil der Gewinne für soziale Projekte ab – nur ein Bruchteil wird investiert. Gleichzeitig übernimmt der Ölkonzern immer neue Aufgaben: In Tochterfirmen werden Schuhe hergestellt, Schiffe gebaut, Rinder gezüchtet und Soja angepflanzt. Nach Angaben des Energieministers Rafael Ramirez setzte PdVSA im vergangenen Jahr 95 Milliarden Dollar um und investierte 20 Milliarden Dollar Gewinn in soziale Projekte.


Südamerika boomt – nur Venezuela schrumpft

Chávez will 2015 zwar nach eigenen Angaben täglich 4,5 Millionen Barrel Öl fördern und bis dahin zwei Raffinerien sowie ein Exportterminal für Schiffstransporte bauen. Die Umsetzung der groß angekündigten Investitionsprojekte stockt jedoch wegen der Verstaatlichungsorgien und des wirtschaftlichen Chaos in Venezuela. So beschwerte sich die nationale Handelskammer Fedecameras kürzlich in einem Brief an die Regierung, dass Venezuela als einzig bedeutender Ölexporteur seine Schulden erhöhe. Während viele Nationen Südamerikas wirtschaftlich so gut dastehen wie seit Jahrzehnten nicht, schrumpft Venezuelas Konjunktur. Mit 25 Prozent hat das Land auch die höchste Jahresinflation des Kontinents.

Von den hohen Ölpreisen profitieren andere, neben vielen arabischen Ländern auch Brasilien, Kolumbien und Ecuador. Sie sind in den vergangenen Jahren in jene Lücke vorgestoßen, welche Venezuela hinterlassen hat. Laut Opec liegen 20 Prozent der weltweit gesicherten Ölreserven in Lateinamerika.

Die OPEC fördert nach eigenen Angaben knapp 25 Millionen Barrel Öl. Der größte Exporteur Saudi-Arabien liefert davon rund ein Drittel, Venezuela trotz seiner gigantischen Reserven noch nicht einmal zehn Prozent. Damit habe das Land „seine vereinbarte Quote bestenfalls knapp erfüllt“, wie Commerzbank-Experte Weinberg betont.

Präsident Chávez hatte zuletzt Ölpreise von 100 Dollar je Barrel als fair bezeichnet – dies tat er aus purem Eigeninteresse: „Die Kosten dürften in Venezuela deutlich höher als in anderen Opec-Ländern liegen“, sagt Eugen Weinberg. Dabei hat der Staatschef noch Glück. Experten erwarten erst dann wieder Preise unterhalb von 100 Dollar, wenn die Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten nachlassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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