Frankreich: Mann bei islamistischem Anschlag enthauptet

Frankreich: Mann bei islamistischem Anschlag enthauptet

, aktualisiert 26. Juni 2015, 16:35 Uhr
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Der Terroranschlag ereignete sich in einer französischen Gasfabrik.

Grausamer Fund nach einem neuen Terroranschlag in Frankreich: In der Nähe von Lyon wird die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt. Das ist die Handschrift islamistischer Terroristen.

Knapp ein halbes Jahr nach den Mordanschlägen von Paris wird Frankreich erneut von einem islamistischen Attentat erschüttert. Nach einem Überfall auf ein Werk für Industriegase in der Nähe von Lyon am Freitag wurde die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt. Mindestens zwei Menschen wurden nach Angaben der Behörden zudem leicht verletzt. Die Polizei nahm einen 35-jährigen Mann fest, der Kontakt zur radikalislamischen Szene haben soll. Später stellte sie einen weiteren Tatverdächtigen und verhaftete auch die Frau des Hauptverdächtigen.

Frankreichs Präsident François Hollande brach wegen des Anschlags seine Teilnahme am EU-Gipfel in Brüssel ab. Er sprach von einem Anschlag „terroristischer Natur“. Auf dem Körper des enthaupteten Manns wurden arabische Schriftzeichen entdeckt. Sein Kopf steckte auf einem Zaun, der die Gasefabrik umgibt. In der Nähe waren nach Angaben von Augenzeugen zwei schwarze Islamistenflaggen zu sehen.

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In den vergangenen Monaten hatte die islamistische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mehrfach Geiseln enthauptet. Einige der Gräueltaten waren dann später auch in Internet-Videos zu sehen.

Anschlag auf "Charlie Hebdo" Ein Attentat auf unsere Freiheit

Nach dem Attentat auf "Charlie Hebdo" wird deutlich: Wer das Recht auf Meinungs- und Satirefreiheit auf die Theorie reduzieren will, hat es schon abgeschafft. Wir sollten es nicht so weit kommen lassen.

Demonstration für die Pressefreiheit vor dem Place de la Republique in Paris Quelle: dpa

Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, der mutmaßliche Attentäter stehe in Verbindung mit salafistischen Organisationen. Die Behörden seien bereits 2006 auf den 35-jährigen Yassine S. wegen radikaler Tendenzen aufmerksam geworden. Nähere Angaben machte Cazeneuve zunächst nicht.

Die Frau des Festgenommenen wurde nahe Lyon ebenfalls von der Polizei festgehalten. Dem Sender Europe-1 hatte sie zuvor berichtet, ihr Mann sei als Auslieferungsfahrer am Morgen zur Arbeit gegangen. „Wir sind normale Muslime“, versicherte sie. Sie selbst habe aus dem Fernsehen von dem Anschlag erfahren.

Der Präfekt der Region Isère, Jean-Paul Bonnetain, deutete im Gespräch mit dem „Figaro“ an, dass der Täter in dem Werk gearbeitet haben könnte. Das Tatauto habe eine Zugangsberechtigung für das Werk gehabt.

Der genaue Hergang war zunächst unklar. Nach ersten Angaben fuhr der Täter - möglicherweise in Begleitung - gegen 9.50 Uhr mit einem Auto in hoher Geschwindigkeit auf die Fabrik zu. Zeugen berichteten von einer „enormen Explosion“. Der Schaden hielt sich dann aber offenbar in Grenzen. Die Fabrik unweit des Flughafens von Lyon gehört dem US-Konzern Air Products, der Gase für die Industrie und den medizinischen Gebrauch herstellt. Nach der Tat wurde das Gelände weiträumig abgesperrt.

Einsatz gegen Terrorverdächtige: Islamisten-Szene verstärkt im Visier

  • Was steckt hinter den jüngsten Polizeiaktionen in Deutschland?

