Foxconn: China hat Angst vor Sympathisanten

Foxconn: China hat Angst vor Sympathisanten

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Streik bei Honda

von Matthias Kamp

Die Selbstmordserie beim Apple-Lieferanten Foxconn sowie Streiks bei Autozulieferern zeigen: Die sozialen Spannungen entladen sich immer häufiger.

Chinas Parteichef Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao haben ihre Ämter 2005 mit dem Vorhaben angetreten, eine harmonische Gesellschaft zu schaffen. Heute, fünf Jahre später, ist klar: Hu und Wen sind von ihrem Ziel weiter entfernt denn je. Die reichsten zehn Prozent der Chinesen verdienen heute 23-mal mehr als die ärmsten zehn Prozent. 1988 betrug der Faktor noch zehn.

Der Frust entlädt sich immer öfter in Streiks. Mitte Mai legten rund 1000 Arbeiter des Hyundai-Zulieferers Xingyu Auto die Arbeit nieder. Das Unternehmen gewährte daraufhin eine sofortige Lohnerhöhung von 15 Prozent und eine weitere in Höhe von 10 Prozent von Juli an. Am vergangenen Wochenende nahmen die Arbeiter ihre Arbeit wieder auf. Es brodelt in China an vielen Stellen, wie zuletzt beim Honda-Zulieferer in der Provinz Guangdong. Nicht selten eskaliert die Situation in Selbstmorden wie beim Apple-Zulieferer Foxconn.

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Real wenig Lohn

Die Regierung ist alarmiert, denn Experten glauben, dies könnte der Beginn größerer sozialer Unruhen sein. „Wir glauben, die Streiks könnten bei anderen Teilen der Bevölkerung, die verärgert sind über die Einkommenskluft, über Inflation, Immobilienpreise und Korruption, auf Sympathie stoßen“, sagt Ma Jun, China-Chefökonom der Deutschen Bank in Hongkong.

Mit ihren Aktionen stellen die Arbeiter das Modell der industriellen Entwicklung Chinas auf den Prüfstand. Noch vor 15 Jahren galt ein Job in einer Fabrik im Osten des Landes als das große Los. Die Wanderarbeiter aus dem verarmten Westen sparten einen großen Teil ihrer Löhne und kehrten nach wenigen Jahren in ihre Dörfer zurück. Das ist heute anders. Die jungen Leute, die jetzt in die Fabriken im Osten strömen, wollen häufig in der Stadt bleiben und träumen von einer eigenen Wohnung. Allerdings liegen die Fabriklöhne wie vor 15 Jahren noch bei durchschnittlich 150 Euro im Monat, und das bei einer Sechs-Tage-Woche und Zwölf-Stunden-Schichten. Rechnet man die Inflation ein, sind die Löhne sogar gefallen.

Wenn den Arbeitern bewusst wird, dass etwa eine Wohnung in der Stadt für sie unerschwinglich ist, breitet sich Frust aus. Verstärkt wird der Ärger dadurch, dass die Gehälter für gut ausgebildete Fachkräfte in den letzten Jahren stark gestiegen sind. In den großen Produktionszentren Ostchinas, so scheint es, wächst eine „No future“-Generation heran, die sich von der Kommunistischen Partei nicht einschüchtern lässt.

Experten wie der Deutsche-Bank-Ökonom Ma mahnen Reformen an. Die Regierung müsse unter anderem den Zugang zu Bildung verbessern und mehr in Forschung und Entwicklung investieren, um Industrien mit höherer Wertschöpfung aufzubauen.

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