    Seit den Attentaten in Frankreich schauen sich auch die deutschen Sicherheitsbehörden die islamistische Szene besonders genau an. Die rund 260 „Gefährder“, denen Polizei und Geheimdienste grundsätzlich einen Terrorakt zutrauen, werden seitdem noch intensiver beobachtet. Schon in den Wochen vor den Anschlägen in Frankreich gab es aber eine Vielzahl von Durchsuchungen und Festnahmen: Beim Bundeskriminalamt (BKA) laufen bereits rund 500 Ermittlungsverfahren gegen etwa 800 Beschuldigte aus dem islamistischen Spektrum. Solche Aktionen bekommen nun eine größere Aufmerksamkeit. Aus Sicherheitskreisen ist aber auch zu hören, der Druck auf die Szene werde nach Paris erhöht. Mancher Zugriff werde wegen die aktuelle Lage vorgezogen, um die Szene zu stören und die Botschaft zu senden: Wir haben euch im Blick.

  • Wie groß ist die Terrorgefahr im Moment?

    Deutschland ist seit langem im Visier von islamistischen Terroristen. Über Monate lautete die Sprachregelung, es gebe eine „abstrakt hohe“ Gefährdung, aber keine konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen. Auch kurz nach den Attentaten von Paris benutzte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) noch diese Wendung. Der Zusatz, es gebe keine konkreten Hinweise, ist inzwischen aber nicht mehr zu hören. Der Grund: Seit Paris häufen sich auch die Drohungen gegen Deutschland. Die Behörden müssen in jedem einzelnen Fall prüfen, ob etwas dahinter steckt oder es sich nur um Wichtigtuerei handelt. „Die Lage ist ernst, es besteht Grund zur Sorge und Vorsorge, jedoch nicht zu Panik und Alarmismus“, sagt de Maizière inzwischen. Doch auch er räumt ein, dass ein Anschlag in Deutschland nicht komplett auszuschließen sei. Große Angst gibt es vor möglichen Einzeltätern, die zuvor überhaupt nicht aufgefallen sind.

  • Stockt Deutschland wie andere Länder die Sicherheitsvorkehrungen auf?

    In Frankreich gilt seit dem Pariser Anschlag die höchste Terrorwarnstufe. Soldaten sind vor Schulen und auf öffentlichen Plätzen postiert. Die belgischen Behörden riefen nach dem tödlichen Anti-Terror-Einsatz die zweithöchste Alarmstufe aus. Polizeiwachen wurden verbarrikadiert, jüdische Schulen vorerst geschlossen. Solche Warnstufen hat Deutschland nicht. Bislang gibt es hier auch nur wenige sichtbare Sicherheitsvorkehrungen wie ein wenig mehr Polizei an einigen Stellen, zum Beispiel rund um bestimmte Medienhäuser. Auf eine deutliche Verstärkung der Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit verzichten Bund und Länder bislang. Hinter den Kulissen sind Polizei und Geheimdienste aber verstärkt im Einsatz: „Die deutschen Sicherheitsbehörden unternehmen alles, um die Bevölkerung wirksam zu schützen“, betont de Maizière. Aber es sei doch auch klar, dass man nicht jede Maßnahme sehe oder offen darüber spreche.

  • Warum gibt es in Deutschland eigentlich keine Terrorwarnstufen?

    Die Regierung findet ein starres und grobes Raster nicht geeignet, um die Sicherheitslage vernünftig zu beschreiben. Schließlich könne sich die Situation je nach Region unterschiedlich gestalten, sogar innerhalb einer Stadt, lautet die Argumentation des Innenressorts. Der Vielschichtigkeit von Bedrohungen werde das nicht gerecht.

Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben Cazeneuves um ein „unschuldiges Opfer, das ermordet und auf widerwärtige Weise enthauptet“ worden sei. Die Identifizierung sei noch nicht abgeschlossen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP könnte es sich um einem Unternehmer aus der Umgebung handeln.

Im Januar waren bei Anschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris 17 Menschen von islamistischen Terroristen getötet worden. Die Anschläge lösten international eine beispiellose Welle der Solidarität aus.

Die Bundesregierung verurteilte das Attentat. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, gerade in Fragen der Sicherheit hingen Deutschland und Frankreich eng zusammen. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte ein entschlossenes Vorgehen gegen den internationalen Terrorismus an.

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